Frenkie de Jong (l.), Matthijs de Ligt (M.) und Donny van de Beek (r.) stehe... - Bildquelle: imagoFrenkie de Jong (l.), Matthijs de Ligt (M.) und Donny van de Beek (r.) stehen sinnbildlich für die gute Arbeit der Ajax-Talentschmiede "De Toekomst". © imago

München/Amsterdam - Ob Matthijs de Ligt, Donny van de Beek oder Frenkie de Jong: Die jungen Talente von Ajax Amsterdam begeistern die internationale Fußball-Welt. Jüngster Beweis dafür ist der Einzug ins Champions-League-Halbfinale, der die junge Wilden von Trainer Erik ten Hag immerhin über die Mitfavoriten Real Madrid und Juventus Turin führte.

Was die Fans auf dem Planeten besonders mitreißt, ist die Unbekümmertheit, die dieses Team an den Tag legt. Der junge Wind, den ein Matthijs de Ligt mit seinen 19 Jahren oder der 21-jährige Donny van de Beek in die europäische Königsklasse einbringen, fasziniert nicht nur, er stellt auch eine willkommene Alternative zu den Ronaldos und Messis dieser Welt dar.

13 Spieler aus der eigenen Jugend im Profi-Kader

Das Erfolgsrezept von Ajax Amsterdam ist dabei kein Geheimnis: Der Einzug ins Halbfinale der Champions League liegt im Jugend-Konzept des niederländischen Hauptstadtklubs begründet. Die Nachwuchsarbeit macht sich bezahlt.

Sechs Spieler aus der eigenen Jugend standen beim 2:1 im Rückspiel gegen Juventus in der Startelf. Durchschnittsalter der gesamten Startaufstellung: 24,5 Jahre. Insgesamt befinden sich aktuell 13 Akteure aus dem eigenen Nachwuchs im Profi-Kader.

"De Toekomst" - eine legendäre Talentschmiede

Dem Sprung in die erste Mannschaft geht aber ein langer Weg voraus. Ein Weg, der auch bei diesen 13 Spielern der ersten Mannschaft durch eine legendäre Talentschmiede führte. Eine Talentschmiede, die nicht nur zukünftige Stars wie de Jong und de Ligt auf die internationale Bühne beförderte, sondern auch das Sprungbrett für die Karrieren von Weltstars wie Clarence Seedorf, Wesley Sneijder, Christian Eriksen oder Zlatan Ibrahimovic war.

Die berühmte Jugendakademie von Ajax trägt den Namen "De Toekomst" (deutsch: die Zukunft). Ein Titel, der, wie der aktuelle Kader zeigt, wohl kaum besser hätte gewählt werden können. Und um ebendiese Zukunft des Vereins voranzutreiben, setzt die Akademie auf ein ganz besonderes Konzept.

Konzept geprägt von Johan Cruyff

Dieses Konzept fängt bereits beim Scouting an. Hier wird nach einem klaren Grundsatz gearbeitet, dem T.I.P.S.-Modell. Dabei wird besonders auf vier Bereiche Wert gelegt: Technik, Intelligenz, Persönlichkeit und Speed. Diese Aspekte wurden durch Vereinslegende Johan Cruyff geprägt, der grundsätzlich Vertreter der These war, dass besonders die Spielintelligenz und die Technik einen guten Fußballer ausmachen.

Diese Scouting-Aspekte treffen voll und ganz den Geschmack des modernen Fußballs - und sind deshalb auch zentraler Bestandteil der Trainingskonzepte in den Jugendteams.

Bei der Kaderzusammenstellung wird auf Einheitlichkeit und Kontinuität gesetzt. So sollen die Mannschaften ab der U10 möglichst aus zwei Torhütern, vier Spielern für die rechte defensive und offensive Bahn, vier Spielern für die linke defensive und offensive Bahn, drei Innenverteidigern und drei Spielern für das zentrale Mittelfeld und die Sturmspitze bestehen.

Wunschsystem 4-3-3

Das nächste Besondere in dieser Zusammenstellung: Mit wenigen Ausnahmen spielen alle Jugendteams von Ajax Amsterdam ein 4-3-3-System. Auch hier zahlt sich die Kontinuität aus, muss sich doch kein Spieler in einer neuen Spielklasse auf ein neues System einstellen. Und auch bei den Profis ist das System mit vier Abwehrspielern, drei Mittelfeldakteuren und drei Offensiven unter Coach ten Hag etabliert. Der Sprung aus der Jugend in die erste Reihe fällt also leichter.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Top-Klubs ist die Ajax-Akademie aber kein Internat. Stattdessen werden Spieler von außerhalb in Gastfamilien untergebracht, um sie in einem familiären Umfeld zu halten.

