Cam Akers feierte gegen die Cardinals ein emotionales Comeback - Bildquelle: 2022 Getty ImagesCam Akers feierte gegen die Cardinals ein emotionales Comeback © 2022 Getty Images

München - Es sind eine Menge Tränen geflossen. Angefangen beim Riss der Achillessehne. Nach der Diagnose. Beim Telefonat mit der Mutter. Während der Reha. 

Für Cam Akers endeten kürzlich die wohl emotionalsten Monate seiner Karriere. Der Running Back der Los Angeles Rams brauchte nur knapp sechs Monate, um sich von der Verletzung zu erholen und in den Playoffs gegen die Arizona Cardinals wieder aufzulaufen. Ein NFL-Märchen.

2020 kam der 22-Jährige als Zweitrundenpick in die Liga und erlebte einen steilen Aufstieg. 

Los Angeles Rams: Cam Akers etabliert sich als Rookie

In der kreativen Rushing Offense der Rams fand Akers schnell eine Rolle neben Darrell Henderson und erlief 625 Yards bei 145 Carries. Besonders in den Playoffs lief es mit 221 Yards und zwei Touchdowns gut.

Wie schmerzhaft es sein muss, sich nach starker Rookie-Saison und erfolgreicher Etablierung in der NFL die Achillessehne zu reißen, kann man sich kaum vorstellen. So geschehen im Juli 2021 kurz vor Beginn des Training Camps.

Als einer von vielen jungen Spielern darf man sich in der NFL nie zu sicher sein, egal wie groß das Standing ist - oder einst war. Gerade Running Backs haben in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeführt bekommen, wie leicht sie zu ersetzen sind. 

NFL: Running Backs können jederzeit ersetzt werden

So waren es Akers und Henderson selbst, die die Lücke von Todd Gurley bei den Rams schließen konnten. Für Akers sprang Sony Michel ein. "Next man up": Wenn es blöd läuft, kann man schnell in Vergessenheit geraten. Gerade, wenn man sich die Achillessehne reißt und ein Jahr lang zuschauen muss, wie das eigene Team die Playoffs erreicht. 

Bei Akers war es jedoch anders. Er wurde angetrieben, das Unmögliche zu schaffen. 

"Die Angst davor, nicht mehr zurückzukommen hat mir die Motivation beschert, die ich gebraucht hab", so das Workhouse der Rams: "Die Angst davor, nicht mehr besser zu werden als ich es war, bevor ich mich verletzt habe. An diesem Punkt der Angst gab es kein Selbstmitleid. Ich musste meine Denkweise umschulen und einfach nur angreifen."

Cam Akers: Erste Fortschritte schon nach einem Monat

Er erreichte einen Fortschritt nach dem anderen. Früh zeichnete sich ab, dass Akers schon zu den Playoffs wieder zurück sein könnte. Schon nach dem ersten Monat habe er das realistische Ziel gehabt, die Postseason 2021 noch mitnehmen zu können. 

"Ich habe schon Dinge machen können, die andere bei dieser Verletzung noch lange nicht konnten", gab er auf der Pressekonferenz vor dem Cardinals-Spiel an: "Das gesteckte Ziel der Playoffs war auf einmal nicht mehr weit hergeholt. Es war erreichbar."

So spielte er auch immer wieder eine Rolle in den Überlegungen und Gedanken von Head Coach Sean McVay. Akers ließ nicht zu, dass man ihn vergisst. Dass man ohne ihn plant. 

Los Angeles Rams: Akers-Comeback war immer in Aussicht 

"Wir hatten immer diese Timeline im Kopf", bestätigte der Cheftrainer gegenüber der "Los Angeles Times": "Er hat unsere Erwartungen übertroffen. Die Playoffs und das Spiel gegen die Niners in Woche 18 waren unser Zeitrahmen."

