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München/Cincinnati - Es war ein Nachmittag für die Geschichtsbücher, als die Cincinnati Bengals in den Divisional Playoffs bei den Tennessee Titans gewannen.

Nicht nur beendeten die Gäste aus Ohio ihre lange Durststrecke was Auswärtssiege in den Playoffs angeht, auch die Titans stellten einen Rekord ein: Neun Mal wurde Joe Burrow gesackt, ein Playoff-Bestwert. Der Grund dafür liegt nicht nur im hervorragenden Pass Rush der Titans, sondern auch in der löchrigen Offensive Line der Bengals.

Verletzungen von Burrow durch schwache O-Line - Chase statt Sewell im Draft

Das ist kein neues Problem bei den Bengals. Bereits in 2020 war der Schutz für den Quarterback der Bengals beinahe nicht gegeben. Hämisch wurden und werden die Tackles Cincinnatis als "Drehtüren" bezeichnet.

Nicht umsonst musste Joe Burrow, erster Pick im Draft 2020, fast die Hälfte der Saison zuschauen. Gegen Washington, das bekanntlich über exzellente Pass Rusher verfügt, fiel Defensive End Chase Young in das Knie des Spielmachers und verursachte so einen Kreuz- und Innenbandriss bei Burrow. Ob er zum Saisonstart fit werden würde, war lange in der Schwebe.

Nicht nur deshalb rechneten einige Experten damit, dass die Bengals mit ihrem ersten Pick im Draft 2021 in ihre Offensive Line investieren und Tackle Penei Sewell holen würden, den besten Offensive Lineman seiner Klasse. Cincinnati entschied sich jedoch dagegen und holte Receiver Ja'Marr Chase.

Jener Chase stellte als Receiver Rekorde auf und ist essentiell für den Erfolg der Franchise aus Ohio, jedoch hilft er seinem Quarterback natürlich nicht, um gegnerische Pass Rusher zu blocken.

 

Werte der O-Line höchstens Durchschnitt - Vollmer: "Kannst du dir nicht erlauben"

Die Zahlen sind verherrend: Burrow musste 51 Sacks in der Regular Season hinnehmen, das macht mehr als drei pro Spiel. Zum Vergleich: Tom Brady, der am seltensten zu Boden gebrachte Quarterback mit mindestens 15 Starts, lag nur 22 Mal im Dreck, etwas mehr als ein Sack pro Spiel.

Sebastian Vollmer, langjähriger Tackle von Brady bei den New England Patriots, übte in der ran Webshow "Champion Check" scharfe Kritik: "Das geht nicht, das kannst du dir nicht erlauben. Alle gucken dich an und fragen sich: 'Wofür bezahlen wir dich eigentlich?'"

Auch individuell sieht es nicht gut aus. Das Portal "Pro Football Focus" hat keinen der Bengals-Linemen unter den Top 20 auf der Position gelistet.

Der Starting Left Tackle Jonah Williams, der also die sogenannte Blind Side von Burrow beschützen soll, ließ alleine 42 Pressures auf seinen Quarterback zu. Bei knapp 1000 Snaps, die er gespielt hat, macht das eine erlaubte Drucksituation bei jedem 25. Snap, also rund drei pro Spiel. Und das von einem einzigen Spieler!

Nicht viel besser läuft es bei Center Trey Hopkins. Von "PFF" wird er als 36. Center von 40 qualifizierten geführt, auf einer Skala von 0 bis 100 erhält er lediglich die Note 51,9 vom Portal.

Ständig Druck durch die Mitte oder von der Blind Side oder sogar beides zusammen, das mag kein Quarterback und erklärt auch die Menge an Sacks gegen Burrow. Umso beeindruckender ist, dass er trotz allem die Liga in angebrachten Bällen (70 Prozent) anführt.

Die Chiefs als Mismatch - trotzdem sind Bengals nicht chancenlos

Die "Drehkreuze" von Cincinnati zu Gast bei der dominanten Defensive Front der Kansas City Chiefs (Sonntag ab 20:15 Uhr LIVE bei ProSieben und im Livestream auf ran.de) klingt genau nach dem was es ist: ein Mismatch. Gerade Defensive Tackle Chris Jones, der hinter Aaron Donald zu den Besten auf dieser Position zählt, könnte angesprochenem wackligen Center Hopkins arge Probleme machen.

Bereits in Woche 17 gab es dieses Duell. Burrow wurde beinahe erwartungsgemäß vier Mal zu Boden gebracht. Sein Gegenüber, Patrick Mahomes, kein einziges Mal. Dennoch: Am Ende gewannen die Bengals das Spiel mit 34:31. Vor allem, weil die Defense in der zweiten Hälfte auftrumpfte und die Offensive Line in wichtigen Momenten hielt.

Für die Gäste aus Cincinnati wird es darum gehen, mehrheitlich schnelle Passkonzepte zu benutzen um so der Defense gar keine Zeit zu geben, an Burrow heranzukommen. Head Coach Zac Taylor hat in der Divisional Round gegen die Titans gesehen, was ihm und seinem jungen Quarterback sonst blüht.

Ohne einen absoluten Sahnetag von allen Beteiligten wird es ohnehin sehr schwer für die Bengals. Allen voran die fünf Offensive Linemen brauchen einen solchen. Aber dass sie situativ die Qualität haben sich durchzusetzen, haben sie bereits gezeigt.

Auch gegen Kansas City.

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