Das fußballerische Umfeld wird dafür umso professioneller gelebt. Insgesamt acht Fußballplätze, vier Naturrasen- und vier Kunstrasenfelder, befinden sich auf dem "De-Toekomst"-Gelände. Neben den Plätzen steht ein zweistöckiges Gebäude mit Umkleiden, Fitnessräumen und Büros. Das ganze Gelände liegt im Schatten der Amsterdam-Arena - damit die jungen Talente ihr Ziel stets vor Augen haben.

Zentral: Identifikation mit dem Verein

Damit die Talente sich schnell mit dem Klub identifizieren können, ist auch die Ausstattung, etwa die Trainingsklamotten, von den Jüngsten bis zur höchsten Altersstufe gleich. Auch stehen bei der Trainerwahl Vereinsmitglieder und ehemalige Spieler im Vordergrund. Die U19 beispielsweise wird von Ex-Profi Johnny Heitinga trainiert.

All dies sind Bestandteile einer Erfolgsformel, die jahrelang für gute Ergebnisse im internationalen Fußball stand. In jüngster Vergangenheit  schien diese Formel jedoch an Durchschlagskraft verloren zu haben. Vor diesem Jahr lag das letzte K.o.-Spiel von Ajax in der Champions League mehr als ein Jahrzehnt zurück - in der Saison 2005/2006 war das Achtelfinale gegen Inter Mailand Endstation.

Ajax reagierte, änderte das Konzept leicht ab. Statt auf Kontinuität auf der Bank zu setzen, wurden fortan vermehrt die Jugendtrainer durchgetauscht. Der Fokus wurde deutlicher auf die Entwicklung der Spieler als auf Ergebnisse und Daten gelegt. "Ich schaue nie auf Ergebnisse, Tore oder Sprintzeiten. Ich schaue eher, wie sich Spieler bewegen, auf deren Kreativität und ihren Willen zu gewinnen", sagte Ajax-Akademiedirektor Wim Jonk vor zwei Jahren über die veränderte Strategie des Vereins.

Jugendarbeit trägt Früchte

Und diese trug in der Zwischenzeit Früchte. Dank eines jungen, mutigen Kaders aus Eigengewächsen und jungen Talenten aus aller Welt spielten die Niederländer sich bereits 2017 ins Finale der Europa League. Bei der 0:2-Niederlage gegen Manchester United kamen bereits Jungstars wie Frenkie de Jong, Matthijs de Ligt und Donny van de Beek zum Einsatz.

Das Konzept, mit dem schon 2017 erfolgreich gespielt wurde, wird bis heute fortgeführt. Und Ajax erntet mehr denn je die Früchte des Erfolges. Die gesamte Fußballwelt scheint verzückt vom erfrischenden, mutigen Spielstil der Truppe von ten Hag.

Mit dem Champions-League-Halbfinale ist bereits ein verdienter Lohn eingestrichen. Der Verein lechzt aber offensichtlich nach mehr. Oft wird von einer Goldenen Generation in Amsterdam gesprochen. Eine Generation, die auch die Nationalmannschaft des Landes nach den Enttäuschungen der vergangenen Jahre wieder in die internationale Spitze führen soll.

Was bringt die Zukunft?

Stellt sich die große Frage: Was passiert nach der Saison? Mit Frenkie de Jong hat bereits ein Talent einen großen Deal beim FC Barcelona unterschrieben. Der Abgang von Matthijs de Ligt scheint ebenfalls beschlossene Sache. Auch Donny van de Beek wird mit einigen Top-Vereinen in Verbindung gebracht. Zusätzlich werden einige andere Stars wie Hakim Ziyech oder David Neres wohl den Verein verlassen.

Die Hoffnung für Ajax: Die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern - und wird langsam an die Verhältnisse im Profifußball herangeführt. Mit Jurgen Ekkelenkamp und Noa Lang haben schon zwei weitere 19-Jährige Luft in der Eredivisie schnuppern dürfen. Und auch der erst 16-jährige Ryan Gravenberch wurde von ten Hag bereits in einer Ligapartie eingesetzt.

Weitere mit enormem viel Potenzial ausgestattete Eigengewächse wie Kasper Dolberg, Carel Eiting oder Daley Sinkgraven stehen bisher nur in der zweiten Reihe, könnten sich aber durch die anstehenden Abgänge in den Vordergrund spielen. Und wer weiß, welche Talente "De Toekomst" für die Zukunft noch bereithält.

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