Simon Kjaer während des Spiels gegen Finnland - Bildquelle: imago images/Ritzau ScanpixSimon Kjaer während des Spiels gegen Finnland © imago images/Ritzau Scanpix

München - Es ist eine große Fassungslosigkeit, Ungläubigkeit. Dazu ein tiefer Schmerz. Aber vor allem Angst. Extreme Angst, die in den Augen von Sabrina Kvist Jensen zu erkennen ist. 

Der flehend-panische Blick der Freundin von Christian Eriksen ging um die Welt, als der dänische Mittelfeldspieler beim EM-Gruppenspiel gegen Finnland kurz vor der Halbzeit zusammenbrach und um sein Leben kämpfte. 

Das Bild der hilflosen und verängstigten Lebensgefährtin, die seit 2012 mit Eriksen zusammen ist und mit ihm zwei Kinder hat, erzählt eine Geschichte, die auch zu dem tragischen Zwischenfall gehört, und sie berührt sehr.

Denn sie ist in dem schlimmen Moment, als sie die Tribüne heruntereilte und an der Seitenlinie stand und als alle Welt ihr dabei unfreiwillig zusah, wie sie um Eriksens Leben bangte, wenigstens nicht alleine - sie wird von Simon Kjaer getröstet.

Leader und Anführer

Der Kapitän der Dänen ist in den bangen Minuten, als nicht nur Kvist um das Leben von Christian Eriksen zitterte, für das ganze Team der Fels in der Brandung. Leader, Anführer. 

Und womöglich auch Lebensretter.

Denn Kjaer war diversen Medienberichten zufolge einer der ersten bei Eriksen, brachte seinen kollabierten Freund in eine stabile Seitenlage, versicherte sich, dass Eriksen seine Zunge nicht verschluckt hatte und begann mit der Herzmassage, nachdem er wild gestikulierend das medizinische Personal herbeirief. 

 

Anschließend sorgte der frühere Profi des VfL Wolfsburg mit Thomas Delaney und Torhüter Kasper Schmeichel dafür, dass die Mitspieler einen Sichtschutz um Eriksen bildeten. Delaney war ebenfalls einer der ersten Spieler, reagierte umgehend.

Denn er hatte so etwas schon einmal erlebt, er war vor vier Jahren dabei, als bei einem Werder-Testspiel Abdelhak Nouri auf dem Platz zusammenbrach. Damals hatte es eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis dem Ajax-Spieler geholfen wurde, er trug bleibende Hirnschäden davon.

"Captain Fantastic"

Im Fall von Eriksen ging es mit der Versorgung blitzschnell, was auch der Besonnenheit des Kapitäns zu verdanken ist. "Captain Fantastic", titelte zum Beispiel die britische "Daily Mail".

Doch Kjaer ist auch nur ein Mensch, er wurde später von seinen Emotionen eingeholt.

Kjaer führte seine Mannschaft zwar wieder auf das Feld, ließ sich aber in der 62. Minute auswechseln. 

Trainer Kasper Hjulmand: "Simon war sehr betroffen, zutiefst berührt. Sie sind wirklich sehr gute Freunde. Er wollte es versuchen, aber es war unmöglich. Die Gefühle haben ihn übermannt", erklärte Hjulmand hinterher.

"Das ist völlig verständlich. Ich kann mir nur schwer vorstellen, selbst ein Fußballspiel zu spielen." Das 0:1 gegen die Finnen war tatsächlich nebensächlich.

Stattdessen versuchen die Dänen, die Geschehnisse aufzuarbeiten, ihnen wurde psychologische Hilfe angeboten. Das Training wurde verschoben, Medienaktivitäten vorerst gestrichen.

Am Sonntagvormittag meldete sich der dänische Fußball-Verband mit einem Update zum Gesundheitszustand Eriksens. 

Zustand weiter stabil

Eriksen lasse seine Teamkollegen grüßen, teilte der Verband mit. "Sein Zustand ist stabil, und er bleibt für weitere Untersuchungen im Krankenhaus. Die Mannschaft und die Mitarbeiter des Nationalteams haben Hilfe erhalten und werden nach dem Zwischenfall weiterhin füreinander da sein", heißt es in der Mitteilung.

Was Mut macht, ist eine Nachricht von Eriksens Klub Inter Mailand. "Es geht ihm sehr viel besser. Das Schöne ist, dass er eine Nachricht in unseren internen Inter-Chat geschickt hat. Er hat die Mannschaft beruhigt und gesagt, dass er bald zurück sein wird", sagte Inters Geschäftsführer Marotta dem italienischen TV-Sender "Sky Sport".

"Bald wieder zurück": Das hat Eriksen ohne Frage auch seinem Kapitän zu verdanken.

Andreas Reiners

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