Hat "Eis in seinen Venen": Evan McPherson - Bildquelle: ImagoHat "Eis in seinen Venen": Evan McPherson © Imago

München/Cincinnati - Es sind nur noch vier Sekunden auf der Uhr im Divisional-Round-Playoff-Game zwischen den Tennessee Titans und den Cincinnati Bengals, es steht 16:16.

Nachdem die Defense der Bengals in der Schlussminute einen Pass von Ryan Tannehill abgefangen hatte, brachten Quarterback Joe Burrow und Receiver Ja'Marr Chase ihr Team durch einen hervorragenden Pass an die Seitenlinie in Field-Goal-Reichweite.

Der Druck lag nun voll und ganz auf Kicker Evan McPherson, der unter den tosenden Schreien der Titans-Fans in Nashville und den Augen von dutzenden Millionen Zuschauern weltweit nun den Ball zwischen die Pfosten befördern sollte.

Keine Zweifel an "Money Mac"

Und genau das Tat McPherson dann auch. Dass er die Bengals eine Runde weiter schicken würde, daran hatte keiner in seinem Team Zweifel. Direkt nach dem Spiel sagte Burrow bei "CBS": "Der Kerl ist unglaublich. Er hat Eis in seinen Venen. Wie er auftritt, wie er mit Leuten redet, man merkt sofort dass er ein toller Kicker ist."

"Money Mac" selbst, so wird er von seinen Teamkollegen gerufen, hatte ebenfalls keine Zweifel, wie sein Quarterback auf der anschließenden Pressekonferenz erzählte: "Er hat vor dem Kick einen Probe-Schwung mit seinem Bein gemacht und sagte beiläufig 'Sieht so aus als würden wir zum AFC Championship Game fahren'. Er ist unfassbar", wiederholte der Spielmacher sein Lob an den Rookie.

"Es ist wichtig für mich, Selbstvertrauen zu haben und mich auch stets herauszufordern", sagte McPherson bei "ESPN".

Kein einfacher Start in die Saison

Dabei hat die Saison für den 22-Jährigen Neuling von den Florida Gators in Ohio nicht so gut angefangen. In Woche fünf hätte er die Green Bay Packers zwei Mal mit einem potentiellen Game-Winning-Field Goal besiegen können, vergab jedoch beide Male. Es gab bereits einige kleine Diskussionen um den Rookie.

 

Wo andere, auch erfahrene, Kicker mental zusammenbrechen, blieb McPherson stabil. Nicht selbstverständlich, war er der einzige Placekicker, der in 2021 gedraftet wurde. "Wir haben schon im Training Camp gesehen, dass er dieses gewisse Etwas hat. Jeder in der NFL kann einen Ball durch die Pfosten schießen, aber nicht jeder kann das unter diesem Druck", sagte Joe Burrow nach dem Tennessee-Spiel.

Abgesehen vom Spiel gegen Green Bay spielte McPherson eine hervorragende Saison. Insgesamt machte er 28 von 33 Field Goals, darunter jedes der 13 unter 40 Yards, und 46 von 48 Extrapunkten. In den Playoffs ist er mit acht von acht Field Goals und drei von drei Extrapunkten noch perfekt, dafür erhielt er nach dem Spiel in Nashville den Spielball von Head Coach Zac Taylor.

Rekorde brach der unbesungene Held der Cincinnati Bengals übrigens auch: Nicht nur ist er der jüngste Spieler, der je ein Field Goal von über 50 Yards getroffen hat, er hat auch den Rekord für die meisten 50+ Yard Field Goals in einem Spiel eingestellt mit drei verwandelten Versuchen. 

Voller Selbstvertrauen ins AFC Championship Game

Dieses Selbstvertrauen überträgt sich unweigerlich auf das gesamte Team. Nicht nur McPherson, Burrow und Chase gehen mit breiter Brust aufs Feld, gleiches gilt für Tee Higgins, seines Zeichens Receiver Nummer zwei und eigentlich die gesamte Defense.

Die Bengals sind individuell nicht so üppig besetzt wie der kommende Gegner Kansas City Chiefs (am Sonntag ab 20:15 Uhr LIVE auf ProSieben MAXX und ab 20:45 Uhr dann auf ProSieben und im Stream auf ran.de), in Sachen Selbstvertrauen sind sie dem Gegner aus Missouri jedoch mindestens ebenbürtig.

Wenn dann wieder ein wichtiger Field-Goal-Versuch ansteht, dann können sich die Spieler und Fans der Bengals beinahe schon zurücklehnen. Im Aufeinandertreffen beider Teams in der Regular Season (34:31) war es ebenfalls der Rookie-Kicker Cincinnatis, der den Sieg besiegelte.

Vielleicht heißt es ja dann an der Seitenlinie der Bengals vor dem spielentscheidenden Kick von Evan "Money Mac" McPherson: "Sieht so aus als würden wir zum Super Bowl fahren."

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