Die Zukunft zweier NFL-Legenden ist derzeit noch völlig ungewiss. - Bildquelle: gettyDie Zukunft zweier NFL-Legenden ist derzeit noch völlig ungewiss. © getty

München - Im Rahmen der Divisional Round am vergangenen Wochenende ging in der NFL eine echte Ära zu Ende. Erstmals seit der Saison 2009/2010 stehen weder Tom Brady noch Aaron Rodgers in einem der beiden Championship Games. 

Während Brady mit seinen Tampa Bay Buccaneers gegen die Los Angeles Rams ausschied, scheiterten Rodgers und die Green Bay Packers an den San Francisco 49ers. Da beide Quarterbacks in der Vergangenheit öffentlich über ein vorzeitiges Karriereende philosophierten, stellt sich vielen Fans die Frage, ob dieser Zeitpunkt nun gekommen sei. 

Noch die war die Zukunft der beiden Superstars so ungewiss. ran zeigt die Ausgangssituation und die unterschiedlichen Möglichkeiten: 

Tom Brady: Tampa Bay Buccaneers oder nichts?

Nach der Rams-Niederlage wollte Tom Brady nicht groß über seine Zukunft sprechen: "Ich hab mir noch keine Gedanken dazu gemacht. Ich werde jetzt einfach von Tag zu Tag schauen und dann weiß ich irgendwann, woran ich bin", so der 44-Jährige. 

Auf sein mögliches Karriereende angesprochen wurde er deshalb, weil noch vor dem Spiel ein "ESPN"-Bericht aufgekommen war, dass dieses Szenario zumindest innerhalb des Teams öfters angesprochen wurde. Auch Head Coach Bruce Arians hat offenbar noch keine Ahnung, wie sich Brady entscheiden wird: "Das liegt an ihm, ob er zurückkommt oder nicht."

Sollte der langjährige Spielmacher der New England Patriots noch ein weiteres Jahr dranhängen, gilt ein Verbleib bei den Tampa Bay Buccaneers als sehr wahrscheinlich. In Florida besitzt er für die kommende Saison noch einen Vertrag, der ihm rund 25 Millionen US-Dollar einbringt.

Tom Brady: Restzweifel bleiben

Sollte er zu den "Bucs" zurückkehren, ist es gut möglich, dass er seinen Vertrag vorzeitig verlängert, um in der laufenden Saison für mehr finanziellen Spielraum bei möglichen Free Agents der Buccaneers zu sorgen. Brady ist dafür bekannt, gerne selbst auf Geld zu verzichten, um dem Team teurere Free Agents zu ermöglichen. 

Und doch bleiben erstmals in der langen Karriere des großen Tom Bradys Zweifel, ob er dieses Mal tatsächlich zurückkehrt. War vor seinem Abschied von den Patriots im Frühjahr 2020 lediglich die Frage, wohin es seine außergewöhnlichen Fähigkeiten verschlägt, steht nun erstmals ein Karriereende im Raum. 

Sieben Mal konnte Brady bereits den Super Bowl gewinnen. Viel zu beweisen gibt es demnach nicht mehr. Doch warum sollte der wohl beste Quarterback aller Zeiten aufhören, wenn er offensichtlich noch so viel Benzin im Tank hat? "Körperlich fühle ich mich weiter sehr gut." Eine Frage, die der G.O.A.T. in den kommenden Wochen wohl nur selbst beantworten kann. 

Aaron Rodgers: Alle Optionen auf dem Tisch

Bei Aaron Rodgers hingegen ist die Situation deutlich verzwickter als bei Brady und den Buccaneers. Der (Noch-)Spielmacher der Green Bay Packers hat eine regelrechte Achterbahnsaison hinter sich. Von Vertrags-Querelen in der Offseason über einen Stolperstart bis hin zum MVP-Favoriten. Die Saison liest sich wie ein typischer Football-Film - wäre da nicht dieses jähe Ende gegen die San Francisco 49ers.

Auch wenn Rodgers in den vergangenen Wochen ein Karriere-Ende ins Spiel brachte, so richtig greifbar wurde es erst nach der 49ers-Pleite - wohl auch für den Quarterback selbst: "Es ist alles gerade sehr frisch. Das kommt echt schockierend für mich, ich hatte die Saison noch lange nicht abgehakt", sagte er nach dem Spiel. 

