Stehen die New Orleans Saints vor dem Umbruch? - Bildquelle: imago images/Icon SMIStehen die New Orleans Saints vor dem Umbruch? © imago images/Icon SMI

München - Die schlechteste Cap-Situation der Liga und Fragezeichen auf der Quarterback-Position. Die New Orleans Saints stehen irgendwie da, wo sie auch vor einem Jahr schon standen.

Abgesehen davon, dass jetzt auch noch der Erfolgscoach weg ist. 

Die Saints sind jetzt das neunte Team der NFL, das einen Head Coach sucht. Sean Payton verlässt die Franchise nach 16 erfolgreichen Jahren, nur Bill Belichick stand unter den aktuellen NFL-Cheftrainern länger bei einem Team unter Vertrag. 

In der Historie der Franchise hat kein Trainer mehr Spiele gewonnen, mit einer Bilanz von 152-89 und vier Spielzeiten mit elf oder mehr Siegen hat Payton das Team gemeinsam mit Ex-Franchise-Quarterback Drew Brees zu einem konstanten Herausforderer um den Super-Bowl-Titel gemacht. 2009/2010 reichte es sogar für die einzige Meisterschaft in der Geschichte der Saints. 

New Orleans Saints: Payton-Rücktritt zum idealen Zeitpunkt?

"Im Namen unserer gesamten Organisation spreche ich Sean Payton die allerhöchste Wertschätzung für das aus, was er der Stadt New Orleans von 2006 an bedeutet hat", bedankte sich Eigentümer Gayle Benson für die Leistungen des 58-Jährigen. 

Wie es nun für Payton weitergeht, ist noch nicht klar. Das wisse er selbst noch nicht. Klar sei nur, dass er im Jahr 2022 nicht coachen wolle. "Ich mag das Wort 'Karriereende' nicht, das ist überbewertet. Ich habe immer noch im Auge, weiter Dinge im Football zu übernehmen und, ganz ehrlich, ich könnte irgendwann auch wieder coachen", kündigte er auf der Pressekonferenz an. 

Den Zeitpunkt seines Rücktritts hat er sich gut ausgesucht. Mit einer Bilanz von 9-8 in der ersten Saison nach Superstar Drew Brees kämpften die Saints lange um die Playoffs, obwohl das mit dem Kader und einigen Verletzungen sicher nicht selbstverständlich war. 

Für den gebürtigen Kalifornier könnte der Zeitpunkt eine dankbare Gelegenheit gewesen sein, die Franchise mit einem positiven Saison-Ergebnis zu verlassen. Dass die Saints in der kommenden Spielzeit konkurrenzfähiger sind als dieses Jahr, darf nämlich bezweifelt werden. 

New Orleans Saints: Fragen auf der Quarterback-Position

Auf der Quarterback-Position ist man im Vergleich zum letzten Jahr keinen Schritt weiter gekommen. 

Jameis Winston riss sich am achten Spieltag nach gutem Saisonbeginn das Kreuzband und musste den Rest der Saison aussetzen. Backup Taysom Hill schaffte es zwar, seine Stärken im Laufspiel auszuspielen, ließ aber Fragen bezüglich seiner Pass-Qualitäten aufkommen und Trevor Siemian und Ian Book zeigten nicht genug, um sich langfristig für den Starter-Job zu empfehlen. 

General Manager Mickey Loomis muss sich also genau überlegen, welchen Weg er nun einschlagen will. 

New Orleans Saints: Free Agent, Draft oder Brückenlösung?

Behält er den Quarterback-Markt in der Liga im Auge und hofft, eine Chance auf mögliche Top-Quarterbacks wie Aaron Rodgers, Russell Wilson und Deshaun Watson zu kriegen? Damit würde den Saints wohl der sofortige Umbruch erspart bleiben, man wäre automatisch im All-In-Modus und müssten den schnellstmöglichen Titel-Gewinn in Angriff nehmen. 

