München - Nach einer Woche im NFL-Ausnahmezustand kühlt die Football-Community langsam wieder auf Normaltemperatur runter. Atmet durch. Und freut sich aufs nächste Mal. Denn Deutschland, München, die Fans des fliegenden Ledereis haben Blut geleckt. Klar ist schon jetzt, dass die NFL zurückkehren wird - in der kommenden Saison.

Das Munich Game, das die Tampa Bay Buccaneers mit 21:16 gegen die Seattle Seahawks gewannen, war nur der Anfang. Laut der getroffenen Vereinbarung gastiert die NFL bis einschließlich 2025 jährlich zu einem Regular-Season-Spiel in Deutschland.

ran schaut voraus, wie es zwischen der NFL und Deutschland weitergeht.

Wie viele NFL-Spiele werden 2023 in Deutschland stattfinden?

Mindestens eins. Aufgrund des Wechselspiels zwischen München und Frankfurt ist 2023 die hessische Bankenmetropole an der Reihe, eine NFL-Partie auszutragen. Diese wird im Deutsche Bank Park stattfinden, in dem auch der Fußballklub Eintracht Frankfurt seine Heimspiele austrägt.

Allerdings stehen die Chancen nicht schlecht, dass Deutschland im kommenden Herbst Gastgeber zweier NFL-Spiele sein wird. Das wird nach ran-Informationen in Betracht gezogen, da nächstes Jahr womöglich das Aztekenstadion in Mexico City wegen Umbauarbeiten für die Fußball-WM 2026 nicht als Spielort zur Verfügung steht.

Was sagt die NFL zu einem zweiten Spiel in Deutschland im Jahr 2023?

Konkret äußert sich dazu kein Funktionär. Commissioner Roger Goodell sagte während seines Deutschland-Besuchs auf einem Fan-Event jedoch: "Wir planen, mindestens vier Spiele hier auszutragen. Aber es würde mich nicht überraschen, wenn sich die Anzahl schnell ausweitet." Bereits vor mehr als einem Jahr hatte Brett Gosper, Europa-Chef der NFL, im ran-Interview betont: "Deutschland ist ein Land, das sicherlich auch mehr als ein Spiel austragen könnte."

Mark Donovan lehnte sich in diesem Sommer etwas weiter aus dem Fenster. Bezüglich des drohenden Ausfalls des Mexico Games 2023 erklärte der Präsident der Kansas City Chiefs im ran-Interview, somit öffne sich "die Tür, um ein weiteres Spiel in London oder zwei Spiele in Deutschland zu spielen".

Wo würde ein mögliches zweites NFL-Spiel in Deutschland stattfinden?

Das hängt auch vom Fußball-Bundesliga-Spielplan und möglichen internationalen Einsätzen des FC Bayern München als Hausherr in der Allianz Arena und von Eintracht Frankfurt ab. NFL-Insider Peter King berichtet jedenfalls, dass die NFL mit der Bundesliga die Termine absprechen werde.

Seinen Informationen zufolge wird mindestens ein Spiel in Frankfurt ausgetragen, vielleicht aber auch beide - sollte ein zweites Spiel nach Deutschland vergeben werden. Demnach würde die NFL also nicht von vornherein festlegen, dass sie die Partien auf beide Städte aufteilen würde.

Welche Teams werden 2023 nach Deutschland kommen?

Das ist noch nicht klar. Viel spricht aber für die Chiefs oder die New England Patriots. Beide Franchises haben sich Vermarktungsrechte für Deutschland gesichert und spielen in der AFC. Letzteres ist deshalb wichtig, weil die Teams dieser Conference in der Saison 2023 neun Heimspiele austragen und daher in der International Series als Gastgeber in Frage kommen.

Laut King gebe es "zunehmende Anzeichen" dafür, dass beide Teams 2023 als Heimteam nach Deutschland kommen könnten. Im besagten ran-Interview hatte Chiefs-Präsident Donovan erklärt, der Klub würde es als wichtig ansehen, "in den ersten vier Jahren" in Deutschland zu spielen.

