Serge Gnabry war der überragende Mann beim DFB-Team - Bildquelle: gettySerge Gnabry war der überragende Mann beim DFB-Team © getty

Frankfurt/Main - Wirbelwind Serge Gnabry ließ sich selbst von seiner Auswechslung nicht aufhalten. Nach dem perfekten Jahresabschluss mit der deutschen Nationalmannschaft fiel der Dreifach-Torschütze seinem Bundestrainer Joachim Löw in die Arme und begab sich zu "Oh, wie ist das schön"-Gesängen auf die verdiente Ehrenrunde. 

Gnabry hatte die herzerfrischend stürmende DFB-Elf zum 6:1 (2:1) gegen Nordirland geführt - und damit zum ersehnten Gruppensieg in der EM-Qualifikation vor dem Erzrivalen Niederlande. Gute Kunde kam zudem aus der Gruppe E: Ein Patzer Ungarns bescherte dem Weltmeister von 2014 ein drittes Fußballfest in München im Sommer. 

Gnabry: "Wir haben alle riesigen Spaß"

"Das wird für uns wie eine Heim-EM in der Gruppenphase", sagte Doppel-Torschütze Leon Goretzka zufrieden. Trotz des Sprungs in den Auslosungstopf eins drohen allerdings Gegner schweren Kalibers wie Frankreich oder Portugal. "Wir zeigen sehr, sehr guten Fußball", sagte Gnabry jedoch bei RTL: "Wir gehen selbstbewusst und mit einem guten Lauf ins Turnier. Die Mannschaft ist jung, aber wir haben alle riesigen Spaß."

Der bärenstarke Münchner hatte seine Mannschaft in Frankfurt/Main mit einem Traumtor (19.) zunächst zurück auf den richtigen Weg gebracht. Michael Smith (7.) hatte aus dem Nichts das 0:1 erzielt. Goretzka (43./73.), Gnabry (47./60.) und Julian Brandt (90.+1) erledigten für die extrem spielfreudige deutsche Auswahl den Rest. 42.855 Zuschauer waren begeistert, die La Ola rollte durchs Stadion.

Niklas Stark gibt lange erwartetes Debüt

Mit dem EM-Ticket in der Tasche nutzte Löw den Jahresabschluss mit fünf Änderungen als Experimentierfeld. Marc-Andre ter Stegen bekam gemäß Absprache im Tor eine weitere Chance, hinten links kam Jonas Hector zu seinem ersten Einsatz seit mehr als einem Jahr und machte viel Druck. 

Emre Can und Jonathan Tah bildeten eine neue und anfangs unsichere Innenverteidigung, Brandt spielte im Sturm an der Seite Gnabrys. Später gab Niklas Stark sein so lange erwartetes Debüt.

Smith mit Führungstreffer für Nordirland

Traumhaft aber war zunächst nur Smiths traumhafter Rechtsschuss nach missglückter Kopfball-Abwehr von Toni Kroos. Der Ball schlug flach rechts ein, unhaltbar für ter Stegen. Löw baute seine Mannschaft sofort auf und schickte sie nach vorne - die Prämisse, aus defensiver Stabilität heraus offensiv kreativ zu werden, war erst einmal dahin. 

Es folgten stürmische deutsche Minuten, in denen Gnabry (11.), Ilkay Gündogan (12.), der an den Pfosten köpfte, und Brandt (15.) beinahe umgehend den Ausgleich erzielt hätten. Nordirland verbarrikadierte sich vor dem Strafraum, wirkte überfordert.

Deutschland wirbelte die Abwehrreihen gehörig durcheinander - Gnabry knallte den Ball schließlich aus der Drehung in den Winkel. Fast jeder Angriff lief über den omnipräsenten Kapitän Toni Kroos. 

13. Tor im 13. Länderspiel für Dreifach-Torschütze Gnabry

Nach 25 Minuten löste die deutsche Mannschaft ihren eisernen Griff ein wenig und lud Nordirland zum Mitspielen ein, um dadurch selbst mehr Raum zu haben. Vier mehr als kontern aber wollten die Gäste nicht, bis zur Pause herrschte wieder der alte Belagerungszustand. Es waren gute 45 Minuten: Nur das Gegentor störte. Auch nach Gnabrys 12. und 13. Tor im 13. Länderspiel war die Gier nach Toren nicht gestillt. 

Für die EM-Auslosung am 30. November in Bukarest hat Löw, der das Jahr 2019 mit "zwei bis drei" bewertet, keine Vorlieben. Am Montag hatte er mit seinem Stab in der Villa Kennedy über den schier unzähligen Wenns und Abers gebrütet, dann jedoch festgestellt: "Es ist wurscht. Wir können so oder so gegen starke Mannschaften kommen."

Eines wird im Sommer 2020 definitiv neu sein - die Endrunde wird beim DFB als Übergangsturnier beim Aufbau einer neuen, starken Mannschaft gesehen. Als Favoriten, betonte Löw, sehe er Deutschland nicht. 

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