Thomas Müller bejubelt sein entscheidendes Tor. - Bildquelle: imago images/Horstm¸llerThomas Müller bejubelt sein entscheidendes Tor. © imago images/Horstm¸ller

Bochum/München – Thomas Müller riss den Mund weit auf, schrie die ganze Anspannung heraus. Den Ärger. Die Freude. Alles auf einmal. Die lästige Last.

Der Jubel sprach Bände. Nein, die ganze Szene. Denn es war ausgerechnet der "Notnagel", der den FC Bayern München beim VfL Bochum mit seinem Tor zum 2:1 in der 90. Minute vor einer Blamage im DFB-Pokal bewahrte. 

Ja, es war der dritte Sieg der Bayern in Folge, doch die grundsätzlichen Probleme kann er nicht mehr übertünchen.

Das weiß auch Müller. Näher vertiefen will er es aber nicht. Er weiß, wozu das führt. Zu nichts. Siege reichen angesichts der Anspruchshaltung des Rekordmeisters alleine nicht aus, es kommt auf das Gesamtbild an. Und das stimmt seit Wochen nicht. In Bochum die meiste Zeit überhaupt nicht.

Thomas Müller: "Wir werden das Tief überstehen"

"Wir haben schon viele Worte darüber verloren in den letzten Wochen, es bringt nichts, immer nur darüber zu sprechen und das breit zu treten. Wir müssen die Phase so nehmen, wie sie ist und sie erfolgreich bestreiten und nicht versuchen, uns auseinander zu dividieren", sagte Müller. "Wir werden das Tief überstehen, es geht nach vorne. Wir haben die letzten drei Spiele gewonnen, auch wenn man über die Art und Weise sicherlich diskutieren kann."

Das tat der in der Kritik stehende Trainer, und das recht offen. "Wir haben 60 Minuten lang nicht das gespielt, was wir uns vorgestellt haben. Es ist genau das eingetroffen, was ich der Mannschaft gesagt habe", sagte Niko Kovac. 

Dass da ein Gegner wartet, der nichts zu verlieren hat und alles in die Waagschale legen, das Publikum hinter sich ziehen wird. Die Reaktion der Bayern auf die Ansage des Trainers? Ratlosigkeit. Lethargie.

Niko Kovac rätselt über die Fehlpässe

Die Bayern waren von der Rolle, lieferten ein Fehlpass-Festival ab. "Die Fehlpässe sind mir ein Rätsel, das hat mir der Einstellung zu tun. Wir müssen sauberer Fußball spielen, das hat nichts mit Taktik zu tun, das darf nicht passieren. So kommst du in keinen Spielfluss, kannst nicht dominant auftreten", so Kovac.

Das lag aber auch an Kovacs personellen Maßnahmen. Er ließ Robert Lewandowksi, Philippe Coutinho und Müller draußen und stellte Serge Gnabry ins Sturmzentrum. Leon Goretzka feierte gegen den Ex-Klub sein Comeback, Alphonso Davies spielte Linksverteidiger. Der Plan, es mit dem zweiten Anzug schaffen zu wollen, ging in die Hose ging. In der Pause reagierte Kovac und brachte Lewandowski für den schwachen Ivan Perisic. Gnabry ging dafür auf den linken Flügel. 

Was Kovac aber noch mehr Sorgen bereiten muss, ist die Tatsache, das die Spieler, die von Beginn an eine Chance bekamen, eine ganz schwache erste Halbzeit ablieferten. Kein Einsatz, kein Tempo, keine Leidenschaft. Planlos. Ideenlos. Lustlos. Ein Offenbarungseid. Eine 80-minütige Demonstration, wie man ein Zeichen gegen den Trainer setzt. Denn ein Aufbäumen, ein Ruck war lange nicht zu erkennen. 

 

Erst als Bochum schwächelt, schlägt Bayern zu

Bei allem Respekt gegen einen Gegner, der in der 2. Bundesliga gegen den Abstieg spielt, dessen begrenzte Mittel und eine gehörige Portion Leidenschaft aber reichten, den prominenten Gegner in Schach zu halten.

Als die Kräfte schwanden und die Bayern sich auf ein wenig mehr Kampf und ihre spielerischen Qualitäten besannen, ging es dann doch.

Nun könnte man anmerken: Ein gutes Pferd springt immer nur so hoch, wie es muss. Darum geht es in München aber schon lange nicht mehr, denn so ein Auftritt ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die immer zahlreicher werden. Leistungen wie in Bochum sorgen nicht dafür, dass sich das so schnell ändert.

Goretzka legt den Finger in die Wunde

Leon Goretzka brachte es auf den Punkt. Und ließ mit seinen Worten tief blicken. "Wir brauchen Leichtigkeit und den Spaß am Spiel. Ich habe auch versucht, dass in der Kabine anzusprechen, dass man da rausgeht und Spaß hat. Ist aber nicht dagewesen", meinte er.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic versuchte einen anderen Ansatz: Ironie. "Das war ein Top-Abend. Top. Wir haben die Mannschaft hergespielt. Das war... Gut. Ohne Ironie geht es heute nicht", sagte er. 

Viel passieren wird aber nicht. "Das kann man nicht analysieren. Werden wir auch nicht. Abhaken", so Salihamidzic.

Augen zu und ab durch die Krise.

Andreas Reiners

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