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München/Frankfurt - Die Augen waren klein und die Gesichter zeugten von wenig Schlaf, als die Europapokal-Helden am Tag nach dem Finaleinzug zum Auslaufen erschienen. Bei Sonnenschein und in Erinnerung an eine für Eintracht Frankfurt historische Nacht aber halb so wild - schließlich hielt das Hochgefühl der jüngsten magischen Nacht noch an.

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Gegen 4 Uhr morgens hatte Trainer Oliver Glasner laut Bild das Hotel Roomers verlassen, in dem die Eintracht das Ticket nach "Sevilljaaaaa" begoss. Um 12 Uhr bat der Österreicher zum Waldlauf, schließlich ist am Sonntag Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach und Ex-Coach Adi Hütter. "Ich denke, die Spieler haben ein bisschen was auszuschwitzen", hatte er dem Boulevardblatt noch gesagt.

Wie im Rausch

Die Fans, ja die ganze Mainmetropole war und ist wie im Rausch gefangen und will auf dieser Euphoriewelle mindestens so lange surfen, bis der erste internationale Titel seit 1980 wahr und damit auch die erstmalige Qualifikation für die Champions League tatsächlich Realität wird. 

Es sei "eine Atmosphäre in der Stadt, die dich mitreißt, die die Spieler dazu bringt, auf dem obersten Level zu performen", sagte Glasner. Die Königsklasse wäre ein weiterer "Meilenstein", wie Sportvorstand Markus Krösche formulierte. Ein wenig trübte die Verletzung von Abwehrchef Martin Hinteregger die Freude, dessen Saison wegen einer größeren Oberschenkelblessur vorzeitig beendet ist.

Bei all dem Überschwang denkt die Eintracht-Chefetage aber gewiss schon weiter. Was lässt sich sportlich aus diesem grandiosen Erfolg herausziehen? Wie kann Frankfurt strukturell weiter wachsen? Und ist nicht genug Potenzial vorhanden, um sich im ersten Drittel der Bundesliga festzusetzen?

Eintracht Frankfurt hat an Strahlkraft gewonnen

Erinnert sei an den Beginn der 1990er Jahre, als die Frankfurter als Meisterschaftsanwärter galten, Spieler wie Uwe Bein, Maurizio Gaudino, Andi Möller, Jay Jay Okocha oder die Torjäger Jörn Andersen und Anthony Yeboah für einen Fußball modernster Offensivprägung standen. Auch in den 1970er (Bernd Hölzenbein, Jürgen Grabowski) und 1980er Jahren (Uli Stein, Charly Körbel, Lajos Detari) gab es Beispiele, an denen sich die aktuelle Generation rein sportlich orientieren könnte, obwohl sie sich bereits selbst ihren Platz in den Adler-Annalen gesichert hat.

Welcher Sprung wirtschaftlich gelingen kann, ist auch vom Ausgang des Endspiels am 18. Mai im Estadio Ramon Sanchez Pizjuan abhängig. Klar ist, allein durch die aktuelle Erfolgsgeschichte hat Frankfurt an Strahlkraft gewonnen, die Symbiose zwischen Mannschaft, Fans und Verein dürfte so manchen Profi zumindest dann beeinflussen, wenn eine Entscheidung nicht allein an monetären Faktoren hängt.

Personelle Veränderungen stehen fest

Fakt ist überdies, dass Veränderungen so oder so ins Haus stehen. 

Danny da Costa und Aymen Barkok (beide Mainz 05) nehmen ebenso Abschied wie laut "Kicker" sehr wahrscheinlich Bergamo-Leihgabe Sam Lammers, Stefan Ilsanker, Goncalo Paciencia und auch Erik Durm. Dazu ist der umworbene Evan Ndicka wohl nicht zu halten, andere wie Filip Kostic vielleicht schon, wenn die Champions League winkt. Offensivakteur Randal Kolo Muani (FC Nantes) steht bislang neben einigen entwicklungsfähigen Spielern als Neuzugang fest.

Vorstandssprecher Axel Hellmann argumentiert auf internationaler Ebene seit einiger Zeit dafür, dass die Geld-Schere nicht weiter auseinanderklafft, will die europäische Mittelklasse stärken und eine bessere finanzielle Balance zwischen Europa League und Königsklasse erreichen.

"Der Unterschied ist zu groß", sagte Hellmann bei "hr-sport" und deutete auch damit die Dimension an, die der Sprung ins kontinentale Elitefeld bedeuten würde - zumal der Europa-League-Gewinner auch noch als Gruppenkopf gesetzt wird.

Enttäuschung droht

Andernfalls bliebe zwar Stolz, aber doch auch eine gehörige Enttäuschung und nicht mehr als nostalgische Gefühle, wenn der Cup so kurz vor dem großen Ziel durch die Hände gleiten würde.

 

Denn dann spielt die Eintracht aufgrund der nicht zufriedenstellenden Bundesliga-Saison gar nicht international und Krösches Plan wäre womöglich gefährdet. "Wir wollen jedes Jahr wachsen", hatte der 41-Jährige unlängst gesagt. Dafür sind magische Nächte in Europa aber eher die Kirsche auf der Torte.

Ruben Stark

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