Schlüsselspieler für das Laufspiel: Deebo Samuel und Kyle Juszczyk - Bildquelle: Getty ImagesSchlüsselspieler für das Laufspiel: Deebo Samuel und Kyle Juszczyk © Getty Images

München - "Ich freue mich auf die Aufgabe. Gegen Kyle Shanahan zu coachen ist das ultimative Schachspiel", lobte Raheem Morris, Defensive Coordinator der Los Angeles Rams, den Head Coach der San Francisco 49ers (49ers at Rams, live, am Sonntag ab 0:15 Uhr auf ProSieben und ran.de). 

Shanahan hat mit seinem Offensiv-Scheme den Status des Laufspiel-Großmeisters erreicht. Die Offensiv-Philosophie geht zurück auf Alex Gibbs, der sie bei den Denver Broncos unter der Leitung von Head Coach Mike Shanahan (Vater von Kyle) entwarf. Kyle Shanahan lernte die Offensive wiederum durch seinen Vater kennen. Noch heute bildet die Offensiv-Philosophie von Gibbs den Grundbaustein für das Laufspiel der 49ers. Doch Shanahan hat seine eigenen Ausbauten vorgenommen. 

"Shanahan-Scheme": Was bedeutet das? 

Der Dreh- und Angelpunkt des Laufspiels ist das Outside-Zone-Konzept. Ziel ist, Defensiven horizontal zu strecken. Die Offensive Liner "fließen" zu einer Seite, jeder muss einen Bereich, (meist) keinen spezifischen Spieler, blocken. Der Running Back liest die Lücken und muss entscheiden, bei welcher er den Cut setzt und vertikal hindurch läuft. 

Natürlich gibt es Situationen, in denen Shanahan auf andere Laufkonzepte (Goal-Line, Power-Runs, Inside-Zone-Runs etc.) setzt, die meisten Laufspielzüge fallen jedoch in die Kategorie Outside-Zone. Knapp 50 Prozent der Spielzüge der 49ers in dieser Saison waren Läufe, dritthöchster Wert. Dabei erzielten sie durchschnittlich 4,3 Yards. 

Blocken, Blocken, Blocken

Wie in jedem Scheme spielt das Blocken eine tragende Rolle. Left Tackle Trent Williams räumt im Laufspiel der 49ers regelmäßig Verteidiger aus dem Weg. Wählte Running Back Eli Mitchell die Lücke zwischen Left Tackle und Left Guard, holte er durchschnittlich 6,7 Yards raus. 

Beim Rasenschach kann Shanahan zudem auf George Kittle und Kyle Juszczyk als Königinnen (dank ihrer Flexibilität) zurückgreifen. Beide bekleiden in der Offense mehrere Positionen und sind exzellent im Lauf-Blocken. 

"Unsere Coaches machen einen super Job im Laufspiel. Wir haben viele Wege, Defensiven zu attackieren. Es ist mittlerweile an einem Punkt, wo wir eigentlich gegen alles und jeden gut laufen können", lobte Kittle. 

Für Offensive Coordinator Mike McDaniel ist auch klar, dass ein effektives Laufspiel ein Team-Job ist, wie er in einem Video-Clip vor einigen Jahren hervorhob: "Es ist enorm wichtig, dass unsere Receiver blocken. Wir investieren eine Menge Zeit in diese Message. Wenn wir explosive Plays haben wollen, müssen alle Blocks sitzen - auch die der Receiver." 

Motion bis zum Umfallen

Um Defensiven auf Trab zu halten, setzt Kyle Shanahan oft (bei fast 75 Prozent der Spielzüge, Liga-Höchstwert) auf Motion. Die sinnbildliche Täuschgranate wird eingesetzt, um bei der gegnerischen Defensive für Verwirrung und Unstimmigkeiten in der defensiven Formation zu sorgen. Motion öffnet zudem die Möglichkeit, eine Vielzahl an Plays aus der gleichen Formation zu laufen. 

"Ich mache es nicht, um es einfach zu machen. Sondern es hat immer einen Grund. Manchmal hilft es einem unserer Spieler, manchmal verwirrt es die Defense. Ich überlege mir immer neue Wege, Plays zu gestalten", sagte Shanahan im November 2021 bei "ESPN". 

Deebo Samuel: Der X-Factor

Einer der Profiteure der "neuen Wege" ist Deebo Samuel. Der Wide Receiver wird von Shanahan seit dieser Saison häufig als Running Back eingesetzt. Hinter Elijah Mitchell (1.112 Rushing Yards) hat er mit 476 Yards die meisten erlaufenen Yards bei den 49ers. 

Samuels Fähigkeit, nach dem Setzen des Cuts zu beschleunigen, bringt ein weiteres explosives Element in die Lauf-Offense. Zudem kreiert der ehemalige Zweitrunden-Pick durchschnittliche 4,2 Yards nach dem Erst-Kontakt mit einem Defensiv-Spieler. 

"Deebo bringt eine Menge Power mit und sein Antritt ist bockstark. Er kann durch Lücken schlüpfen, die eigentlich schon geschlossen sind. Wenn Verteidiger denken, sie haben ihn, schaltet er nochmal diesen einen Gang höher. 

Schematische Tricks

Damit nicht genug. Shanahan und Offensive Coordinator McDaniel überlegten sich weitere Innovationen, um Defensiven zu verwirren. Einige Male ließen sie "Inside-Toss-Plays" laufen. Toss-Plays gehen eigentlich über Außen, doch die 49ers versuchten innen durchzukommen. "Wir nutzen diesen Spielzug, weil er ungewöhnlich ist. Wenn die Defensive dann einen Moment zu spät reagiert, kann das ein Vorteil für uns sein", sagte McDaniel auf einer Pressekonferenz. 

Gegen die Green Bay Packers schickten die 49ers Left Tackle Trent Williams per Motion ins Backfield und dann als Lead Blocker für den Running Back voraus. "Das sollte nicht legal sein", sagte Shanahan nach der Partie schmunzelnd. 

Der Head Coach der 49ers und sein Offensiv-Stab haben ein stabiles und gleichzeitig kreatives Laufspiel auf die Beine gestellt. Ein Laufspiel, was Gegner Schachmatt setzen kann. Vielleicht auch die Los Angeles Rams. 

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