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München - Dass es einen großen Umbruch im Sommer beim FC Chelsea geben wird, war allen Beteiligten des Klubs von Anfang an klar. Dass es nach der Übernahme Todd Boehlys jedoch so viele personelle Entscheidungen und Umstrukturierungen gibt, wie es momentan der Fall ist, darauf haben sich die meisten Fans der "Blues" sicher nicht eingestellt.

Denn im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, als die Sommerpause in London mehr oder weniger ausschließlich von Transfers und Personalien bezüglich des Teams geprägt waren, fallen zurzeit auch viele Entscheidungen in der Führungsetage des englischen Top-Klubs.

Chelseas Wochen der Wahrheit

Bei Chelsea stehen momentan also die Wochen der Wahrheit an - und das vor allem für einen Mann: Todd Boehly. Der US-Amerikaner hat den Verein von Roman Abramowitsch übernommen, der den Top-Klub aufgebaut hatte und nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine von seinen Aufgaben entbunden wurde. In der Folge blieb lediglich der nicht gewinnbringende Verkauf des Klubs als Option. Doch der russische Oligarch ist nicht der Einzige, der die "Blues" verlassen hat.

Neben Abramowitsch haben jüngst zwei weitere Personen ihre Ämter niedergelegt, die den Verein über mehrere Jahre geführt und geprägt haben. Vorstandschef Bruce Buck und Sportdirektorin Marina Granovskaia haben ihre Posten abgegeben und damit endgültig den Umbruch nach der Abramowitsch-Ära eingeleitet. Granovskaia galt als rechte Hand Abramowitschs und leitete zu großen Teilen die Geschicke der Londoner auf dem Transfermarkt.

Boehly wird Chelseas Interims-Sportdirektor

Von nun an muss sich Boehly als Besitzer erst einmal selbst um diese Angelegenheiten kümmern, da er nun als Interims-Sportdirektor einspringt. Auf einen weiteren Helfer Granovskaias kann er ebenfalls nicht mehr zurückgreifen. Vereins-Legende Petr Cech hat seinen Posten als Technischer Berater geräumt.

In einer Klubmitteilung wurde der Ex-Chelsea-Keeper zitiert: "Da der Klub jetzt neue Besitzer hat, ist für mich der richtige Zeitpunkt, um meinen Platz freizumachen." Boehly, der Verständnis für die Entscheidung des Tschechen zeigt, muss jetzt allerdings liefern. Denn vor allem seitens der Fans, wird nun Druck aufgebaut. Für viele sind die Abgänge Cechs und Granovskaias der Anfang vom Zusammenbruch des Klubs.

Ex-Liverpool-Sportdirektor zu Chelsea?

Doch der Umbruch war abzusehen. Und laut einem Bericht der "Daily Mail" hat Boehly bereits große Pläne für den Posten des Sportdirektors bei den "Blues". Demnach soll die Stelle mit Michael Edwards besetzt werden. Edwards war jahrelang Sportdirektor beim FC Liverpool. Zum Ende der abgelaufenen Saison erklärte das Transfermarkt-Ass, das unter anderem Mohammed Salah, Virgil van Dijk und Alisson Becker zu den "Reds" lotste, dass es Zeit für eine neue Aufgabe sei.

Doch auch ohne einen Edwards oder Granovskaia sind die Transfergespräche beim FC Chelsea bereits voll im Gange. Schließlich befindet sich der Klub nicht nur in der Führungsetage mitten in einem Umbruch, sondern auch im Team. Und das mit Recht - denn beim Champions-League-Sieger von 2021 bestehen mehrere Baustellen.

Chelseas Lücke im Defensivzentrum

Das größte Problem stellt die derzeitige Situation in der Innenverteidigung dar, denn Chelsea hat in Antonio Rüdiger und Andreas Christensen gleich zwei zentrale Männer verloren. Zu allem Übel gingen beide Verteidiger auch noch ablösefrei. Rüdiger unterschrieb bei Real Madrid - Christensens Zukunft ist offiziell noch offen, der Däne soll aber mit dem FC Barcelona einig sein.

