Im Kreuzfeuer: Packers-Quarterback Aaron Rodgers - Bildquelle: imago images/Icon SMIIm Kreuzfeuer: Packers-Quarterback Aaron Rodgers © imago images/Icon SMI

Von Tom Offinger

München - Der Impfstatus von Star-Quarterback Aaron Rodgers ist weiterhin das große Thema in der NFL.

Nach seinem positiven Corona-Test wird der 37-Jährige am Sonntag gegen die Kansas City Chiefs (ab 22:20 Uhr live auf ProSiebenMAXX und ran.de) definitiv nicht auf dem Feld stehen. In der "Pat McAfee Show" äußert sich Rodgers nun erstmals zu den Diskussionen und holt dabei zum Rundumschlag aus.

Ausführliche Recherche enthüllt Allergie

"Zu allererst möchte ich mit einigen der offensichtlichen Lügen über meine Person aufräumen", beginnt Rodgers, der per Videochat in die Livesendung zugeschaltet ist. "Ich habe erstens nicht gelogen. Damals war eine regelrechte Hexenjagd im Gange, wer jetzt wohl geimpft sei und wer nicht. Es war von Anfang an mein Plan zu sagen, dass ich immunisiert bin."

Er sei kein Impfgegner, betont Rodgers, er setze sich nur kritisch mit seiner Gesundheit auseinander, die Autonomie seines Körper liege ihm am Herzen: "Gesundheit ist keine Allgemeingröße für jeden. In der Offseason habe ich mich viel mit dem Thema beschäftigt, ähnlich wie ich mich auf ein Spiel in der NFL vorbereite."

Durch diese Recherchen und Gespräche mit Medizinern habe Rodgers dann auch herausgefunden, dass für ihn nur ein Impfstoff in Frage komme. Der Quarterback der Packers ist allergisch gegen einen Bestandteil der mRNA-Impfstoffe: "Die einzige Option war Johnson and Johnson."

Im Frühjahr 2021 hätten dann Meldungen von Nebenwirkungen und der kurzzeitige Rückzug der Dosen zur Entscheidung für eine Immunisierung und gegen eine Impfung geführt, erklärt der amtierende NFL-MVP.

NFL war über Vorgehen informiert

"Es war nichts worüber die NFL nicht informiert war, sie wussten ganz genau, was ich tue", so Rodgers. Bei seiner Rückkehr nach Green Bay habe er die Liga sogar darum gebeten, seine Immunisierung anzuerkennen und entsprechende Studien vorgelegt - letztlich ohne Erfolg.

"Meine Mediziner meinten, dass das Risiko langfristiger Folgen im Zuge einer Impfung größer wären, als bei einer Corona-Infektion", begründet Rodgers seine Entscheidung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht das anders - sie appelliert Menschen weltweit dazu, sich impfen zu lassen.

Mehrere führende Wissenschaftler haben zuletzt versucht die Bedenken hinsichtlich Langzeitfolgen der Corona-Impfung zu zerstreuen. "Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten", stellte etwa Carsten Watzl von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie klar.  

Rodgers sieht das offenbar anders, meint aber auch: "Ich habe diese Entscheidung im besten Gewissen für meinen Körper getroffen. Ich sage nicht, dass ihr euch impfen oder nicht impfen lassen sollt. Tut das, was am besten für euren Körper ist."

Ein weiterer Grund für den Impfverzicht war Rodgers' Wunsch Vater zu werden. Gerade im Bereich der Fruchtbarkeit fehle es an adäquaten Langzeitstudien, die eine risikofreie Impfung gegen das Coronavirus garantieren könnten. "Es gibt noch eine Menge Dinge, die wir noch nicht wissen."

Rodgers zweifelt Corona-Protokoll an

Trotz aller Bemühungen muss der Spielmacher damit weiterhin die "drakonischen Auflagen" des Corona-Protokolls erfüllen, an die er sie konsequent gehalten habe, wie er betont. "Diese Maßnahmen haben meiner Meinung nach nichts Wissenschaftliches an sich, sie dienen nur der Bloßstellung."

