So richtig Stimmung wollte bei der Meisterfeier der Bayern nicht aufkommen - Bildquelle: 2022 Getty ImagesSo richtig Stimmung wollte bei der Meisterfeier der Bayern nicht aufkommen © 2022 Getty Images

München - Es beschlich einen ein sonderbares Gefühl, wenn man den FC Bayern nach der zehnten Meisterschaft in Folge bei den Feierlichkeiten auf dem Münchner Rathausbalkon beobachtete. Eher Stehempfang als ausgelassene Party. Mehr lästige Pflichtaufgabe als Spaßveranstaltung.

Man kommt nicht umhin, zu überlegen, was wohl bei einem ähnlichen Anlass am Dortmunder Borsigplatz los gewesen wäre. Zugegeben, der Vergleich hinkt. Es ist durchaus verständlich, wenn sich der einw oder andere Spieler nach unzähligen Titeln nicht mehr über jeden einzelnen wie ein kleines Kind freuen kann. Gleiches gilt wohl auch für die Anhängerschaft. Aber Moment mal!

Ausgerechnet Thomas Müller war gefühlt die einzige Stimmungskanone - trotz seines bereits elften Meistertitels. Die miese Grundstimmung auf dem Rathausbalkon war also wahrscheinlich nicht der geforderten Minimalausbeute der Saison geschuldet. Sondern der Unzufriedenheit vieler Spieler. Trauer-Miene trotz Meisterschale - um das zu erreichen, bedarf es einer gehörigen Portion Missmanagement.

Doch wer trägt die Schuld? Vorstandsboss Oliver Kahn, Sportvorstand Hasan Salihamidzic oder Trainer Julian Nagelsmann?

Hoeneß' versteckte Kritik an der Klub-Führung

Die graue Bayern-Eminenz Uli Hoeneß, seines Zeichens Ehrenpräsident und Aufsichtsratsmitglied, nahm "Ziehkind" Salihamidzic auf den ersten Blick in Schutz. Brazzo sei nicht allein für die Fehlkäufe auf dem Transfermarkt verantwortlich. Die neue Doppelspitze um Kahn und Salihamidzic hätte zudem einen guten Job gemacht.

Doch indirekt holte Hoeneß zur bayerischen Watschn aus. Nagelsmann hatte "viel Arbeit in der Außenpolitik des FC Bayern. Dafür hat er es alles gut gemacht", befand Hoeneß. Trotzdem müsse sich das ändern, "weil es nicht sein kann, dass der Trainer das übernimmt".

Im Klartext: Nagelsmann konnte seinen eigentlichen Trainer-Job nur unzureichend erfüllen, weil er damit beschäftigt war Kahns und Salihamidzics Aufgaben zu übernehmen. Das erklärt am Ende auch, dass es dem 34-Jährigen - womöglich aus Zeitmangel - nicht gelungen ist, die Stimmung im Kader hochzuhalten. Der Preis: Eine lange Liste unzufriedener Bayern-Profis.

Unzufriedene Bayern

Julian Nagelsmann: Zwar ist die erste Deutsche Meisterschaft in seiner jungen Karriere ein Meilenstein, doch der Trainer hat schnell verinnerlicht, dass "nur" ein Titel beinahe schon als Betriebsunfall gesehen wird. Deshalb hofft der 34-Jährige einerseits auf den Verbleib von Robert Lewandowski. Andererseits forderte er die Bayern-Bosse zur Tätigkeit auf dem Transfermarkt auf.

"Du darfst einfach nicht zu viele Transferperioden verschlafen, denn so viele hast du nicht", sagte er kürzlich und heizte damit einen Disput mit Salihamdzic an. Der Sportvorstand findet nämlich, dass die Münchner schon jetzt auf jeder Position top besetzt sind.

Manuel Neuer: Deutschlands Nummer eins hat eigentlich keine Ambitionen den Klub zu verlassen. Mit der vorzeitigen Verlängerung seines Vertrags lässt sich der Keeper aber auffällig viel Zeit. Das liegt nicht nur an den Konditionen. Laut "Bild" zögert Neuer, weil er großen Wert darauf legt, dass die Bayern einen Kader zusammenstellen, der auch in der Champions League konkurrenzfähig sein wird. Das sieht er aktuell wohl (noch) nicht gegeben.

