Von der Overtime-Regel ausgebremst: Josh Allen blieb in der entscheidenden P... - Bildquelle: Getty ImagesVon der Overtime-Regel ausgebremst: Josh Allen blieb in der entscheidenden Phase des Spiels seiner Buffalo Bills bei den Kansas City Chiefs nur die Zuschauerrolle © Getty Images

München - Josh Allen stand nach einem weiteren grandiosen Auftritt während der gesamten Overtime an der Seitenlinie. Und damit auf verlorenem Posten.

4:15 Minuten lang war der Quarterback der Buffalo Bills im Arrowhead Stadium dazu verdammt, seinem Gegenüber Patrick Mahomes zuzuschauen, der seine Kansas City Chiefs zum Sieg bringenden Touchdown führte. Den Platz durfte er nur noch einmal betreten, als alles vorbei war. Zum Gratulieren.

Was für eine Farce! Zum Ende des epischen Duells, das der amtierende AFC-Champion mit 42:36 für sich entschied.

Overtime-Regel als fiese Zugabe zum größten Spektakel

Die Divisional Round war vor allem eines: beste Werbung für American Football. Jedes der vier Spiele war bis zur letzten Aktion spannend. Aber die Zugabe zum größten Spektakel zeigte letztlich nur einmal mehr: die NFL muss ihre Overtime-Regel ändern! Und zwar dringend!

Dies ist nicht die erste "ranSicht", die sich diesem leidigen Thema annimmt. Und es wird zum Bedauern vieler Fans und damit auch uns wohl leider nicht die letzte sein.

 

Schon der Super Bowl LI endete auf diese Weise

So wie die Liga die Overtime bislang gestaltet, ist das Team, das den Ball bekommt, klar im Vorteil. Gelingt ein Touchdown, ist das Spiel sofort aus.

Genau so lief es in Kansas City. Aber auch schon beim Super Bowl LI zwischen den New England Patriots und den Atlanta Falcons, als das unfassbare Comeback von Tom Brady und Co. die Kritik am jähen Ende überstrahlte.

Coin Toss als entscheidendes Duell der Overtime

De facto verloren die Bills das Spiel, das ohnehin keinen Verlierer verdient gehabt hatte, bereits vor Beginn der Overtime. Das entscheidende Duell war der Coin Toss.

Was ja gar nicht mal so überraschend war. Schließlich hatten beide Offenses schon in den 60 Minuten zuvor Feuerwerke en masse abgebrannt. Da war quasi vorgezeichnet, dass der erste Drive in der Overtime auch der letzte sein würde.

 

Bills-QB Allen bringt es auf den Punkt

Oder, wie es Allen im Anschluss beschrieb: "Sie hatten ein Play mehr als wir. Darauf kam es letztlich an." Damit traf er es ziemlich genau auf den Punkt.

Eine ganze Saison - und die Bills liefen in diesen entscheidenden Wochen wahrlich zu Höchstform auf - zerschellte letztlich an einer unsinnigen Regel.

Natürlich hätte die Bills-Defense die Chiefs-Offense auch stoppen können. Aber mal ehrlich: Muss das Voraussetzung sein, um in der Overtime selbst in Ballbesitz kommen zu dürfen?

In meiner Sport-Welt ganz sicher nicht.

Sport lebt vom Fairnessgedanken

Denn natürlich soll der Sport in erster Linie unterhalten und Begeisterung entfachen. Aber er lebt letztlich auch vom Fairnessgedanken. In den USA dank Salary Cap und Draft-System auch abseits des Rasens, des Courts, des Eises.

Nur eben nicht in der Overtime eines NFL-Spiels. Dass ein Score der Defense das Spiel sofort beendet, geht absolut in Ordnung. Dass das für einen Touchdown der Offense auch gilt, absolut nicht.

Denn das konterkariert den Fairnessgedanken des Sports. Führt ihn ad absurdum.

 

Ausnahme der Overtime-Regel sollte gestrichen werden

Die Overtime-Regel lautet: "Jedes Team muss in Ballbesitz kommen oder die Möglichkeit haben, in Ballbesitz zu kommen." So weit, so gut. Doch dann kommt's: "Ausnahme: wenn das Team, das als erstes den Ball bekommt, im ersten Drive einen Touchdown erzielt."

Warum dieser Zusatz? Geht es wirklich nur darum, die Overtime möglichst schnell zu einem Ende zu bringen? Bitte streich' doch diesen Satz einfach, liebe NFL!

Vorschlag: Fünf Minuten Zeit für Overtime-Drive

Dann wird auch die Overtime zum puren Genuss. Ohne den Hintergedanken: Was wäre, wenn das andere Team den Coin Toss gewonnen hätte?

Wenn es schnell gehen muss, dann sollte doch lieber festgelegt werden, dass jedes Team beispielsweise fünf Minuten Zeit bekommt, um einen Drive zum Score zu führen.

 

Warum nicht an College-Regeln orientieren?

Oder die NFL orientiert sich am College Football, wo die Drives in der Overtime 25 Yards von der gegnerischen Endzone entfernt beginnen. Auch das verspricht besondere Spannung vom ersten Snap an und ermöglicht schnelle Scores.

Es gibt so viele Möglichkeiten. Nur der Fairnessgedanke sollte in jedem Fall im Vordergrund stehen.

Das haben sich alle NFL-Teams verdient. Erst recht die, die sich so ein Wahnsinnsspiel liefern wie die Chiefs und die Bills an diesem denkwürdigen Wochenende.

Marcus Giebel

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