München - Die San Francisco 49ers mussten den 33:17-Sieg über die Miami Dolphins teuer bezahlen. Denn während des Spiels hat sich Quarterback Jimmy Garoppolo den Fuß gebrochen und fällt damit für den Rest der Saison aus.

Bitter zum einen, weil die 49ers mit einer Bilanz von 8-4 noch mitten im Rennen um die Playoffs sind. Bitter aber auch zum anderen, weil "Jimmy G" in dieser Saison nicht der erste Quarterback ist, auf den die "Niners" verletzungsbedingt für den Rest der Spielzeit verzichten müssen.

Starter Trey Lance fehlt seit Week 2

Bereits am zweiten Spieltag der laufenden Saison zog sich der eigentliche Starting Quarterback Trey Lance in der Partie gegen die Seattle Seahawks einen Knöchelbruch zu. Glück für San Francisco, dass sie diesen Ausfall noch durch Garoppolo kompensieren konnten und der 31-Jährige auch lieferte.

In elf Spielen kam der Routinier auf 16 Touchdowns bei lediglich vier Interceptions. 2437 Passing Yards stehen zu Buche. Sehr ordentliche Zahlen für einen Backup-Quarterback.

San Franciscos Deja-vu

Gegen die Dolphins widerfuhr den 49ers allerdings das gleiche Schicksal erneut und die Frage kommt auf, wer das Team als Quarterback in der restlichen Saison aufs Feld führen und vielleicht sogar den Einzug in die Playoffs perfekt machen soll.

Zum jetzigen Zeitpunkt haben die 49ers zwei Optionen aus den eigenen Reihen zur Verfügung. Garoppolos bisheriger Backup und der vermeintlich neue Starter Brock Purdy und Jacob Eason aus dem Practice Squad befinden sich im Kader San Franciscos.

Reagieren die 49ers direkt?

Die Quarterback-Gruppe soll laut eines Berichts von NFL-Insider Adam Schefter aber durch Josh Johnson aus dem Practice Squad der Denver Broncos erweitert werden. Der 36 Jahre alte Spielmacher stand in seinen 13 NFL-Saisons bereits bei 14 verschiedenen Teams unter Vertrag - damit kehrt Johnson auch zum dritten Mal nach San Francisco zurück.

Dass Johnson oder Eason starten werden, ist unwahrscheinlich. Demnach würde Purdy das Rennen machen.

49ers: Plötzlich ist Mayfield auf dem Markt

Doch am Montag überschlugen sich die Ereignisse: Die Carolina Panthers schmissen Baker Mayfield auf den Markt. 

Wie es heißt, soll der Nummer-1-Pick selbst darum gebeten haben, nachdem klar wurde, dass er bei Interimstrainer Steve Wilks keine Chance mehr hat. Sicher auch, weil sich eine Option wie bei den 49ers auftat.

Seine kurze Zeit bei den Panthers verlief unglücklich, er kam nie an, lieferte nicht. 

Kommt nun der Zeitpunkt für den nächsten Neustart? Mayfield landet auf der Waiver-Liste, auf der die 49ers den 27-Jährigen auswählen könnten.

 

Schlägt GM John Lynch zu? Er ist bekannt dafür, auch mal ein Risiko einzugehen. Klar: Mayfield ist nach viereinhalb Jahren NFL erfahren, kann aber schon länger nicht mehr an frühere Leistungen anknüpfen, als er die Cleveland Browns in die Playoffs führte.

Auf der anderen Seite geht es um die Playoffs, um die Postseason, den Super Bowl. Dies mit unerfahrenen Spielmachern anzugehen, ist nicht weniger risikoreich.

49ers: Was spricht für Purdy?

Was spricht für Purdy? Er kam gegen Miami bereits in der ersten Hälfte für den verletzten "Jimmy G" aufs Feld und führte San Francisco zum Sieg. Purdy warf zwei Touchdowns, brachte 25 von 37 Pässen an und sammelte dadurch 210 Passing Yards - allerdings stand auch eine Interception am Ende des Tages zu Buche. 

Doch bereits vor seinem ersten Einsatz hat sich Purdy einen Namen gemacht. Der Spielmacher war schließlich der "Mr. Irrelevant" des diesjährigen Drafts. Der 22-Jährige wurde als letzter Spieler des Drafts von den 49ers gepickt und erhält daher die übliche Bezeichnung.

Nichtsdestotrotz spricht etwas für den "Mr. Irrelevant". Denn im Gegensatz zu Eason und Mayfield kennt Purdy das Playbook.

Diesen Vorteil hat der Rookie-Quarterback auch anderen Free Agents voraus. So spät in der Saison trauen viele Coaches eher Spielern, die sich nicht erst in die Spielphilosophie und das Playbook des Teams einarbeiten müssen.

Trade nicht mehr möglich - Was bietet der Free-Agent-Markt?

Allerdings bietet auch der Free-Agent-Markt durchaus Kandidaten, über die die 49ers nachdenken könnten - und die auch vom Namen her nochmals größer sind als Purdy und teilweise auch größer sind als Mayfield. Ein Trade kommt im Übrigen nicht in Frage, da die Trade-Deadline bereits am 1. November abgelaufen ist. 

Wer käme also noch in Frage? Erste Namen, die bereits in den sozialen Medien herumschwirren sind unter anderem Cam Newton, Josh Rosen und Mike Glennon. Alle drei haben NFL-Erfahrung, haben aber auch schon länger nicht mehr gespielt. Vorteil Mayfield.

Erhält Purdy das Vertrauen?

Sollten die 49ers auf Mayfield verzichten, ist es durchaus wahrscheinlicher, dass Johnson Backup bei den "Niners" wird und Erfahrung in die Quarterback-Gruppe bringen soll. Purdy wird dann als Rookie voraussichtlich die Chance bekommen, sich zu beweisen.

Und wer weiß, eventuell wird bei einem Erreichen der Playoffs aus "Mr. Irrelevant" dann doch noch ein "Mr. Relevant". Kann man aus Sicht der 49ers nur hoffen, dass sich nicht auch noch der dritte Quarterback verletzt.