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London – Justin Jefferson hatte sichtlich gute Laune. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht schlenderte der Star-Wide-Receiver der Minnesota Vikings über den malerisch gelegenen Trainingsplatz der "Wikinger", inmitten von Feldern direkt am prächtigen Domizil des NFL-Teams vor den Toren Londons.

Immer wieder scherzte der Passempfänger dabei mit seinen Teamkollegen, deutete dabei so häufig seinen "Griddy" an, dass man das Gefühl bekam, er wollte ihn Dalvin Cook und Co. vor dem ersten London Game des Jahres zwischen den Vikings und den New Orleans Saints (Sonntag ab 15 Uhr live auf ProSieben und ran.de) noch auf den letzten Metern perfekt beibringen.

Denn: Jefferson will seinen "Griddy" im Tottenham Stadion auf jeden Fall selbst aufführen. Unbedingt sogar. Das teilte er vollmundig nach der Ankunft der Vikings in London via Social Media mit. "Ich muss meine Füße für Sonntag schon mal warm machen", sagte Jefferson laut lachend auf ran-Nachfrage. "Hier gibt es nämlich nicht so viel Sonnenschein, es ist eher kalt. Es ist trotzdem sehr cool, hier zu sein."

Justin Jefferson strotzt vor Selbstvertrauen

Seine "Griddy"-Ankündigung ist nicht das erste Mal, dass Jefferson mit seinem durchaus großen Mundwerk auffiel. Der Wide Receiver hatte schon vor dieser Saison ziemlich große Töne gespuckt. Er wolle nach dieser Spielzeit der beste Passempfänger der NFL sein und Davante Adams von den Las Vegas Raiders – den er aktuell noch vor sich sehe - endlich hinter sich lassen, sagte er noch im Juli dieses Jahres bei "complex.com".

An Selbstvertrauen scheint es Jefferson jedenfalls nicht zu mangeln. Das ist aber auch kein Wunder. Der 23-Jährige hält mit überragenden 3.016 Yards den Rekord mit den meisten Receiving Yards nach zwei Spielzeiten – das ist noch keinem anderen NFL-Profi zuvor gelungen.

Außerdem teilt er sich mit New-Orleans-Saints-Star Michael Thomas den Rekord für die meisten Catches eines Passempfängers in den ersten beiden Jahren (196). In seiner ersten Saison stellte Jefferson zudem mit insgesamt 1.400 Yards einen neuen NFL-Rookie-Rekord auf, den Ja'Marr Chase von den Cincinnati Bengals in der vergangenen Saison jedoch einstellte. Trotzdem: irre Zahlen. Da kann man schon mal eine breite Brust haben.

Jefferson: Viele Rekorde und ambitionierte Ziele

Zumal die Saison für Jefferson auch wieder sehr verheißungsvoll begann. In Week eins zerlegte er die Green Bay Packers mehr oder weniger im Alleigang. Am Ende standen 184 Yards – sein bisheriger Karrierebestwert – und zwei Touchdowns auf seinem Konto. Ein sehr guter Start. Zumal der Wide Receiver der Vikings ein großes Ziel hat: er will in dieser Saison über 2.000 Receiving Yards erreichen.

Ein ambitionierter Wert. Vor allem, wenn man sich Jeffersons Statistiken in den vergangenen beiden Spielen anschaut: in Week 2 bei den Philadelphia Eagles kam er nämlich nur auf 48 Yards und gegen die Detroit Lions eine Woche später landete Jefferson am Ende sogar nur bei mickrigen 14 Yards bei drei Catches. Zu wenig für seine Verhältnisse. Viel zu wenig sogar. Die angepeilten 2.000 Yards dürften so in weite Ferne rücken – jedenfalls, wenn sich dieser Trend fortsetzt.

Trotzdem hält Jefferson daran fest. "Ich brauche solche hohen Standards für meine Motivation. Über 2.000 Yards in einer Saison? Das gab es vorher noch nie. Deswegen möchte ich das gerne erreichen, das treibt mich an, jeden einzelnen Tag. Ich vertraue einfach in mich und meine Leistungsfähigkeit", so der Wide Receiver gegenüber ran, der sich in London sehr nahbar, sympathisch und überaus auskunftsfreudig zeigte.

