Überschwängliche Jubelposen gehören zum Image von Gerwyn Price und haben ihn... - Bildquelle: imago/Jan HuebnerÜberschwängliche Jubelposen gehören zum Image von Gerwyn Price und haben ihn nicht sehr beliebt gemacht © imago/Jan Huebner

London/München – Früher stand Gerwyn Price in kurzen Hosen auf dem Spielfeld, ging keinem Körperkontakt aus dem Wege und mischte als Hakler im Gedränge mit. Heute steht er mit 2,37 Meter Abstand vor dem Bord und versucht, die Triple-20 zu treffen. Häufig gelingt ihm dies. Und zwar so gut, dass er auf Platz drei der Weltrangliste steht und zu den Favoriten der am Freitag beginnenden Weltmeisterschaft zählt.

Nur wenige Athleten haben einen Wechsel der Sportart so erfolgreich vollzogen wie der 34-Jährige. Einst spielte er für Cross Keys RFC in der Welsh Premier Division – also der höchsten Rugby-Liga für walisische Vereine unterhalb der multinationalen Pro14. Dann schaffte er kurzzeitig sogar den Sprung zu den Glasgow Warriors, die eben genau in dieser Top-Liga mitmischen.

40.000 Pfund Jahresgehalt im Rugby

"Mit dem Rugby verdiente ich etwa 40.000 Pfund pro Jahr und habe deshalb noch in Teilzeit als Industrie-Isolierer auf Baustellen gearbeitet", erzählte er in einem Interview mit der "Welt". Der ganz große Durchbruch blieb ihm verwehrt: "Es hat im Rugby nicht wirklich geklappt. Ich war nur ein paar Wochen an Glasgow ausgeliehen und spielte sonst nur semiprofessionell."

Darts war zunächst nur ein Hobby, wurde aber aufgrund seines Talents schnell zum Beruf. Im Jahre 2014, also im Alter von 29 Jahren, beendete er seine Rugby-Laufbahn und fokussiert sich seitdem auf das Pfeilwerfen. "Ich habe im Darts die bessere Zukunft vor mir als im Rugby", erklärte er damals.

Als Dartspieler bist du alleine

Alleine schon aus finanziellen Gründen hat sich diese These längst bewahrheitet. In den letzten zwei Jahren kassierte der Waliser Preisgelder in Höhe von 689.250 Pfund (ca. 817.000 Euro). Sponsoreneinnahmen oder Antrittsprämien bei Veranstaltungen sind nicht mit einberechnet und dürften ebenfalls in den sechsstelligen Bereich gehen. 

Große Gemeinsamkeiten zwischen Rugby und Darts gibt es laut Price allerdings nicht. "Abgesehen von der Augen-Hand-Koordination gibt es da keine Parallele", sagt er. "Du spielst Rugby in einer Mannschaft. Wenn du verlierst, hast du 14 andere Spieler um dich herum, die dich aufbauen können. Aber als Dartspieler bist du allein. Auf der Bühne und in der Analyse."

Seit dem Duell mit Gary Anderson der "Bad Boy"

Auf der Bühne dürfte sich Price besonders alleine fühlen. Der Grund: Kein anderer Spieler wird von den Zuschauern so angefeindet wie er. Price ist der "Bad Boy" des Darts, seitdem er November 2018 mit Publikumsliebling Gary Anderson auf der Bühne aneinandergeriet.

Was war geschehen? Price hatte mit dem Sieg des Grand Slam of Darts den größten Erfolg seiner Karriere zu verbuchen. In Erinnerung blieb allerdings vielmehr sein umstrittenes Verhalten. Das ganze Turnier über hatte er das Publikum mit provokanten Gesten und überschwänglichem Jubel gegen sich aufgebracht.

Im Finale gegen Anderson setzte er dann noch einen drauf. Mehrmals jubelte er demonstrativ vor seinem Kontrahenten, einmal rempelten sich die beiden Widersacher sogar an. Nach dem Sieg gab es dann noch ein bisschen "Trash-Talk" von Price, indem er behauptete, Anderson würde "immer nur jammern" und "unter dem Druck zusammenbrechen." Seitdem ist er bei vielen Darts-Fans unten durch.

Price gibt sich gleichgültig. "Es ist doch immer dasselbe. Ich werde angesagt, und die Leute pfeifen. Ehrlich gesagt, langweilt es mich", sagt er. "Die Leute können natürlich denken, was sie wollen. Sollen sie mich doch ausbuhen und sagen, ich sei der böse Junge! Aber das bin ich nicht. Ich gehe einfach da oben auf die Bühne und spiele mein Spiel, spiele Darts." Seine Verhaltensweise korrigieren möchte er jedenfalls nicht. "Ich werde mich da niemals ändern. Ich tue das, was ich tun will, und werde weiterhin jubeln."

Karrierende mit 50 Jahren und vielen Häusern

Statt über sein Image nachzudenken, konzentriert sich Price lieber auf seine Ziele. Er will Geld verdienen - und zwar viel Geld. Vier Häuser besitzt er bereits in Wales. Ab dem kommenden Jahr stehen Ferienhäuser auf dem "Einkaufszettel". Seine Rechnung lautet folgenermaßen: "Wenn ich jedes Jahr zwei Häuser kaufe, ist es mir völlig egal, wo ich in 16 Jahren in der Weltrangliste stehe. Dann ist an meinem 50. Geburtstag Game Over."

Als Rugby-Profi wäre erheblich früher Schluss gewesen.

Oliver Jensen

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