Vor der NFL spielte McLaurin für die Ohio State Buckeyes. - Bildquelle: imago images/ZUMA WireVor der NFL spielte McLaurin für die Ohio State Buckeyes. © imago images/ZUMA Wire

Von Tom Offinger

München/Washington - Es wäre das perfekte Happy End nach vielen Jahren im Mittelmaß: Nach zehn Spielen und nur drei Siegen hat das Washington Football Team noch immer beste Chancen auf die erste Playoff-Teilnahme nach 2015.

Diesen Umstand verdankt der Klub nicht nur seinen schludrigen Rivalen in der NFC-East, sondern auch einem jungen und bisher kaum bekannten Leistungsträger: Wide Receiver Terry McLaurin.

 

Kein Typ für Spitznamen

"Eigentlich sehe ich mich nicht als jemand, der unbedingt einen Spitznamen braucht", beschwichtigte der 25 Jahre alte Passempfänger während des Training Camps vor Saisonbeginn. "Ich gehe nur raus und spiele Football, ehrlich gesagt. Ich bin diesbezüglich sehr einfach gestrickt."

Spitznamen sind im Sport nichts Ungewöhnliches, Fans und Journalisten verleihen sie Spielern, die mit besonderen Leistungen auf sich aufmerksam machen. Umso beeindruckender ist es, wenn ein unbekannter Drittrundenpick nach seiner ersten Saison in der NFL sofort einen verliehen bekommt.

McLaurin erzielte 2019 mit 58 Passfängen 919 Yards, sowie sieben Touchdowns und verdiente sich so den Spitznamen "Scary Terry", der an eine Figur aus der Zeichentrickserie "Rick and Morty" angelehnt ist.

Beeindruckende Leistungen trotz Quarterback-Roulette

Wie bereits erwähnt, ist "Scary Terry" aber niemand der viel Wert auf Spitznamen legt, stattdessen lässt er lieber Taten sprechen. Auch in dieser Saison überzeugt der junge Receiver mit guten Leistungen, mit 871 Yards hat er nach Week 11 seine letztjährige Bilanz fast eingeholt.

 

"Er spielt so, wie er beworben wird", lobte ihn sein Head Coach Ron Rivera, der den Klub seit diesem Jahr wieder auf die Siegerstraße führen soll. "Als ich noch in Carolina gearbeitet habe, möchten wir ihn sehr und wollten ihn unbedingt haben. Leider war Washington schneller."

Ein weiterer Beleg für McLaurin Qualität ist seine Anpassungsfähigkeit. In bisher 24 NFL-Spielen stand der Passempfänger mit fünf verschiedenen Quarterbacks auf dem Feld - Kontinuität ist eine große Schwäche des Football Teams.

Führungsspieler und Kapitän

Neben seinen Leistungen auf dem Feld ist es vor allem McLaurin Engagement abseits des Feldes, das ihm in seinem zweiten Jahr viel Bewunderung einbringt. Trotz seines jungen Alters ist der Receiver einer der führenden Köpfe der Mannschaft und genießt den Respekt seiner Teamkollegen und des Trainerstabs.

Es war eine mutige Ansprache nach dem ersten Sieg gegen die Dallas Cowboys, die McLaurins Charakter erstmals deutlich werden ließ. "Ich weiß, ich bin noch ein junger Kerl und kein Kapitän", erklärte der Receiver zurückhaltend, nachdem Head Coach Rivera seine Spielanalyse beendet hatte.

Die Kamera, die die Kabinenansprache für Twitter festhielt, schwenkte auf den 25-Jährigen, der die Leistungen seiner Mitspieler lobte und gleichzeitig den Ton für die entscheidende Phase der Saison setzte: "Genießt dieses Gefühl, darauf können wir aufbauen. Wir sind jetzt genau da, wo wir am Ende hinwollen - das wollte ich nur kurz los werden."

Seine Mitspieler applaudierten ihm lautstark und auch Rivera, der sonst wenig für Emotionen bekannt ist, stimmte McLaurin zu und bat ihn lächelnd in die Mitte des Kreises. Wenige Tage später wurde der 25-Jährige durch den Ausfall von Safety Landon Collins zum Kapitän ernannt.

Touchdown statt Provokation

Mit einer Bilanz von 3-7 steht Washington aktuell um auf dem dritten Platz in der umkämpften, aber schwachen NFC-East. Die Spitzenreiter von den Philadelphia Eagles profitieren noch von einem Unentschieden gegen Cincinnati, die übrigen drei Teams sind in Lauerstellung.

Das Spiel gegen die Dallas Cowboys ist somit von großer Bedeutung für das Football Team, das das erste Aufeinandertreffen mit 25:3 entscheiden konnte. McLaurin sorgte nicht nur durch seine Ansprache für Aufsehen, sondern auch mit 90 Receiving Yards und einem Touchdown.

Sein Gegenspieler, Cowboys-Cornerback Trevon Diggs, provozierte ihn während dem Spiel mehrmals und wurde gegen den 25 Jahre alten Receiver sogar handgreiflich. McLaurin antwortete auf seine Weise: Beim nächsten Spielzug ließ er Diggs einfach stehen und fand sich 52 Yards später in der Endzone wieder. 

Die besondere Wirkung von Thanksgiving

Damals hieß sein Spielmacher noch Kyle Allen, seit einigen Wochen liegt das Kommando nun in der Hand von Routinier Alex Smith. McLaurin und sein neuer Quarterback fanden überraschend schnell zueinander, gegen die Giants fing der 25-Jährige direkt Smiths ersten Touchdown-Pass nach dessen langer Verletzungspause.

Ein großes, sogenanntes "Signiture-Game" fehlt McLaurin noch, das traditionsreiche Thanksgiving-Spiel in Dallas wäre allerdings der perfekte Anlass für eine solche Partie: Ein Spiel zweier Rivalen an einem nationalen Feiertag, das gleichzeitig im ganzen Land übertragen wird und ein Wegweiser für die Playoffs sein könnte.

Robert Griffin und Randy Moss sind zwei Spieler, die dieses besondere Spiel zu nutzen wussten und ihren großen Durchbruch feiern konnten. Beide Spiele fanden in Dallas gegen die Cowboys statt, Griffin trug sogar das Trikot von Washington.

 

"Er ist ein Spieler, der Erwartungen sprengen kann", beschrieb ihn Head Coach Ron Rivera zu Beginn der Saison. 

Demnach ist es also keine Frage ob, sondern wann "Scary Terry" McLaurin seinen rasanten Aufstieg in der NFL fortsetzen wird. Die Antwort gibt es vielleicht schon am Thanksgiving-Abend in Dallas. 

Tom Offinger

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