Hansi Flick bleibt trotz des WM-Debakels Bundestrainer - Bildquelle: 2022 Getty ImagesHansi Flick bleibt trotz des WM-Debakels Bundestrainer © 2022 Getty Images

Von Martin Jahns

München - Die Entscheidung ist gefallen. Der große Knall blieb aus. Der DFB geht mit Bundestrainer Hansi Flick in die Mission EM 2024. Nach dem WM-Debakel bekommt Flick eine zweite Chance.

Trotz seiner Fehlgriffe in Katar ist das die richtige Entscheidung.

Ein Blick auf die Alternativen zeigt warum: Unter den deutschen Trainern von Weltrang wäre aktuell nur Thomas Tuchel verfügbar. Doch dessen konfliktreiche Vorgeschichte mit Aki Watzke, dem inzwischen wohl mächtigsten Mann im deutschen Fußball, machte ein Engagement schon im Voraus kaum vorstellbar.

Mit Flick hingegen wurde laut DFB-Mitteilung selbst der Krisengipfel zum Katar-Fiasko zum "freundlichen und konstruktiven Gespräch" - trotz der Absetzung des Flick-Vertrauten Oliver Bierhoff.

Träumereien von Fan-Liebling Jürgen Klopp als Nachfolger bügelte dessen Berater Marc Kosicke bei "Sky" direkt als "Medienthema" ab. Klopp wolle seinen bis 2026 laufenden Vertrag in Liverpool erfüllen.

Der Faktor Zeit spricht für Hansi Flick

Gegen einen Neuanfang unter einem neuen Coach spricht aber vor allem der Faktor Zeit: Wegen der Corona-Verschiebung der vergangenen EM um ein Jahr hatte schon Flick nach seinem Amtsantritt im August 2021 kaum Zeit, neuen Ideen umzusetzen. Auch die sonst übliche wochenlange Vorbereitung blieb ihm vor der Winter-WM verwehrt.

Nun sind es erneut nur 18 Monate bis zum nächsten großen Turnier - der EM im eigenen Land. Pflichtspiele bis dahin? Null! Hier ist Kontinuität die gescheitere Wahl. Zumal auch ein neuer Trainer sich mit dem akuten Unterangebot an Außenverteidigern und Stürmern arrangieren müsste.

Und: Auch bei den vergangenen zwei DFB-Titeln zahlten sich zweite Chancen aus. Jogi Löw wehte nach dem EM-Aus 2012 gegen Italien heftiger Gegenwind ins Gesicht. Auch ihm wurden taktische Fehlentscheidungen vorgeworfen. Zwei Jahre später avancierte er zum Weltmeistertrainer.

Selbst das Festhalten an Berti Vogts nach dem blamablen WM-Aus gegen Bulgarien 1994 machte sich 1996 mit dem EM-Titel bezahlt.

Hansi Flick: Lehren ziehen aus eigenen Fehlern

Klar ist aber auch: Flicks Anfangsbonus nach den bleischweren letzten Löw-Jahren ist aufgebraucht. Der Startrekord mit acht Siegen in Serie hatte schon durch die pomadigen Auftritte in der Nations League seinen Glanz verloren.

Dass Flick bis zur WM keine eingespielte Abwehr aufbieten konnte und er an der Niederlage gegen Japan mit seinen Wechseln maßgeblich beteiligt war, können auch die meisten Torschüsse aller WM-Teams in der Gruppenphase nicht aufwiegen.

"Wir als Mannschaft können viel mehr erreichen, als wir in Katar gezeigt haben. Wir haben dort eine große Chance verpasst. Daraus werden wir unsere Lehren ziehen", versicherte Flick nach dem Krisengipfel und nahm sich so selbst in die Pflicht.

Nach Bierhoff-Aus: Druck auf Flick wird wachsen

Dass die Forderungen nach seinem Aus als Bundestrainer zuletzt eher verhalten waren, hatte Flick vor allem Ex-Teammanager Oliver Bierhoff zu verdanken, der die Entfremdung der deutschen Fans von ihrer Nationalmannschaft seit Jahren eindrucksvoll vorantrieb.

Die Folge: Während ein Teil der Fans vom Team abrückte und das Aus schulterzuckend hinnahm, rückte sich Bierhoff beim Rest selbst ins Zentrum der Kritik.

Flicks Schutzschild Bierhoff ist nun Geschichte, ebenso die eigene Aura als Star-Flüsterer und Titelhamster in Rekordzeit.

Der 57-Jährige traut sich den Job dennoch zu. Wohl wissend: Ab jetzt weht für ihn ein anderer Wind.

Wann findet das Finale bei der WM 2022 in Katar statt?

Das Finale bei der WM 2022 wird am 18.12.2022 in Katar ausgetragen. Um 16 Uhr ist im Lusail Iconic Stadium Anpfiff. 


Wie ist Deutschland bei der WM 2022 ausgeschieden?

Deutschland hat den Einzug ins Achtelfinale verpasst. Die deutsche Nationalmannschaft holte in der Gruppe E nur vier Punkte und beendete die Gruppe als Tabellenvierter. Japan und Spanien ziehen in die nächste Runde ein.


Wer überträgt die WM 2022 in Katar live?

Übertragen wird die WM 2022 von ARD, ZDF und von MagentaTV. Dabei sind aber nicht alle Spiele der WM im frei empfangbar zu sehen sein: 48 der 64 WM-Spiele werden im Free-TV zu sehen sein, der Rest nur über ein Abonnement von MagentaTV. 


WM 2022: Wie sah der deutsche Kader bei der WM aus?

26 Spieler konnte Bundestrainer Hansi Flick für die WM 2022 in Katar nominieren:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt)

Abwehr: Antonio Rüdiger (Real Madrid), Niklas Süle (Borussia Dortmund), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Thilo Kehrer (West Ham United), David Raum (RB Leipzig), Christian Günter (SC Freiburg), Lukas Klostermann (RB Leipzig), Armel Bella Kotchap (FC Southampton), Matthias Ginter (SC Freiburg)

Mittelfeld und Angriff: Leon Goretzka (FC Bayern München) Joshua Kimmich (FC Bayern München), Ilkay Gündogan (Manchester City), Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach), Serge Gnabry (FC Bayern München), Jamal Musiala (FC Bayern München), Thomas Müller (FC Bayern München), Leroy Sané (FC Bayern München), Kai Havertz (FC Chelsea), Karim Adeyemi (Borussia Dortmund), Youssoufa Moukoko (Borussia Dortmund), Julian Brandt (Borussia Dortmund), Niclas Füllkrug (Werder Bremen), Mario Götze (Eintracht Frankfurt)


WM 2022 in Katar