Mit Eli Manning und den Giants gewann Kevin Gilbride zweimal den Super Bowl. - Bildquelle: imago sportfotodienstMit Eli Manning und den Giants gewann Kevin Gilbride zweimal den Super Bowl. © imago sportfotodienst

München – Die erste Antwort auf den Anruf von Oliver Luck war ein "Nein". Keine Chance. Das war allerdings auch zu erwarten.

Warum sollte Kevin Gilbride mit 68 Jahren noch einmal ins Geschäft einsteigen? Warum sollte er sein Rentnerdasein eintauschen? 

Und dann auch noch gegen die XFL? Ernsthaft?

Er genoss das gemütliche Leben eines Großvaters, der jede Sekunde mit seinen fünf Enkeln aufsaugt. Bücher lesen, Fischen, Freunde treffen, bei der Familie sein - alles Dinge, die er in seinen 40 Jahren als Football-Trainer oft verpasst oder vernachlässigt hat.

Die offene Rechnung

Doch es gibt sie auch noch, die offene Rechnung. 

Das Ende mit dem bitteren Beigeschmack. So lang und erfolgreich seine Laufbahn als Coach auch war, so unvollendet war sie hinten raus. Unbefriedigend.

1989 stieg er als Trainer in die NFL ein, macht sich als Offensive Coordinator bei diversen Teams wie den Houston Oilers, Jacksonville Jaguars einen Namen. 

Mit den New York Giants gewann er in den Saisons 2007 und 2011 den Super Bowl, als er für die Offensive um Quarterback Eli Manning verantwortlich war. 2012 und 2013 begann der langsame Abstieg der Giants, der Anfang vom Ende für Gilbride.

Am 2. Januar 2014 erklärte er seinen Rücktritt. Kein glanzvoller Rückzug, sondern ein leiser. Und mit einem kleinen Makel: Head Coach war er ganze 22 Spiele lang, 1997/98 bei den San Diego Chargers. "Mist" nannte er die Zeit, in der er ganze sechs Spiele gewann.

Immer wieder hatte er auf eine neue Chance gehofft, vor allem nach den Super-Bowl-Siegen. Das Interesse von Teams war da, geklappt hat es nie.

Auch deshalb bekam XFL-Commissioner Luck dann doch ein "Ja".

Alle Kompetenzen

Denn Gilbride ist wieder zurück, und das als Head Coach und General Manager der New York Guardians. Zurück im Big Apple. Zurück im Met Life Stadium. Ausgestattet mit allen Kompetenzen.

Fast schon zu schnulzig, um wahr zu sein. Aber definitiv eine Steilvorlage für eine Story, in der sich der berühmte Kreis schließen kann.

"Ich denke, es waren viele Dinge", sagte Gilbride über seine Rückkehr. "Ich habe gescherzt, dass meine älteste Enkelin angefangen hat, meine Geschichten zu beenden. Ich wusste, ich musste entweder neue Geschichten schreiben oder ein neues Publikum gewinnen."

Aber klar: "Dies ist die Chance, die Entwicklung der Franchise maßgeblich mitzugestalten."

Es ist ein entscheidender Vorteil, angelehnt an ein berühmtes Zitat von Trainerlegende Bill Pacells: Er ist der Koch, und er darf auch die Lebensmittel für das Essen einkaufen.

"Als Trainer bist du manchmal frustriert über einige der Personalentscheidungen, die das Management trifft. Jetzt ist niemand mehr schuld als ich. Das war sicherlich auch ein Grund", sagte Gilbride. Ein weiterer: Er ist weiterhin in der Nähe der Familie, ist nicht elf Monate im Jahr weg, muss also auf einige Annehmlichkeiten der vergangenen Jahre nicht verzichten.

Nie ganz raus

Wobei: Ganz raus war er sowieso nie. "Fit" hielt er sich mit Experten-Einsätzen für NBC. Als Ex-Trainer hört man sowieso nie auf, die Spiele zu analysieren, auch als Rentner nicht.

Er weiß, dass es "nur" die XFL ist und nicht die NFL: "Aber du hast die Möglichkeit, etwas zu prägen."

Der Start verlief nach Plan: Gegen die favorisierten Tampa Bay Vipers gab es ein 23:3. Und den Ball für den Trainer.

"Coach Gilbride, wir schätzen es, dass sie allen in diesem Raum die Möglichkeit geben, dieses Spiel zu spielen, das wir lieben", sagte Quarterback Matt McGloin: "Willkommen zurück."

Am Samstag (ab 20 Uhr live auf ran.de) spielen die Guardians bei den ebenfalls mit einem Sieg gestarteten DC Defenders. "Es ist immer schön, mit einem Sieg zu starten und von dort aus besser zu werden", kündigte Gilbride an, dass noch Arbeit wartet.

Die Rechnung ist ja noch nicht beglichen.

Andreas Reiners

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