 

Oder baut er auf den Draft und setzt auf einen Rookie-Quarterback aus der dünnen Klasse 2022? Da wäre das Problem, dass die Saints nur den 18. Pick halten, einige andere Teams mit Quarterback-Need wären im Vorteil und könnten die vermeintlichen Top-Kandidaten Malik Willis und Kenny Pickett vom Board holen.

Die Brückenlösung wäre Jameis Winston. Der Free Agent war schon im vergangenen Jahr mit wenig Gehalt zufrieden und könnte in einer zweiten Saison versuchen, auf den starken ersten Wochen der aktuellen Saison aufzubauen. So würden sich die Saints Zeit ersparen, sich nicht dem Risiko eines Rookie-Quarterbacks aussetzen und gleichzeitig den Cap Space schonen. 

New Orleans Saints: Salary Cap bereitet erneut Sorgen

Das wäre die nächste Baustelle. Aktuell ist New Orleans schätzungsweise 70 Millionen Dollar über dem Cap. Das sind ganze 34 Millionen Dollar mehr als die Green Bay Packers, die auf der zweiten Position stehen. 

Dass Loomis mit dem Taschenrechner umgehen kann, zeigte er bereits in der letzten Saison. Da stand die Franchise sogar mit 111 Millionen Dollar in den Miesen und schaffte es, pünktlich zur neuen Saison unter dem Cap zu liegen. 

Dafür mussten allerdings jede Menge Verträge umstrukturiert werden. Das Grundgehalt einiger Spieler in den Signing Bonus zu verwandeln und diesen gleichmäßig auf ausstehende Vertragsjahre zu verteilen, ist zwar eine geschickte Übergangslösung, aber auch genau der Mechanismus, der die Saints von Jahr zu Jahr in die gleiche Situation bringt - trotz des jährlich steigenden Salary Caps. 

"Es wird sicherlich eine Herausforderung, ich will jedoch noch nicht spekulieren, wie herausfordernd es wird, solange wir noch nicht genau wissen, wie viel Geld uns in den kommenden Jahren zur Verfügung steht", so Loomis. Der Salary Cap wurde, abgesehen vom Corona-Jahr, in den vergangenen Jahren stetig erhöht. Darauf werden die Saints auch in den kommenden Jahren bauen müssen. 

Die Frage ist, ob man einige Gehälter erneut auf die nächsten Jahre schaufelt, oder sich Platz verschafft, indem teure Verträge aufgelöst oder getradet werden. 

New Orleans Saints: Weitere Umstrukturierungen oder Umbruch? 

Dafür wäre Michael Thomas ein Kandidat. Der eigentliche Top-Receiver soll laut "Spotrac" 2022 mit 24 Millionen Dollar in den Büchern stehen. Viel zu viel Geld für einen Spieler, der in den letzten beiden Saisons nur sieben Spiele starten konnte. 

 

Dazu kommen Profis wie Cameron Jordan (bald 33), Malcolm Jenkins (34), Taysom Hill (31), Terron Armstead (30) und Demario Davis (33), die alle deutlich über zehn Millionen Dollar im kommenden Jahr verdienen sollen. Teils überaus wichtige Spieler, aber sicher keine Bausteine der Zukunft. 

In New Orleans hält man den Kader jedenfalls für gut und fit genug, um einen Umbruch aufzuschieben. "Wir haben eine tolle Mannschaft und ich kann keinen Umstand sehen, der uns davon abbringt zu sagen, dass wir alles tun werden, um jetzt zu gewinnen und um den Titel mitzuspielen", so der General Manager.

Ob es Sinn macht, all diese Verträge erneut umzustrukturieren und den Umbruch aufgrund der dünnen Hoffnung auf eine Meisterschaft aufzuschieben, wird Loomis mit dem neuen Head Coach entscheiden müssen. 

Sean Payton muss sich damit jedenfalls nicht auseinandersetzen. Vielleicht weil er wusste, was für eine Lage ihn erwartet. Das kennt er immerhin schon vom letzten Jahr. 

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