Dass er es auf dem Rasen aktuell eher schwer hat, hat Gründe. Die gegnerischen Teams haben sich auf Jefferson eingestellt, nehmen ihn zum Teil zu zweit oder gar zu dritt in Manndeckung. Was wiederum allerdings Möglichkeiten für die anderen Passempfänger der Vikings, wie beispielsweise Adam Thielen oder K.J. Osborn, ermöglicht.

Denn wenn Jefferson die komplette Aufmerksamkeit der gegnerischen Defensiven auf sich zieht, können die anderen glänzen – wie bei der Aufholjagd in Detroit und dem späteren Sieg gegen die Lions am vergangenen Spieltag.

Justin Jefferson: "Manchmal sehr frustrierend"

"Es ist manchmal schon sehr frustrierend, wenn du von zwei, drei Gegenspielern gedeckt und auf dem Rasen bearbeitet wirst. Denn du willst im Spiel ja eine Hauptrolle spielen, Yards einsammeln und Touchdowns erzielen", meinte Jefferson zu ran, der jedoch nachschob, dass "es auf der anderen Seite wirklich auch Möglichkeiten für die anderen Passempfänger wie Thielen oder Osborn eröffnet".

Und gegen die Saints bekommt es Jefferson nun mit Star -Cornerback Marshon Lattimore zu tun. "Er liebt es, Eins-gegen-Eins zu gehen und wird mir auf dem Spielfeld überall hin folgen. Das wird eine harte Aufgabe", erwartet Jefferson in Week 4 für sich persönlich einen heftigen Kampf. Aber: "Ich liebe Herausforderungen. Und Lattimore ist so eine."

Musik hören und "Griddy" tanzen

Jeffersons Selbstvertrauen kennt sowieso keine Grenzen. "Wenn ich an der Line Of Scrimmage stehe, bin ich nur sehr schwer zu verteidigen", sagte er. Und genau das will er gegen die Saints wieder unter Beweis stellen. "Wir haben uns einen guten Plan ausgedacht, um mich wieder mehr ins Spiel zu integrieren. Mit unserem Quarterback Kirk Cousins habe ich sowieso eine gute Verbindung. Nicht nur auf dem Feld, sondern auch privat. Wir sitzen in der Kabine nebeneinander und sprechen viel. Unsere Beziehung ist seit meinem ersten Tag in Minnesota immer weiter gewachsen", erklärte Jefferson gegenüber ran und verriet, dass er vor den Spielen keine speziellen Rituale habe, sondern in der Kabine nur Musik höre und dabei den "Griddy" tanze. So macht er sich heiß. Woche für Woche. Auch in London.

"Die acht Stunden Flug hierher waren schon ziemlich krass. Aber ich bin ziemlich schnell eingeschlafen", berichtete Jefferson dann noch über den Trip über den großen Teich. "Ich bin auch froh, dass wir erst am Donnerstagabend geflogen und nur ein paar Tage hier sind. Das ist alles top geplant. Wenn wir länger in London geblieben wären, hätte sich unser Körper zu sehr an die Gegebenheiten hier in Europa gewöhnt. So sind wir nur kurz hier, fliegen nach dem Spiel am Sonntag wieder zurück und bleiben so mehr oder weniger in unserem Rhythmus."

Jefferson von den Minnesota Vikings: "Ich spüre eine extreme Dankbarkeit"

Dass er in Europa und vor allem auch in Deutschland sehr beliebt und populär ist, schmeichelt Jefferson. "Das ist unfassbar und wie ein großer Traum für mich", so der Wide Receiver auf ran-Nachfrage. "Dass so viele Menschen auf der Welt meinen Namen kennen, vor allem auch in Deutschland, macht mich unfassbar stolz und bedeutet mir sehr viel. Ich spüre eine extrem Dankbarkeit."

 

Ob er denn gerne auch mal in Deutschland spielen würde? "Oh ja", entgegnete Jefferson sofort – um dann nachzuhaken: "Wie lange fliegt man denn dorthin?" Als ihm gesagt wurde, dass es nur ein bis zwei Stunden länger sind als nach London, lächelte Jefferson und sagte: "Super, das schaffe ich."

Gibt es den "Griddy" also womöglich nicht nur am Sonntag in London, sondern bald auch in Deutschland? Die Fans würden sich jedenfalls sicher freuen …

Aus London berichtet: Dominik Hechler

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