Aaron Rodgers' Erklärungen zum Impfverzicht sorgen für Wirbel in der NFL. - Bildquelle: imago images/Icon SMIAaron Rodgers' Erklärungen zum Impfverzicht sorgen für Wirbel in der NFL. © imago images/Icon SMI

Von Tom Offinger

München - Aaron Rodgers hat in seiner NFL-Karriere viel erreicht. Ein Super-Bowl-Sieg, drei MVP-Auszeichnungen, zahllose Pro-Bowl-Nominierungen und Auszeichnungen. Seine Äußerungen zum Impfverzicht gegen das Coronavirus werden nicht zu diesen glorreichen Errungenschaften zählen.

Ursprünglich waren es nur gesundheitliche Bedenken, die eines der großen Aushängeschilder der Liga zum Zweifeln brachten. Doch je länger sich der 37-Jährige in der "Pat McAfee Show" erklärte, umso mehr driftete er in die zweifelhafte Argumentationskette der Pandemie-Leugner ab. Und dürfte damit nachhaltigen Schaden hinterlassen haben.

Fehlende Studien sind keine Entschuldigung mehr

Ja, wir alle müssen Aaron Rodgers' Entscheidung akzeptieren. Er ist ein 37 Jahre alter, selbstständig denkender Mann, der sich nach reiflicher Überlegung und eigener Recherche  - wie er selbst sagt - zum Wohle seines eigenen Körpers gegen eine Corona-Impfung entschieden hat. Was man hingegen nicht akzeptieren muss, sind die schwammigen Argumente, mit welchen der Quarterback seinen Verzicht begründet.

Das Fehlen von Langzeitstudien ist nach fast einem Jahr Impfkampagne einfach keine gültige Entschuldigung mehr. Zu groß ist die Stichprobe, zu deutlich sind auch die Aussagen von Experten, die gravierende Langzeitfolgen ausschließen. Übrigens nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Vereinigten Staaten.

Aaron Rodgers: Ein Vorbild, das keines mehr ist

Es ist fast schon beschämend, solche Worte aus dem Mund eines Sportlers zu hören, der während des Lockdowns noch für seine Empathie gelobt wurde. Damals meinte er, er wolle die Menschen nicht persönlich dazu auffordern zu Hause zu bleiben. Schließlich sei er als Football-Star äußerst privilegiert und "normale" Bürger würde der Lockdown vor andere Probleme stellen. Diese Äußerungen erscheinen nun in einem anderen Licht. 

Woche für Woche fiebern Millionen von Fans mit Rodgers und den Packers, geschweige denn den tausenden Zuschauern vor Ort. Gerade letzteres wäre ohne einen wirksamen Impfstoff nicht möglich. Es gleicht an Ironie, dass Rodgers dieser Zusammenhang bisher verwehrt geblieben ist. Rodgers führt an, dass eine Impfung unnötig sei, da sie nicht vor einer Infektion bzw. Weitergabe des Virus schütze. Dabei ist dieser Fall bei Geimpften zwar möglich, aber doch deutlich unwahrscheinlicher. Das zeigen die bisherigen Erfahrungswerte und Studien führender Wissenschaftler. 

Wie andere Prominente vor ihm tut Aaron Rodgers vor allem eines: Er tritt die Arbeit der unermüdlichen Ärzte und Pflegekräfte mit Füßen. Seine Aussagen sind auch ein Schlag ins Gesicht vieler Anhänger der Packers, die in ihm ihren großen Helden und ihr großes Vorbild gesehen haben.

Er ist vielleicht kein Impfgegner, aber unsolidarisch. Gegenüber seinen Teamkollegen, die auf ihn zählen und sich selbst auch zum Wohle des Teams impfen ließen. Und auch gegenüber den vielen Menschen, die sich vor allem haben impfen lassen, damit wir alle wieder zu einem normalen Leben zurückkehren können.

Zumindest in meinen Augen hat der 37-Jährige mit seinen verharmlosenden Aussagen seinen Kredit verspielt. 

Tom Offinger 

Du willst die wichtigsten NFL-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.