Alle Augen auf Josh Allen - Bildquelle: Getty ImagesAlle Augen auf Josh Allen © Getty Images

München - Der Offensiv-Motor der Buffalo Bills lief auf Hochtouren. Kein Aussetzer, kein Schaltfehler, keine Überhitzung. Knapp vier Stunden später blieb Bill Belichick auf der Pressekonferenz nur noch anzumerken, dass die Bills seine New England Patriots in jeglicher Hinsicht überrollt haben. Eine Machtdemonstration. 47:17. Man kann von einem "perfekten Spiel" der Bills sprechen. Kein Punt, kein Turnover, jeder Drive endete mit einem Touchdown. 

Mit einigen Einträgen in die Rekord-Bücher und einer Menge Selbstvertrauen im Gepäck nehmen es Josh Allen und die Bills in der Divisional Round nun mit den Kansas City Chiefs auf (live, in der Nacht von Sonntag auf Montag ab 0:15 Uhr auf ProSieben und ran.de). Doch wie kann die Chiefs-Defense Josh Allen stoppen, wenn die Offensive schier unaufhaltsam scheint? 

Spagnulo: "Werden eine Menge verschiedener Formationen zeigen"

"Die Bills sind ein gefährliches Team mit einer Menge Waffen", lobte Defensiv Coordinator Steve Spagnulo und fuhr fort: "Wir werden eine Menge verschiedener Formationen zeigen und müssen diszipliniert auftreten." 

Mit seiner fast schon einzigartigen Wurfkraft hebelte Josh Allen schon mehrere Defensiven aus. Die Patriots bezahlten einen hohen Preis, als sie mehrfach versuchten, in Mann-Deckung gegen die Receiver der Bills zu agieren. Besonders gegen tiefe Crossing-Routen, bei denen der Passepfänger quer von einer Seite des Feldes auf die andere Seite läuft, hielt die Man-Coverage nicht stand. 

 

"Josh Allen kann den Ball hinwerfen, wo er will. Er ist explosiv und bringt den Ball auch in engen Fenstern an", sagte Chiefs-Star Chris Jones vor der Partie. Und es ist nicht das erste Aufeinandertreffen der beiden Teams: Die Chiefs gerieten am fünften Spieltag gegen Allen unter die Räder. Der Quarterback bestrafte Kommunikationsprobleme in der Secondary immer wieder mit tiefen Pässen, sorgte zudem durch seine Improvisationsfähigkeiten immer wieder für Highlight-Spielzüge. 

"Passives" Verteidigen

Spagnulo lässt eine aggressive, blitzlastige Defensive spielen. Nach einem wackligen Saisonstart stabilisierte sich die Defense über die letzten Wochen und Monate. Die Abstimmungsprobleme nahmen ab, die Defense kreierte mehr Druck und Turnover. 

Gegen den spektakulären Allen könnte allerdings ein unspektakulärer Gameplan die Antwort sein. Der Quarterback der Bills lässt sich Eins-gegen-Eins-Situationen gegen Secondary-Spieler nicht entgehen, mit seiner Mobilität kann er dem Blitz gut ausweichen und Yards auf eigene Faust sammeln oder den Ball schnell auf Cole Beasley oder Stefon Diggs loswerden. 

Als Achillesferse über die Saison hinweg erwies sich allerdings immer wieder das Kurzpassspiel. Und zwar dann, wenn er es konstant bedienen musste. Bei Pässen, die zwischen einem und zehn Yards durch die Luft flogen, kommt er in dieser Saison auf neun Touchdowns - und sieben Interceptions. 

Die Chiefs könnten also versuchen, mit lediglich vier Pass Rushern zu agieren und gleichzeitig zwei tiefe Safeties zu positionieren, um die explosiven Spielzüge zu limitieren und Allen zum Kurzpassspiel "einzuladen". Denn, wenn der Kanonenarm genau zielen muss, kann es durchaus zur Streuung kommen. 

Neue Personalsituation 

Zudem dürfte es den Chiefs in die Karten spielen, dass sich Juan Thornhill als solider Safety neben Tyrann Mathieu etabliert hat. Zu Saisonbeginn (und in Woche 5 gegen die Bills) setzte das Team von Head Coach Andy Reid noch auf Dan Sorensen, der beim ersten Aufeinandertreffen über 100 Yards in seiner Deckung zuließ und über den Saisonstart hinweg mehrmals Big Plays nicht verhindern konnte. 

Chris Jones, der am fünften Spieltag wegen einer Handgelenksverletzung pausieren musste, gibt der Defensive Line die nötige Star-Power, um Druck durch die Mitte auszuüben, warnt aber gleichzeitig: "Es ist sehr schwer, ihn zu Boden zu bringen. Wenn er aus der Pocket rausgeht und selbst kreiert, kann das sehr gefährlich werden."

 

Als Läufer holt Allen durchschnittlich 6,5 Yards raus, kann dank seiner Athletik und Größe immer wieder Tackles brechen. Eine weitere Gefahr, auf die die Chiefs vorbereitet sein müssen. 

Ist der Motor aufzuhalten? 

Klar ist, dass Allen und die Bills-Offense Yards sammeln werden. Um sie komplett zu stoppen ist das Talent des Teams zu gut. Sollten die Chiefs zu viel "vorsichtigere" Coverages spielen, besteht zudem die Gefahr, dass die ohnehin schwache Run-Defense in Grund und Boden gelaufen wird. 

Aber die Mischung aus "Einladung zum Kurzpassspiel" und variabler Formationen, um Allen aus dem Konzept zu bringen, könnte eine Strategie sein, um zumindest Sand in das Getriebe zu streuen. 

Und wo Sand ist, kann auch mal der Motor stocken. 

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