Bleibt er Coach der Dallas Cowboys? Mike McCarthy (l.). - Bildquelle: gettyBleibt er Coach der Dallas Cowboys? Mike McCarthy (l.). © getty

München - Eigentlich ist Jerry Jones als geduldiger und verzeihender Mensch bekannt. 

Der Besitzer der Dallas Cowboys hält Loyalität für eines der wichtigsten Werkzeuge im Haifischbecken NFL. Nach der enttäuschenden 17:23-Pleite in der Wild Card Round gegen die San Francisco 49ers platze dem 79-Jährigen dennoch die Hutschnur. 

"Es ist schon eine herbe Enttäuschung. Ich bin niedergeschlagen, dass wir es nicht hingekriegt haben", schimpfte er nach der Partie: "In einem Jahr, in dem man so ein Team beisammen hat, muss man heute einfach gewinnen. Es hat nicht gereicht und das ist brutal enttäuschend", so Jones. 

Trotz einiger Ungereimtheiten will sich der Teambesitzer mit keinen Personalentscheidungen beschäftigen - zumindest für den Moment. 

Dallas Cowboys: Mike McCarthy fest im Sattel? 

Einer der Hauptakteure am Sonntagabend war Head Coach Mike McCarthy. Der 58-Jährige sorgte gleich mit mehreren kontroversen Entscheidungen an der Seitenlinie für Verwunderung. Über das gesamte Spiel hinweg verpasste er es zudem, die High-Power-Offense in Gang zu bekommen.

Am meisten rieben sich wohl viele der Cowboys-Fans die Augen, als es nach einem erfolgreichen Fake Punt viel zu lange dauerte, bis die Offensive aufs Feld zurückkehrte. Auch wenn die Assistenztrainer in dieser Situation ebenfalls eine Rolle spielen: Er ist der Head Coach und trifft die Entscheidungen - und wird im Zweifel für diese verantwortlich gemacht. 

 

Einen möglichen Trainerwechsel watschte Entscheidungsträger Jones nach dem Spiel schnell ab: "Ich werde so etwas nicht diskutieren - auf jeden Fall nicht zu diesem Zeitpunkt. Es gibt keine Diskussion", erklärte er: "Coaching, Vorbereitung ist gerade nicht entscheidend. Das steht nicht zur Debatte", so Jones konsequent. 

Auch der Head Coach selbst sieht seine Position innerhalb der Franchise wenig gefährdet: "Ich habe keine Bedenken. Ich bin stolz, heute hier stehen zu können. Ich bin stolz auf das Team", erklärte McCarthy selbstbewusst. Dass es in einem erfolgsorientierten Sport wie Football jedoch keine Garantien gibt, dürfte wohl auch der Trainer wissen.

Dallas Cowboys: Welche Rolle spielt Kellen Moore? 

McCarthys persönliche Zukunft ist wohl auch eng verbunden mit der von Offensive Coordinator Kellen Moore. Einem "CBS"-Bericht zufolge will Owner Jones Moore mit aller Macht behalten: "Seid nicht überrascht, wenn Moore eher früher als später der neue Head Coach in Dallas ist. Er will ihn auf keinen Fall verlieren", soll eine interne Quelle, die Jones nahesteht, gesagt haben. 

Moore gilt als einer der talentiertesten Assistenztrainer der Liga und ist prädestiniert für einen Head-Coach-Job in den kommenden Jahren. In der vergangenen Wochen führte er bereits ein Vorstellungsgespräch bei den Jacksonville Jaguars für deren vakante Head-Coach-Stelle. In Kürze soll er auch bei den Denver Broncos, Minnesota Vikings und Miami Dolphins vorsprechen.

 

Um Moore von einem Verbleib in Dallas zu überzeugen, könnte Jones also den radikalen Schritt gehen und ihn zum neuen Head Coach machen: "Es ist ja nicht so, dass er sowas noch nie gemacht hat. Man darf nicht vergessen, was er getan hat, um Jason Garrett zu behalten. Es würde ins Gesamtbild passen", erklärte die Quelle weiter. 

