München/Toronto - Man möge sich mal vorstellen: Manuel Neuer verletzt sich im Bundesliga-Spiel des FC Bayern bei Eintracht Frankfurt, wird für Sven Ulreich ausgewechselt.

Daraufhin verletzt sich Ulreich und stattdessen stellt sich Frankfurts Platzwart ins Tor für die Münchner.

Unvorstellbar? Nicht in der NHL.

"Emergency Backup Goalie" kommt zum Einsatz

Beim Spiel der Carolina Hurricanes bei den Toronto Maple Leafs musste Hurricanes-Goalie James Reimer das Eis verlassen.

Für ihn kam nach 6:10 Minuten des ersten Drittels der eigentlich Nummer-1-Keeper Petr Mrazek, der ursprünglich eine Pause erhalten sollte. Als sich Mrazek dann ebenfalls verletzte, stand Carolina vor einem Problem: Sie hatten keinen Goalie mehr.

In der NHL ist es aber so, dass es einen "Emergency Backup Goalie" gibt. Den stellt jedoch immer das Heimteam - in dem Fall die Maple Leafs.

Der Emergency Goalie ist allerdings kein Torwart aus dem Farmteam, der in diesem Fall einspringt, sondern zumeist ein Spieler, der Torwart-Erfahrung hat, zumeist aber einem anderen Beruf nachgeht.

Ayres fährt eigentlich die Zamboni

Bei Hurricanes war dies Dave Ayres. Ayres ist eigentlich Eismeister beim AHL-Klub Toronto Marlies, eben dem Farmteam der Maple Leafs. Ayres ist während der AHL-Spiele auf der Zamboni, der Eismaschine, die das Eis vor dem Spiel und während der Drittelpausen bereitet, zu sehen.

Und: Ayres ist 42 Jahre alt.

Beim Stand von 3:1 bei noch etwas weniger als 29 Minuten zu spielen, kam also Ayres zum Einsatz. Wenige Sekunden später durfte er bereits das erste Mal jubeln, als Teuvo Teravainen im Power Play auf 4:1 stellte.

Im Anschluss aber schlug es hinter ihm ein - bei den ersten beiden Schüssen von John Tavares und Pierre Engvall, die auf sein Tor kamen. Nur noch 3:4.

500 Dollar und Kabinenparty

Im letzten Drittel dann aber der große Auftritt des hauptberuflichen Eismeisters. Er parierte alle acht weiteren Schüsse auf seinen Kasten und führte die Hurricanes zum 6:3-Sieg.

Ayres ist mit 42 Jahren und 194 Tagen der älteste Keeper, der bei seinem NHL-Debüt einen Sieg einfuhr.

"Das war unglaublich. Ich hatte die Zeit meines Lebens da draußen", sagte Ayres. "Im zweiten Drittel war ich ein bisschen neben der Spur, aber in der Kabine habe ich den Jungs gesagt: 'Wenn es im dritten weitergeht, beruhige ich mich wieder und dann gewinnen wir das Spiel'."

Für den Notfall-Einsatz erhielt der Keeper eine Einsatzprämie von 500 Dollar. Auch sein Trikot mit der Nummer 90 der Hurricanes durfte er behalten.

"Einer der Jungs, Erik Haula, kam zu mir und sagte: 'Hab einfach Spaß. Uns ist es egal, ob Du 10 Tore kassierst'", sagte Ayres, "das hat mich dann schon sehr beruhigt."

Das Schönste aber dürfte für ihn die Erinnerung sein, die zahlreichen lobenden Worte von allen Seiten der Eishockey-Welt. Und nicht zu vergessen: die anschließende Feier in der Kabine.

"Ich weiß nicht, wie oft ich schon auf diesem Eis in der Scotiabank Arena stand. Etliche Male. Aber immer ohne Fans. Wenn man die Zuschauer dazu nimmt, ist das etwas ganz Anderes. Aber hey, das ist eine einmalige Chance in meinem Leben. Die nehme ich gerne mit.

Münchens Manager als Backup auf der Bank

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Notfall-Goalie in der NHL zum Einsatz kommt. Auch in der Champions Hockey League war dies diese Saison fast der Fall.

Beim Spiel des EHC Red Bull München bei Färjestad Karlstad reiste der deutsche Vizemeister mit den Keepern Kevin Reich und Daniel Fießinger nach Schweden. In der Nacht wurde Fießinger krank.

Anstelle des Backups nahm der mittlerweile 48 Jahre alte Manager Christian Winkler auf der Bank Platz. Immerhin: Winkler spielte von 1988 bis 2002 in der zweiten Liga Eishockey. Im Tor.

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