Hansi Flick (rechts) und Oliver Bierhoff haben mit der deutschen Nationalman... - Bildquelle: gettyHansi Flick (rechts) und Oliver Bierhoff haben mit der deutschen Nationalmannschaft in den kommenden Jahren Großes vor. © getty

Frankfurt/München - Es ist ein Satz, der fast untergegangen ist, weil er von Oliver Bierhoff beim großen "DFB Medien Meet Up" in Frankfurt so ein kleines bisschen beiläufig erwähnt und aus dem Ärmel geschüttelt wurde. Der DFB-Direktor philosophierte gerade über die öffentliche, vor allem aber die eigene Erwartungshaltung an die deutschen Nationalmannschaften der Frauen und Männer und beendete seinen Vortrag mit folgender Aussage: "Unser klares Ziel ist es, dass wir alle zehn Jahre einen Titel holen - da schließe ich die U21 mit ein - und dass wir bei jedem Turnier mindestens unter die letzten vier Teams kommen."

Eine Forderung, die durchaus aufhorchen lässt. Doch sie passt zum großen, perspektivischen Vorhaben des DFB, endlich wieder zurück an die Weltspitze zu kommen. Dafür soll bei der A-Nationalmannschaft vor allem der "neue" Bundestrainer Hansi Flick mit seinem Trainerteam sorgen. Und der nimmt diese Herausforderung voller Motivation an.

Hansi Flick: "Deutschland momentan nicht die Benchmark"

"Wenn man sich unsere aktuelle Platzierung in der Weltrangliste anschaut, sind wir als Deutschland momentan sicherlich nicht die Benchmark. Aber aus der Tradition der vielen, großen Erfolge in der Vergangenheit heraus, muss es definitiv unser Anspruch sein, wieder genau dort hinzukommen - in die Weltspitze. Wir haben jetzt noch zwölf Monate Zeit bis zur WM in Katar und wissen, dass wir uns bis dahin noch steigern und weiterentwickeln müssen. Aber ich sehe uns da auf einem guten Weg und glaube, dass wir gut vorbereitet sein werden", so Flick, der sich auch nochmal zur Causa Joshua Kimmich äußerte.

 

"Dass Joshua Kimmich in der Öffentlichkeit so an den Pranger gestellt wurde, war und ist für mich nicht in Ordnung. Er ist sicherlich nicht für die hohen Inzidenzen und Infektionszahlen in Deutschland verantwortlich und solche Diskussionen lenken aus meiner Sicht nur davon ab, was in unserem Land generell falsch gelaufen ist. Es gibt bei uns keine Impfpflicht und jeder ist somit für seinen eigenen Körper verantwortlich. Ich habe aber mit Joshua gesprochen und glaube auch eine Tendenz bei ihm erkannt zu haben, dass er sich doch noch impfen lassen wird. Jamal Musiala und Serge Gnabry haben es mittlerweile ja auch gemacht", erklärte der Bundestrainer.

"Diskussion hat Kimmich nicht kalt gelassen"

Und weiter: "Diese ganze Diskussion hat Joshua natürlich nicht kalt gelassen und sehr beschäftigt. Er ist ein sehr nachdenklicher und selbstreflektierter Mensch. Allerdings wird er sich nicht aufgrund des Drucks impfen lassen, sondern nur dann, wenn er selbst davon überzeugt ist. Und da ist er aus meiner Sicht ein Stück weiter."

Flick hatte zuletzt ja sogar darüber nachgedacht, in Zukunft nur noch geimpfte Spieler für Länderspiele oder Turniere zu nominieren. "Diesen Gedanken habe ich aber nicht weiter vertieft. Ich kann da ein wenig auf Zeit spielen, weil unsere nächsten Länderspiele erst im März 2022 stattfinden werden und die Welt bis dahin sicherlich eine ganze andere sein wird und sich somit höchstwahrscheinlich ein komplett anderes Bild ergibt."

WM 2022: Flick will bald schon nach Katar reisen

Ein eigenes Bild will sich Flick auch von den Zuständen vor Ort in Katar machen. "Ich kenne vieles nur vom Hörensagen, will jetzt demnächst aber selbst dorthin reisen und viele Gespräche führen, damit ich mir eine eigene, persönliche Meinung über das Land und die dortigen Menschenrechte bilden kann."

Bierhoff ergänzte zu der Thematik rund um die umstrittene WM in Katar im kommenden Jahr: "Natürlich ist das ein Thema, dass uns beschäftigt. Ich habe auch bereits Gespräche mit Amnesty International und Human Rights Watch geführt, damit wir auch einschätzen können, was von uns als gesamten Team vor Ort erwartet wird. Fest steht aber auch, dass wir dem Turnier eine Chance geben wollen, es wird von unserer Seite keinen Boykott geben. Es ist die erste WM in einem muslimischen Land und was wir so hören, wird die Begeisterung in der arabischen Welt für dieses Turnier im nächsten Jahr immer größer und größer. Aber klar ist trotzdem, dass uns das Thema Menschenrechte in Katar weiter verfolgen und somit auch beschäftigen wird."

Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Thema dann nicht doch vielleicht größer wird, als das Interesse an der sportlichen Leistung der deutschen Mannschaft bei der WM in Katar ...

Dominik Hechler

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