Der wurde eingehalten. Schon zwei Tage vor Weihnachten stand Akers erstmals wieder gemeinsam mit den Teamkollegen auf dem Trainingsplatz, kurz danach war er wieder Teil des aktiven Kaders. In Woche 18 dann das Comeback im Spiel gegen San Francisco. Er durfte fünf Mal laufen und drei Pässe fangen.

Ein wichtiger Schritt, um in den Playoffs gegen die Cardinals wieder eine größere Rolle einzunehmen. "Es war wirklich wichtig für ihn, wieder rausgehen zu können, die ersten Snaps zu sammeln, einige Tackles zu kassieren, den Ball wieder zu fangen und die ersten Läufe zu starten", meinte Quarterback Matthew Stafford nach dem Spiel. 

Der Signal-Caller, der erstmals mit Akers auf dem Feld stand, zeigte, wie sehr der Running Back mit seiner vorbildlichen Arbeitseinstellung innerhalb des Teams geschätzt wird. "Er hat einen guten Job gemacht und ich kann euch gar nicht sagen, wie stolz ich auf den Kerl bin", lobte er seine junge Offensiv-Waffe. Es sei in jeder Hinsicht eine unglaubliche Leistung, ihn wiederzuhaben.

Cam Akers: Trash-Talk-Anfall gegen die Cardinals

Das zeigte sich auch gegen Arizona. Gemeinsam mit Michel teilte er sich die Carries 17:13 auf, Akers kam mit 55 zwar auf weniger Yards, fing aber auch im Zuge eines Trick Plays einen Pass von Odell Beckham Jr. für 40 Yards. 

Mehr konnte man von dem Comeback nicht erwarten. "Es ist unglaublich. Ich glaube nicht, dass die Statistiken zeigen, wie gut er heute für uns gespielt hat", lobte ihn der stolze McVay nach dem Spiel: "Er war überragend und wird immer selbstbewusster." 

Was sich gegen die Cardinals auch zeigte: Akers ist einsatzerprobt. Als Running Back hat er keine Angst davor, harte Hits einzustecken. Das machte er vor allem in einer bitteren Szene gegen Cards-Safety Budda Baker deutlich. 

Während eines Laufs senkte Baker den Kopf zum Tackling und prallte in hohem Tempo mit dem heranrauschenden Akers zusammen. Was dabei alles andere als gut ankam, war der Trash Talk, zu dem sich Akers in dem hitzigen Spiel hinreißen ließ. 

Als Baker benommen auf dem Boden lag, beugte sich der Rams-Profi über ihn und teilte ihm mit einer Geste mit, besser liegen zu bleiben. Eine Aktion, für die er sich nach der Partie entschuldigte. Das Defensiv-Ass der Cards musste immerhin mit dem Krankenwagen abtransportiert werden. 

"Ich bete für Budda. Ich wusste nicht, dass er nach dem Play so verletzt war und habe nichts als Respekt für ihn", twitterte er. Auch Baker gab später an, dass es ihm soweit gut ginge. 

Akers konnte das Spiel ohne weitere Zwischenfälle beenden und wurde in der Kabine unter lautem Jubel erwartet. Von McVay bekam er vor versammelter Mannschaft den Gameball überreicht und wurde mit Lob überschüttet.

Cam Akers: Wenn sich die Tränen als Segen erweisen

Akers holte sich die positiven Emotionen ab, auf die er so lange hingearbeitet hatte. Auf der Pressekonferenz fasste er zusammen: "Es war hart, wirklich sehr hart. Ich habe viel geweint. Ich hatte viele gute Tage und viele schlechte Tage. Aber niemals aus den Augen zu verlieren, wo ich hinkommen möchte und wo ich eines Tages wieder stehen möchte, ist, warum ich jeden Tag Vollgas gegeben habe. Damit ich wieder zurückkomme." 

Es sei ein Segen, sich so schnell von der Verletzung erholt zu haben. Etwas geschafft zu haben, das vorher noch niemand erreicht hat. 

Die Tränen vom Juli 2021 haben sich in ein NFL-Märchen verwandelt. 

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