Lucas Hernandez: Auch im vierten Jahr muss sich der Abwehrspieler gefühlt Woche für Woche für sein 80-Millionen-Preisschild rechtfertigen. Dabei hat sich der Franzose spätestens in der abgelaufenen Spielzeit zur festen Größe gemausert. Mit seiner Dynamik und Aggressivität kurbelt er das Spiel der Bayern auf der linken Seite an.

Und trotzdem umgibt ihn nach wie vor die Aura, dass er den Erwartungen nicht vollends gerecht wird. Das nervt den Spieler, der in dieser Saison auch mit Verletzungen und persönlichen Problemen zu kämpfen hatte.

Dayot Upamecano: Die Bürde des Preisschildes spürt auch Upamecano, selbst wenn er mit 42,5 Millionen Euro im Vergleich zu Hernandez verhältnismäßig günstig war. Als neuer Abwehrchef konnte sich der Franzose bislang aber nicht etablieren. Zu häufig streut er Total-Aussetzer ein. Die Lehre des ersten Jahres beim Rekordmeister: In München weht eben doch ein anderer Wind als in Leipzig.

Niklas Süle: Der Innenverteidiger wechselt zum Saisonende ablösefrei zu Borussia Dortmund. Dieser Schritt allein zeugt schon von Unzufriedenheit. Kolportiert wird, dass sich Süle finanziell nicht genug wertgeschätzt fühlte. Auf das letzte Bundesliga-Spiel in Wolfsburg verzichtete der Nationalspieler freiwillig. Laut Hoeneß eine "katastrophale Aktion" - und ein weiteres Zeichen dafür, dass das Kapitel Bayern für Süle längst abgehakt ist.

Benjamin Pavard: Seine Variabilität ist sein Nachteil. Mangels Alternativen musste Pavard meistens auf der rechten Verteidigerposition aushelfen. Dabei fühlt er sich im Abwehrzentrum doch so viel wohler. "Da kann ich mich optimal entfalten", sagte er zuletzt. Nach Süles Abgang könnte er aber tatsächlich häufiger als Innenverteidiger zum Einsatz kommen. Dann würde wohl auch das Stimmungsbarometer wieder nach oben zeigen.

Alphonso Davies: Nach zwei furiosen Jahren musste der Linksverteidiger in dieser Saison erste Rückschläge verkraften. Auf dem Platz lief es nicht mehr ganz so rund wie in den Spielzeiten zuvor. Und dann wurde der 21-Jährige auch noch von einer Covid-Infektion und daraus resultierenden Herzproblemen wochenlang außer Gefecht gesetzt. Seit seiner Rückkehr hat er sich zwar seinen Stammplatz zurückerobert, an das alte Leistungsniveau konnte er bis dato aber noch nicht anknüpfen.

Corentin Tolisso: Der Franzose kam 2017 für 41,5 Millionen Euro als Versprechen, das niemals so richtig eingelöst werden konnte. Viele Verletzungen stoppten Tolisso in den vergangenen Jahren, der Durchbruch beim Rekordmeister blieb ihm damit verwehrt. Die Zeichen stehen deshalb auf Abschied. Tolissos auslaufender Vertrag wurde nicht verlängert.

Joshua Kimmich: Erst das Gezeter um seinen Impfstatus, dann die Covid-Infektion inklusive Nachwehen - Kimmichs Saison beim FC Bayern verlief alles andere als wunschgemäß. Und auch auf dem Platz offenbarte der 26-Jährige Schwächen. Im defensiven Mittelfeld, seiner bevorzugten Position, überzeugte er nicht in gleichem Maße wie einst auf der Außenverteidigerposition.

Vor allem aber beklagte Kimmich am Rande der Meisterfeier den fehlenden Biss innerhalb der Mannschaft. "Wir müssen schon verstehen, dass es nicht reicht, wenn wir nicht 100 Prozent geben. Es ist dann einfach nicht genug, wenn wir nicht an jedem Tag an unsere Grenzen gehen." Ein Statement wie ein Vorwurf an die Teamkollegen, der noch nachhallen dürfte.

Leon Goretzka: Zustimmung erhält Kimmich von Leon Goretzka, der offenbar ebenfalls Einstellungsprobleme bei den Bayern bemerkt haben will. "Am Ende des Tages ist Mentalität ein ganz wichtiger Faktor in der Qualitätsanalyse. Da werden wir an verschiedenen Schrauben drehen müssen", legte er den Finger in die Wunde. "Man kann es sich nicht einfach machen und sagen, es ist Mentalität. Aber um ehrlich zu sein, glaube ich, werden wir dann mit der Analyse nicht weiterkommen."