Neben täglichen Tests und dem Tragen einer Maske, muss Rodgers viele Aktivitäten alleine durchführen, so könne er beim Essen nicht bei seinen Teamkollegen sitzen und dürfe das Hotel bei Reisen nicht verlassen. "Ich muss die ganze Zeit ein gelbes Armband tragen. Im Prinzip teile ich der Welt mit, 'seht mich an, ich bin nicht geimpft.'"

"Sie wollen diese Propaganda vorantreiben, dass nicht geimpfte Menschen die größte Gefahr für die Gesellschaft sind. Das ist genau das, was die Medien versuchen: Sie wollen uns Nichtgeimpfte ausschließen und nennen uns egoistisch, weil wir eine Entscheidung treffen, die für uns am besten ist."

Es sei falsch gewesen, dass die NFL keine Alternativmedizin berücksichtigt oder Rücksicht auf Spieler mit Vorerkrankungen genommen habe, prangert der 37-Jährige an. Zudem sei die Aussage, dass es sich um eine Pandemie der Nichtgeimpften handle, schlichtweg falsch.

"Es ist ja wohl klar, dass ich mich bei einer geimpften Person angesteckt habe. Wenn die Impfstoffe so gut sein sollen, warum gibt es dann noch Menschen, die sich mit COVID infizieren, es verbreiten und tragischerweise daran sterben?"

Rodgers: Rundumschlag auch gegen die Presse

Das Versprechen der Impfstoffe überzeuge ihn nicht, unterstreicht Rodgers, dafür gebe es noch zu wenig Informationen, auch wenn er die revolutionäre Herstellung lobt. 

"An alle Medienvertreter, die mich angreifen: Ihr kennt meine Geschichte nicht, jetzt schon. Also hört auf, Lügen über mich zu verbreiten. Ich sollte für eine persönliche Entscheidung nicht von Leuten durch den Ring getrieben werden, die nur versuchen, ihre eigene Propaganda durchzusetzen."

Rodgers will weiter auf Dialog setzen

Letztlich kann Rodgers der Situation auch etwas Positives abgewinnen. "Menschen, die sich mit Corona infizieren und wieder völlig gesund werden, haben das stärkste Immunsystem", erklärt Rodgers und stützt sich dabei auf eine israelische Studie und den Podcaster Joe Rogan. 

Zudem würden sich nun die Testabfolgen reduzieren, für 90 Tage würden diese bei seiner Rückkehr wegfallen, berichtet der 37-Jährige. "Ich möchte den Leuten zeigen, dass sie selbst über ihren Körper bestimmen können. Für mich ist die Autonomie des eigenen Körpers ein unabdingbares Recht."

Trotz aller Vorwürfe, die in den vergangenen Tagen auf den Quarterback niederprasselten, zeigt Rodgers sich zuversichtlich und bittet indirekt um eine Entschärfung der Diskussionen: "Das ganze sollte ein Gespräch sein, kein Skandal."

Daumendrücken von der Couch

Das wichtige Spiel am Sonntag wird Rodgers von seiner Couch verfolgen. 

 

"Ich freue mich für Jordan (Love, Backup von Rodgers; Anm. d. Red.) und habe schon mit ihm telefoniert. Es wird dennoch eine ungewohnte Situation, dass ich nicht vor Ort bin. Es ist erst das dritte Mal, dass ich ein Spiel meines Teams im Fernsehen sehe."

Ob Rodgers gegen die Seahawks am 14. November wieder auf Feld stehen wird, ist unklar. Nach Bekanntwerden der Infektion muss der Spielmacher mindestens zehn Tage in Quarantäne verbringen, bei einem negativen Test ist keine Verlängerung notwendig. 

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