Wer dann Gegner des jeweiligen Gastgebers wird, hängt natürlich einerseits vom Spielplan ab, liegt aber letztlich in der Hand des offiziellen Heimteams. Dabei muss die Franchise immer bedenken, dass die Atmosphäre immer eine andere ist als im eigenen Stadion. Die Buccaneers dürften sich gegen die Seahawks nicht gerade wie das Heimteam gefühlt haben - das wäre gegen einen hierzulande weniger populären Kontrahenten wohl anders gewesen.

Wann steht fest, welche NFL-Teams 2023 in Deutschland spielen werden?

Sehr wahrscheinlich spätestens im Mai 2023, denn in dem Monat wurde in den vergangenen Jahren immer der komplette Spielplan veröffentlicht. Welche Begegnungen es in einer Regular Season gibt, hängt zum Teil vom Abschneiden in der Vorsaison ab und ist daher auch erst zu Beginn des jeweiligen Jahres klar.

Es ist davon auszugehen, dass die NFL die Paarung oder die Paarungen für den Deutschland-Trip oder die Deutschland-Trips bereits etwas früher verkünden wird, um eine besondere Bühne zu schaffen. In diesem Jahr war der Bucs-Gegner eine Woche vor dem restlichen Spielplan veröffentlicht worden, nachdem die Gastgeber bereits im Februar als Deutschland-Gäste verkündet worden waren.

Könnten zeitnah NFL-Spiele in weiteren deutschen Städten ausgetragen werden?

Das ist eher nicht zu erwarten. Zwar wurde Düsseldorf gerade erst zur deutschen NFL-Hauptstadt erkoren, doch könnte dies auch eher als Trostpreis angesehen werden, nachdem die NRW-Hauptstadt bei der Bewerbung um NFL-Spiele gegen München und Frankfurt den Kürzeren gezogen hatte.

NFL-Experte King geht eher davon aus, dass die Liga weiter expandieren wird. So schreibt er: "Die NFL wird irgendwann Spiele außerhalb von England und Deutschland austragen. Miami könnte in den nächsten drei oder vier Jahren ein Spiel in Spanien oder Brasilien absolvieren. Die Rams sind optimistisch, eines Tages in Australien zu spielen. Aber klar ist, dass der Markt mit den größten Aussichten Europa ist."

Spekuliert wird bereits über NFL-Spiele im Maracana-Stadion von Rio de Janeiro, in Barcelonas Camp Nou, im Estadio Santiago Bernabeu von Real Madrid oder im Estadio Metropolitano von Stadtrivale Atletico.

Gibt es bald sogar ein NFL-Team aus Deutschland?

Diese Hoffnungen nährte Goodell zuletzt. Der NFL-Boss sagte am Rande des zweiten London Games: "Wir versuchen gerade herauszufinden, ob man einige Orte finden könnte, die eine NFL-Franchise beheimaten könnten, weil es deutlich einfacher ist, so etwas im Rahmen einer Division umzusetzen." So würden wöchentliche Reisen über den großen Teich vermieden werden, denn jeweils sechs Saisonspiele - also rund ein Drittel - würden in Europa ausgetragen werden.

Dafür wären aber vier Franchises in Europa nötig. Das Potenzial für gleich zwei davon sieht Goodell in der englischen Hauptstadt. Weiter betonte der Big Boss: "Ja, wir wollen in Europa expandieren, aber es gibt noch einige Details zu klären - nicht nur die offensichtlichen."

NFL-Insider King ist zumindest kurzfristig skeptisch. Denn die Liga wolle die Zahl von 32 Teams nicht erhöhen und er sehe kein Team, das kurz davor sei, die USA verlassen zu wollen. Dies wird seit Jahren den Jacksonville Jaguars nachgesagt, die im Oktober zum neunten Mal in London zu Gast waren. Allerdings war im Jahr 2018 der geplante Verkauf des Wembley-Stadions an Klubbesitzer Shahid Khan gescheitert.

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