Auch persönlich verlief die Saison für Goretzka enttäuschend. Eine Knieverletzung hatte ihn monatelang außer Gefecht gesetzt.

Marcel Sabitzer: Er gilt schon nach der ersten Saison als Fehleinkauf. Auf Wunsch von Trainer Nagelsmann kam Sabitzer aus Leipzig zu den Bayern. Wenn er nicht verletzt war, fand er sich aber meist in der Rolle des Bankdrückers wieder. Ganze acht Mal stand er in der Startelf - für Sabitzer selbst wenig zufriedenstellend.

Sollten die Bayern tatsächlich auch noch Konrad Laimer von RB Leipzig verpflichten, dürften die Uhr für Sabitzer in München schon wieder ablaufen.

Leroy Sane: In der Hinrunde war es ein Augenschmaus ihm zuzusehen. Die Fans bejubelten den geplatzten Knoten. Sane wirbelte auf der linken Seite, bereitete vor, traf und wurde zum neuen Publikumsliebling. Doch mit dem Start der Rückrunde war die Form plötzlich weg. Der Dribbelkünstler fiel in alte Muster zurück.

Mit blassen Lustlos-Auftritten verlor er seinen Stammplatz. Mit der ausbleibenden Leistung rauschte auch die Laune in den Keller, wie man jüngst bei der Meisterfeier auf dem Rathausbalkon deutlich erkennen konnte. Die Verantwortlichen - ratlos. Kein Gutes Zeichen. Denn um Abhilfe zu schaffen, muss man das Problem erst identifizieren.

Serge Gnabry: Seit Februar sind die Gespräche über eine Vertragsverlängerung ins Stocken geraten. Es gebe "Meinungsverschiedenheiten", konstatierte Präsident Herbert Hainer am Sonntag im "Doppelpass". Die Bayern wollen Gnabry halten, allerdings nicht um jeden Preis. Und die Verhandlungsposition des Nationalspielers ist mit Blick auf seine Leistungen in der Rückrunde nicht die allerbeste. Gut möglich, dass Klub und Spieler zu keiner Einigung kommen.

Robert Lewandowski: Beim Polen herrscht die dickste Luft. Während Salihamidzic behauptet, Lewandowksi hätte ein Angebot der Bayern zur Vertragsverlängerung abgelehnt, will der Stürmer noch überhaupt keine Offerte bekommen haben. Wer hier die Wahrheit sagt, bleibt abzuwarten.

Fest steht: Harmonie sieht anders aus. Und weiterer Zoff ist vorprogrammiert: Während der 33-Jährige im TV unumwunden zugab, der Ligaabschluss in Wolfsburg könnte sein letztes Spiel für Bayern gewesen sein, sprach Vorstandsboss Kahn ein Machtwort. Demnach müsse Lewandowski seinen bis 2023 laufenden Vertrag erfüllen. Ob er will oder nicht. Eine gute Basis für eine fruchtbare Zusammenarbeit sieht wohl anders aus.

14 unzufriedene Akteure, da wundert es kaum, dass die Feier auf dem Münchner Marienplatz nicht zur rauschenden Party wurde. 

Carolin Blüchel

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Nächste Bundesliga-Spiele: Wer ist Favorit?

Relegation 2023: Wann findet die Relegation statt - wo wird sie übertragen?

Den Abschluss im Profi-Fußball macht die Relegation. 1., 2. und 3. Liga kämpfen um die letzten Plätze. Die Bundesliga-Relegation findet am Ende der Saison statt. Alle vier Relegationsspiele werden live im Free-TV bei SAT.1 gezeigt und im kostenlosen Livestream auf ran.de.


Wer überträgt die Bundesliga live?

Die Bundesliga-Rechte sind aufgeteilt. Im Free-TV werden die Spiele in SAT.1 übertragen - dort laufen dann insgesamt neun Spiele im Free-TV. Die Samstagsspiele gibt es beim Pay-TV-Sender Sky. Der Streamingdienst DAZN überträgt alle Freitags- und Sonntagsspiele.


Wo ist die Bundesliga 2022/2023 live zu sehen?

