Chris Godwin feiert mit den deutschen Fans nach seinem Touchdown zum zwische... - Bildquelle: IMAGO/kolbert-pressChris Godwin feiert mit den deutschen Fans nach seinem Touchdown zum zwischenzeitlichen 21:3. © IMAGO/kolbert-press

Von Rainer Nachtwey

München - Tom Brady hat in 22 Jahren NFL viel erlebt. Zehn Super Bowl-Teilnahmen, sieben Triumphe.

Und nein, er will nicht einfach nur freundlich, nett sein, der höfliche Gast, als er sagt: "Das war eine der größten Football-Erfahrungen in meinem Leben."

Klar, mit einem Erfolg im Rücken geht Brady das alles natürlich leichter von den Lippen. Das 21:16 der Tampa Bay Buccaneers gegen die Seattle Seahawks (Highlights) hebt die Stimmung, auch weil es für die Bucs der zweite Sieg in Folge war.

"Das wäre auch gar nicht gegangen. Zehn Stunden im Flieger zu sitzen mit einer Niederlage. Aber jetzt lassen wir es krachen", sagt Defensive End Joe Tryon im Gespräch mit ran.

Während er über den Erfolg spricht, leuchten seine Augen, die Worte sprudeln aus ihm nur so heraus.

 

Friedliche Football-Party in München

Aber es ist eben nicht der Erfolg allein, der seine Augen so leuchten lässt, seine Worte so sprudeln.

"So etwas habe ich noch nicht erlebt", lobt der letztjährige Rookie das Münchner Publikum. "Diese Energie, diese Vibes. Einfach Wahnsinn."

Das Munich Game der NFL ist die erhoffte Football-Party. Ein friedliches Miteinander, Feiern, Jubeln.

Ob bereits im ersten Viertel Laola durchs Stadion, ob "Sea - HAWKS"- oder "Tampa - BAY"-Rufe, Pfeifen, Klatschen, Lärmen, Singen.

"Die Stimmung war einfach großartig. Das Singen, das war ...", findet Tight End Cameron Brate bei ran kaum Worte. "Ich habe auf der Bank immer wieder mal mitsingen müssen. Einfach großartig."

Als in den Schlussminuten die Buccaneers im Ballbesitz sind und versuchen, die Spielzeit runterzulaufen, singt das Publikum zu "Country Roads" sogar während des Drives, während Rachaad White läuft.

Während der Partie ist Party.

Rutschiger Boden lässt Carroll fluchen

Einzig Pete Carroll findet bei der ganzen Football-Party negative Worte. Seattles Head Coach ist aufgrund des Zustands des Rasens angefressen. Verlierer halt, mag man meinen.

Cameron Brate gibt Carroll Recht - auch wenn Tampa Bays Tight End das nicht groß aufhängt. "Es war offensichtlich, dass der Rasen nicht gut ist, das hat man ja bereits beim Kickoff gesehen. Aber wir wussten ja bereits auch durch die Übungseinheiten auf den Trainingsplätzen um den Zustand."

Die Buccaneers hätten nach dem Kickoff schnell darauf reagiert, sich angepasst. "Wir haben uns darauf konzentriert, die Cuts genauer zu laufen, bewusster zu laufen", meint Brate.

Und der Tight End hat auch eine Erklärung für das rutschige Geläuf parat. "Es gibt anscheinend einen Unterschied, ob der Rasen für Fußball oder American Football vorbereitet wird. Ich weiß nicht, ob das am Schneiden, am Pflanzen oder sonst etwas liegt. Aber genau das Gleiche kennen wir ja auch aus London."

 

Buccaneers dominieren mit der Defense

Vielleicht sucht Coach Carroll auch nur nach Außen hin die Ausflüchte. Denn sportlich lief es für seine Seahawks einfach nicht rund. Auch weil die Bucs-Defense mit ihrem Gameplan zum Erfolg kam.

"Unser Ziel war es, ihr Laufspiel zu stoppen. Das ist uns richtig gut gelungen", verrät Defensive Tackle Akiem Hicks im Gespräch mit ran. Und Tryon ergänzt: "Dadurch, dass wir ihr Laufspiel gestoppt haben, konnte sich Geno auch nicht so in Szene setzen."

Kaum lahmte Seattles Laufspiel, lahmte auch die gesamte Offense. Quarterback Geno Smith und seine Offense, die vor der Partie mit 26,8 Punkten im Schnitt zur Top 5 der Liga gehört hatte, kam erst gar nicht zur Entfaltung.

Alle Drives der ersten zwei Viertel schloss Seattle mit einem Punt ab, bis tief hinein in die zweite Hälfte war den Seahawks im Schnitt nur 1,9 Yards pro Lauf geglückt, dementsprechend reichte es für die offizielle Gastmannschaft in München auch nur zu drei Punkte durch ein Field Goal von Kicker Jason Myers.

Erst im Schlussviertel gelangen Smith die ersten guten Drives und zwei Touchdowns. Zu spät.

 

Tampa Bays Offense findet in den Rhythmus

Dagegen führte Tampa Bays Star-Quarterback Brady seine Offense nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten zu zwei Touchdowns im zweiten Viertel und einer 18-Punkte-Führung im Schlussabschnitt.

"Wir haben die ganze Saison über Probleme, aber der letzte Drive gegen die Rams hat uns geholfen und auch hier sind wir nach kurzen Problemen in den Rhythmus gekommen", erklärt Tight End Brate, der einen Pass für acht Yards fing.

Und dann war da noch das Publikum. "Oh Mann, das hat so viel Spaß gemacht, uns so beflügelt. Dafür willst Du noch einmal besser spielen", sagt Brate. "Das war schon etwas ganz Besonderes."

Nicht nur für Cameron Brate, auch für die deutschen Football-Fans in München.

Auch für Tom Brady.

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