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München/Seattle - Russell Wilson und die Seattle Seahawks. Passt das noch?

Eine Frage, die sich die Seahawks-Fans vor der Saison nicht einmal haben erträumen können, scheint mittlerweile bittere Realität. Der Quarterback lieferte gegen das Washington Football Team das nächste Horror-Spiel ab, von Playoffs spricht in Seattle schon lange keiner mehr. 

So wirkliche Gründe für das plötzliche Einbrechen der Playoff-Dauergäste sind auf dem ersten Blick nicht zu finden. Sicherlich spielt die Finger-Verletzung von Wilson eine Rolle, warum der Superstar derartig abgebaut hat. Sollte dies der Fall sein, stellt sich im Moment die Frage, warum der 33-Jährige dann überhaupt spielt?

Wilson ist den Seahawks im Moment keine Hilfe

Trotz des nie jünger werdenden Tom Brady, trotz des großen Potenzials von Patrick Mahomes und trotz der Genialität von Aaron Rodgers schien Russell Wilson in den vergangenen Jahren als der kompletteste Quarterback in der Liga.

Egal, welches Problem dem Spielmacher vor die Füße geworfen wurde, mit seinem Zauberarm führte er die Seahawks am Ende doch noch in die Playoffs. Ausgerechnet in dieser Saison scheint ihn sein "Mojo" jedoch verlassen zu haben. Zum ersten Mal in seiner Karriere verlor er drei Spiele in Serie. 

Gegen das Washington Football Team legte er mit 247 Passing Yards und zwei Touchdowns ordentliche Zahlen auf, doch die täuschen über eine extrem inkonstante Vorstellung hinweg. Gleich mehrmals traf er weit offene Receiver nicht, die Bälle flogen stellenweise deutlich an den Passempfängern vorbei. 

Das größte Problem: Der Auftritt gegen das Football Team war wohl noch mit der beste seit seiner Rückkehr. Nach der Partie fand Head Coach Pete Carroll heftige Worte, die tief blicken lassen. 

Coach Carroll zählt Quarterback an

Zwar gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Mal Zwist zwischen den beiden Alpha-Tieren in Seattle, so deutlich wurde Carroll jedoch nur selten, wenn es etwas Negatives über Wilson zu sagen gab: "Er muss besser spielen. Wir alle müssen das", erklärte ein sichtlich angeschlagener Coach nach der Partie.

Besonders die verpassten Möglichkeiten ärgerten ihn dabei. In den Schlusssekunden hatten die Seahawks die Möglichkeit zum Ausgleich, doch Wilson leistete sich eine haarsträubende Interception: "Ich meine, dass wir heute einige Leute offen hatten und gute Möglichkeiten. Leider haben wir es dann nicht zu Ende bekommen", so Carroll. 

 

"Videos lügen nicht. Uns fehlt etwas, aber ich sehe davon nichts im Training", sagte Carroll weiter. Die Fingerverletzung sehe er dabei eher weniger als Grund, weil Wilson in mehreren Szenen gute Pässe gespielt hat. Dennoch bleibt festzuhalten: "Drei oder vier Spielzüge sind uns einfach aus der Hand geglitten. Das sollten eigentlich einfache Plays für ihn sein", so Carroll abschließend. 

Auch der Quarterback gab nach dem Spiel zu: "Heute habe ich ein paar Bälle vorbeigeworfen. Es war aber nicht so, dass mir das Vertrauen gefehlt hat", sagte Wilson nach der Partie. Dennoch kann er im Moment nicht an alte Leistungen anknüpfen.

Wilson nur Opfer des Systems?

In der ersten Hälfte der vergangenen Saison erlebte Russell Wilson mit die beste Phase seiner Karriere. Unter dem Motto "Let Russell Cook" hatte der Superstar im Prinzip Narrenfreiheit und feuerte aus allen Rohren. Aufgrund des Erfolgs galt er lange Zeit als MVP-Kandidat. 

Später folgte jedoch der Einbruch: Die Seahawks um Coach Carroll wählten einen konservativeren Ansatz, der besonders das Laufspiel in den Vordergrund stellte. Dann lag es tatsächlich oft an Wilson, den Drive nach zwei erfolglosen Laufversuchen am Leben zu halten. 

 

Denn nicht nur Wilson scheint derzeit im offensiven System Probleme zu haben. Auch die beiden Top-Receiver D.K. Metcalf und Tyler Lockett tauchen regelmäßig in Spielen ab. Gehörten beide in der vergangenen Saison zu einem der besten Receiver-Duos der Liga, ist von ihrer individuellen Klasse in dieser Spielzeit nur stellenweise zu sehen. 

Seit Wilsons Rückkehr fing Metcalf gerade einmal acht Bälle von Wilson, die er in lediglich 70 Receiving Yards umwandelte. Zumindest Locketts Entwicklung zeigt wieder in die richtige Richtung, in den vergangenen drei Spielen kam er auf über 234 Receiving Yards. 

Was passiert mit Wilson?

Mit einer Bilanz von drei Siegen und acht Niederlagen werden die Playoffs zu hoher Wahrscheinlichkeit ohne die Seahawks stattfinden. Zuletzt war dies im Jahr 2017 der Fall. Das Ziel in Seattle kann deshalb nur Schadensbegrenzung bedeuten. "Wir müssen jetzt alles geben, was wir haben", sagte auch Wilson abschließend. 

Die Frage wird sein, wie lange Wilson noch die Möglichkeit dazu hat. Schließlich bejahte Coach Carroll die Frage, ob er Wilson bei ausbleibender Besserung zum eigenen Schutz auch auf die Bank setzen würde: "Ja, er muss die Plays machen, wenn er die Chance bekommt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass er es nicht hinbekommt", gab der Head Coach klar zu verstehen.

Damit werden auch die Gerüchte nicht weniger, dass sich die Ära von Wilson im kommenden Sommer dem Ende zuneigt. Nach den überstandenen Differenzen in der Offseason schien ein Trade endgültig vom Tisch zu sein. Aufgrund der neuen Umstände wird dieses Szenario jedoch wieder deutlich präsenter.

Die Seahawks spielen in den kommenden Wochen womöglich nicht nur für Wiedergutmachung, sondern womöglich um die mittelfristige Zukunft der Franchise. Noch scheint der Schaden nicht irreparabel zu sein, doch finden Wilson und Co. nicht in die Spur, droht den Seahawks ein langer, kalter Winter. 

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