Nun stehen dem Team von Trainer Thomas Tuchel in der Abwehrzentrale lediglich Trevoh Chalobah, Malang Sarr, Thiago Silva und Cesar Azpilicueta sowie Leih-Rückkehrer Ethan Ampadu zur Verfügung. Weil Sarr nicht wirklich auf der Insel angekommen zu sein scheint und Silva und Azpilicueta auch nicht mehr die Jüngsten sind, besteht dringender Nachholbedarf.

Ein Kandidat dafür scheint Jules Kounde vom FC Sevilla zu sein. Der Franzose soll jedoch mit einem ordentlichen Preisschild ausgestattet worden sein - von 60 Millionen Euro ist die Rede. Zudem soll auch der FC Barcelona um seine Dienste buhlen.

Es wird also interessant zu sehen sein, ob Boehly direkt am Anfang tief in die Tasche greift, um diese Lücke zu füllen. Neben Kounde ist auch Mathijs de Ligt von Juventus Turin beim London-Klub im Gespräch. Medienberichten zufolge soll es sich sogar um einen Tausch-Deal handeln, bei dem auch der deutsche Angreifer Timo Werner involviert ist.

Sterling und Dembele im Anflug?

Offensiv gedenkt der neue Klub-Besitzer ohnehin schon an anderweitige Investments. So soll der FC Chelsea stark an einer Verpflichtung von Raheem Sterling interessiert sein. Neben dem englischen Flügelflitzer von Manchester City stehen wohl auch der Brasilianer Raphinha von Leeds United und sogar Ousmane Dembele vom FC Barcelona auf der Liste der "Blues".

Kein Wunder, schließlich soll Medienberichten zufolge neben Werner auch der Ex-Dortmunder Christian Pulisic auf dem Sprung sein. Damit würde Chelsea zwei Flügelspieler - oder zumindest Spieler, die auf den Außen gespielt haben - abgeben. Mit Sterling, Raphinha und Dembele sind jedoch drei klassische Flügelstürmer im Gespräch. Kommt es also zur Taktik-Änderung bei Thomas Tuchel und dem Team?

Lukaku-Desaster vorerst beendet

Auch wenn die Londoner in der Vergangenheit oft im 3-4-3- oder 4-3-3-System aufliefen, gab es keine klassischen, auf der Außenbahn wirbelnden Flügelstürmer. Durch die Überlagerung der Außenverteidiger Marcos Alonso und Reece James, die jeden Weg nach vorne mitgehen, war ohnehin kein Platz auf den Außen. Bei Chelsea tummelte sich stets viel im Zentrum um Kai Havertz, Mason Mount, Werner und Romelu Lukaku.

Letztgenannter kehrt nun zu Inter Mailand zurück - per Leihe. Für Chelsea ist das Transfer-Desaster um den Belgier damit vorerst überwunden. Schließlich waren die "Blues" die großen Verlierer des Lukaku-Deals.

Im vergangenen Sommer wechselte der Angreifer aus Mailand für 113 Millionen Euro zurück zu seinem ehemaligen Klub FC Chelsea, entpuppte sich jedoch als kompletter Flop. Nun fließt eine Leihgebühr in Höhe von kolportierten acht Millionen Euro und Chelsea steht vor dem nächsten altbekannten Problem.

Boehly bei Chelsea unter Druck

Denn eigentlich sollte Lukaku die Frage, wer bei den Engländern auf der Neun spielt, langfristig beantworten. Nun stehen Boehly, Tuchel und Co. erneut vor der Aufgabe, die Stürmer-Position adäquat zu besetzen. Denn auch wenn in der abgelaufenen Saison regelmäßig Havertz diese Position bekleidete, ein klassischer Neuner ist der deutsche Offensivspieler nicht. Genauso wenig übrigens wie es ein Sterling, Raphinha oder Dembele sind.

Sollte Werner - wie von den Medien spekuliert - tatsächlich den Weg zu Juventus Turin antreten, geht Chelsea eine weitere Option für diese Position flöten. Boehly ist also unter Druck und muss liefern.

Einerseits als neuer Klub-Besitzer, der die erfolgreiche Abramowitsch-Ära fortführen und die offenen Lücken in der Führungsriege besetzen muss. Und andererseits als Sportdirektor, der aktuell einige Baustellen in der Innenverteidigung, auf den Außenbahnen und im Sturmzentrum zu beseitigen hat. Bleibt nur die Frage, ob Boehly bei diesem Umbruch den Zusammenbruch des Vereins vermeiden kann.

Max Bruns

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