Ähnlich wie Brady will auch er sich zunächst Zeit nehmen, bevor er eine Entscheidung trifft. Der große Unterschied zum Buccaneers-Star ist hier jedoch, dass Rodgers die Packers verlassen könnte, auch wenn er nicht seine Karriere beendet. 

Aaron Rodgers: Packers vor Umbruch - mit oder ohne den Superstar?

"Ich möchte nicht Teil eines Rebuild sein, wenn ich weiterspielen sollte", erklärte er niedergeschlagen. Bedeutet: schaffen es die Packers nicht, auch in der kommenden Saison einen konkurrenzfähigen Kader zusammenzustellen, wird es schwer, ihn von einer Rückkehr zu überzeugen. 

Auch Rodgers weiß um die komplizierte Gehaltssituation bei den Packers, die derzeit für die kommende Saison mit 44,8 Millionen US-Dollar im Minus liegen. "Es gibt so viele Entscheidungen, die getroffen werden müssen. Schlüsselspieler, viele Jungs, die heute gespielt haben … so viele Jungs, deren Verträge auslaufen oder kurz davor sind, und dieses ganze Salary-Cap-Zeug", rätselte er nach dem Spiel. 

Auf General Manager Brian Gutekunst kommt als viel Arbeit zu, die durch auslaufende Verträge wie der von Wide Receiver Davante Adams nur noch mehr erschwert wird. Mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung könnte Rodgers für mehr Gehaltsspielraum sorgen, doch hier wird entscheidend sein, wie konkret die Pläne der Franchise sind, die Rodgers an einem Punkt in der Offseason vorgelegt werden dürften. 

Aaron Rodgers: Abschied kompliziert - aber nicht unmöglich

Weil Rodgers noch einen Vertrag bis 2023 in Green Bay besitzt, haben die Packers eigentlich alle Zügel in der Hand. Doch schon in der vergangenen Offseason, als die beiden Parteien auf Kriegsfuß standen, wirkte es selten so, als würden wirklich die Packers entscheiden, wo Rodgers in Zukunft aufläuft. 

Schließlich rauften sich beide Seiten zusammen und einigten sich auf ein Jahr weitere Zusammenarbeit. Wie bereits damals NFL-Experten wie Jay Glazer von "Fox Sports" berichteten, handelte Rodgers mit den Packers ein Gentlemen's Agreement aus, um eine erneute Konfrontation zu verhindern. 

So soll ihm garantiert worden sein, dass ihm bei zukünftigen Abschiedsambitionen keine Steine in den Weg gelegt werden würden. Heißt: Sollte er Green Bay verlassen wollen, dürfte er schon 2022 einen Trade fordern oder kann 2023 unbeschwert als Free Agent von dannen ziehen.

Mit einem Cap Hit von über 46 Millionen US-Dollar muss eine Franchise neben einem passenden Angebot an die Packers auch ordentlich Cap Space zur Verfügung haben, um Rodgers anzulocken. Auch die Motivation wird eine große Rolle spielen, ob sich der 39-Jährige ähnlich wie Brady vor zwei Jahren einem komplett neuem Team und neuer Spielphilosophie anschließen will. 

Entscheidung hat Auswirkung auf die gesamte NFL

Egal welche Entscheidung die beiden zukünftigen Hall of Famer treffen: Sie hat Auswirkungen auf die gesamte NFL. Bleiben beide Spielmacher bei ihren Teams, dürften diese alles daran setzen, erneut einen Angriff auf den Super Bowl zu starten. 

Sollten sie sich hingegen in den Ruhestand begeben, würde die Liga mit einem Schlag zwei der größten Gesichter ihrer Geschichte verlieren. 

Da die Tampa Bay Buccaneers und die Green Bay Packers in ihren jeweiligen Divisions zu den absoluten Favoriten zählen, könnte sich auch hier schlagartig die sportlichen Machtverhältnisse drehen. Dies wäre auch der Fall, wenn Rodgers tatsächlich das Team wechseln sollte - die NFL hätte direkt einen Titelkandidat mehr im Rennen, während die Packers mit Quarterback Jordan Love wohl erstmal einen kleinen Rebuild vorantreiben dürften. 

So oder so: angesichts zweier so wichtigen Entscheidungen steht die NFL hier an einem historischen Scheidepunkt, auf den sowohl Tom Brady als auch Aaron Rodgers großen Einfluss haben. 

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