Zur Saison 2021/22 wurden die Rechte neu vergeben. SAT.1 hat sich die Free-TV-Rechte für neun Livespiele gesichert und zeigt unter anderem die Relegationsspiele. Die Bundesligakonferenz, sowie die Einzelspiele am Samstag werden weiterhin bei "Sky" zu sehen sein. "DAZN" überträgt dagegen alle Freitags- und Sonntagsspiele der Bundesliga. Montagsspiele wird es ab der Saison nur im Notfall geben.


Wo sehe ich welche Spiele der Bundesliga live im TV, Livestream, Free TV, und Web?

Der Bezahl-TV-Sender Sky und der Internet Streamingdienst DAZN teilen sich die Übertragunsrechte an der Live Übertragung der Bundesliga 2021/2021. Sky darf ab dieser Saison aber nur noch die Samstags Spiele live übertragen. Zudem überträgt SAT.1 insgesamt neun Spiele mit Free-TV - inklusive der Relegationsspiele um die Bundesliga und der 2. Liga.
Freitag: DAZN überträgt alle Spiele. Anpfiff der Spiele ist um 20:30 Uhr. Die Übertragungen mit Vorberichten, beginnt um 19:30 Uhr
Samstag: Sky überträgt alle Bundesliga-Begegnungen um 15:30 Uhr einzeln und in der Bundesliga Konferenz. Dazu das Topspiel um 18:30 Uhr. Bundesliga im Free-TV: Die Zusammenfassungen der 15:30 Uhr Spiele gibt es in der ARD ab 18:30 Uhr zu sehen. Das ZDF zeigt ab 23 Uhr ebenfalls Zusammenfassungen.
Sonntag: DAZN überträgt alle Partien um 15:30 Uhr und 17:30 Uhr, sowie zehn Spiele um 19:30 Uhr. Bundesliga Free-TV: Die Höhepunkte am Abend werden von der ARD ausgestrahlt. Der TV Sender Sport1 hat die Rechte, Zusammenfassungen der Freitags- und Samstagsbegegnungen auszustrahlen.
Dienstag und Mittwoch: Alle Partien der Bundesliga dienstags, mittwochs in sog. Englischen Wochen überträgt der Pay TV Sender Sky.


Die nächsten Spiele & Termine

Bundesliga

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DFL Supercup 2022 live auf SAT.1 und ran.de
Am 30. Juli wartet das erste Highlight nach der Sommerpause auf die Fußballfans! Der Deutsche Meister Bayern München trifft im DFL-Supercup 2022 auf den DFB-Pokalsieger RB Leipzig. Das Finale steigt in der Leipziger Red Bull Arena, der Anpfiff erfolgt um 20:30 Uhr. Das Spiel wird live im Free TV bei SAT.1 übertragen. Mehr INFOS...

Auch in der Saison 2022/23 zeigt ran insgesamt neun Partien der Bundesliga und 2. Bundesliga live in SAT.1 und im Livestream. Alle Tore, Ergebnisse und Tabellen gibt es auf ran.de in Echtzeit. Neben der Konferenz aller Spiele sind auch ausgewählte Einzelspiele im ran.de Liveticker abrufbar.

Tabelle

#MannschaftMannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
11. FC Köln1. FC KölnKölnKOE00000:000
11. FC Union Berlin1. FC Union BerlinUnion BerlinFCU00000:000
11. FSV Mainz 051. FSV Mainz 05Mainz 05M0500000:000
11899 Hoffenheim1899 HoffenheimHoffenheimTSG00000:000
1Bayer LeverkusenBayer LeverkusenLeverkusenB0400000:000
1Bayern MünchenBayern MünchenBayernFCB00000:000
1Bor. MönchengladbachBor. MönchengladbachM'gladbachBMG00000:000
1Borussia DortmundBorussia DortmundDortmundBVB00000:000
1Eintracht FrankfurtEintracht FrankfurtFrankfurtSGE00000:000
1FC AugsburgFC AugsburgAugsburgFCA00000:000
1FC Schalke 04FC Schalke 04SchalkeS0400000:000
1Hertha BSCHertha BSCHertha BSCBSC00000:000
1RB LeipzigRB LeipzigRB LeipzigRBL00000:000
1SC FreiburgSC FreiburgFreiburgSCF00000:000
1VfB StuttgartVfB StuttgartStuttgartVFB00000:000
1VfL BochumVfL BochumBochumBOC00000:000
1VfL WolfsburgVfL WolfsburgWolfsburgWOB00000:000
1Werder BremenWerder BremenWerderSVW00000:000
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