Damals überzeugte Jones den abwanderungswilligen Garrett mit einem hochdotierten Vertrag und dem Versprechen, ihn in Kürze zum Head Coach zu machen. Aufgrund seines umstrittenen Play-Calls in den Schlusssekunden ist jedoch auch Moore nicht ganz von Schuld an der Cowboys-Pleite freizumachen - weshalb seine Zukunft derzeit noch völlig offen ist. 

Neben Moore gilt Defensive Coordinator Dan Quinn ebenfalls als Kandidat für einen der freien Head-Coach-Plätze in dieser Offseason. Auch er soll bei einigen Teams vorsprechen und könnte die Cowboys nach nur einer Saison verlassen. Gut möglich also, dass bei "America's Team" ein größerer Umbruch im Coaching-Staff erfolgt, als Jones derzeit noch lieb ist. 

Dallas Cowboys: Offensive Superstars enttäuschen 

So stark die Cowboys im Laufe der Regular Season aufgetreten sind, umso enttäuschender war der Aufritt der Superstars in den entscheidenden Situationen gegen San Francisco. Sinnbildlich stand dabei die Leistung von Quarterback Dak Prescott.

Mit 254 Passing Yards und zwei Touchdowns lesen sich seine Zahlen auf den ersten Blick nicht schlecht, doch nur 23 von 43 angebrachten Pässen zeugen von dem wackeligen Auftritt des Spielmachers. Wenig Unterstützung erhielt er dabei vom Laufspiel: Ezekiel Elliott brachte gerade einmal 31 Yards zustande und war in der Offense - wie so oft in diesem Jahr - kaum ein Faktor.

Noch enttäuschender war wohl nur die so hoch gelobte Passing Offense. Auch wenn Amari Cooper (64 Yards, ein Touchdown) und Dalton Schultz (89 Yards) keine Totalausfälle waren, ging in der besten Offensive der Liga nur wenig zusammen. Shooting-Star CeeDee Lamb fing lediglich einen Pass von Prescott und wirkte wie abgemeldet. 

Wie schwer diese verpasste Chance wiegen könnte, zeigt ein Blick auf die Kaderzusammenstellung für die kommende Saison im Vergleich zu dieser. 

 

Dallas Cowboys: Bestes Roster seit Ewigkeiten verspielt?

Dass in der Öffentlichkeit vor allem Kritik auf die Trainer einprasselt, hängt mit dem hochkarätigen Kader zusammen, den die Cowboys in dieser Saison zusammenstellten. Auch deshalb ist für Jones nur schwer zu begreifen, wie der Schuss so nach hinten losgehen konnte. 

"Wenn man diese Kombination an Spielern zur Verfügung hat, muss man einfach Erfolg haben", erklärte der Teambesitzer: "Wir wissen alle, wie es in der NFL läuft. Die schwächeren Teams bereiten sich darauf vor, die besten Spieler der anderen zu verpflichten. Und ich denke, dass wir eins der besten Teams haben", sagte er abschließend.

Damit spielt Jones auf den möglichen personellen Aderlass an, der den Cowboys nun bevorstehen könnte. Gleich mehrere Leistungsträger wie Linebacker Leighton Vander Esch, Tight End Dalton Schultz oder Wide Receiver Michael Gallup stehen aufgrund der angespannten Cap-Situation vor dem Abschied - nur wenige dürften sich erneut mit kleineren Verträgen zufrieden geben. Zu gut war letztlich die Regular Season der Cowboys, was ironischerweise für die vielen Abgänge sorgen könnte, weil diese Spieler woanders deutlich mehr Geld erwartet. 

Umso ärgerlicher also, dass es in der laufenden Spielzeit am Ende nur für eine Niederlage in der Wild Card Round gereicht hat. Einen ähnlich ausgeglichenen Kader, gespickt mit günstigen Routiniers und Rookies in Kombination mit Superstars wie Prescott und Co. zu finden, wird eine große bis unmögliche Herausforderung für die Cowboys.

Ob auf Trainer- oder Spielerebene: Jerry Jones und den Cowboys-Verantwortlichen steht eine nun lange und schwere Offseason bevor. 

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