Robert Lewandowski und der FC Barcelona: Jetzt passen die finanziellen Vorau... - Bildquelle: Getty ImagesRobert Lewandowski und der FC Barcelona: Jetzt passen die finanziellen Voraussetzungen für den Deal. © Getty Images

München/Barcelona - Not macht erfinderisch, heißt es ja. Und in Nöten steckt der FC Barcelona ganz bestimmt - in argen Finanznöten nämlich.

Das führt zu durchaus absonderlichen Ideen. Der Renommierklub aus Katalonien vermietet sein Stadion an Hochzeitspaare, auf den Rasen durften jüngst auch Freizeitmannschaften - natürlich gegen Bezahlung...

Dass das allein reicht, um Robert Lewandowski vom FC Bayern nach Spanien zu lotsen und ihn überdies über Jahre zu finanzieren? Die "Süddeutsche Zeitung" hält dies augenzwinkernd ohnehin für keine gute Idee, rechnet aber vor, wie es gehen könnte.

Mit täglichen Hochzeitsfeiern oder Freizeitfußballspielen wäre Barca in etwa 175 Jahren schuldenfrei. "Lewandowski wäre dann weit über 200 Jahre alt. Ob ihn Barça dann noch haben will?", witzelte die "SZ".

Barcelona kann Anteile verkaufen

Am Donnerstag haben die Blaugrana allerdings einen Weg gefunden, der weniger langwierig ist und die Causa Lewandowski unter Umständen alsbald einer Lösung zuführt. Der FC Barcelona hat - wenn alles läuft wie geplant - in Kürze wieder einen finanziellen Spielraum.

Wie von Präsident Joan Laporta und seinen Vorstandskollegen gewünscht, stimmten Barcas Mitglieder zwei heiklen, aber aus Sicht der Vereinsführung unumgänglichen Vorhaben zu. Einerseits will der stolze Klub bis zu 25 Prozent seiner TV-Rechte an die Liga veräußern und andererseits sollen 49,9 Prozent der Anteile des Unternehmens verkauft werden, dass Barcas Merchandising verwaltet.

All das muss schnell geschehen, nur wenige Wochen sind dafür Zeit. Gelingt dies aber, sollen nach Schätzungen rund 700 Millionen Euro in die Kasse fließen. Damit soll das negative Eigenkapital von 500 Millionen Euro reduziert und auch ein Teil des Schuldenbergs von 1,35 Milliarden Euro abgetragen werden.

Genug ist dies keineswegs. Weil die Personalkosten bei Barca in den zurückliegenden Jahren regelrecht explodierten, will der Vorstand auch hier den Hebel ansetzen. Dies war schon der Grund, weshalb Lionel Messi im Vorjahr zu Paris St. Germain gehen musste. Die kumulierten Gehälter sollen runter von 560 auf 400 Millionen Euro.

Die Causa Lewandowski drängt

"Mit diesen Zahlen können wir unter optimalen Bedingungen konkurrieren, obwohl es mir sehr schwer erscheint, dass wir das diesen Sommer erreichen können", sagte jüngst Vizepräsident Eduard Romeu. Zumal Laporta am Donnerstag vor 830 Mitgliedern (anwesend und virtuell dabei) auf allen Ebenen Gehaltskürzungen ausschloss, bleiben also Verkäufe oder Vertragsauflösungen, um das Niveau herunterzubekommen. 

Dies ist also ein Plan auf Zeit. Zeit, die bei Lewandowski drängt. Da muss, da soll es in diesem Sommer zum Wechsel kommen. Auf 50 Millionen Euro Ablöse, so schrieb "Bild", wolle Barca seine Angebot anheben, dazu steht ein Dreijahresvertrag zur Disposition.

Das Volumen des gesamten Deals soll inklusive Beraterhonorar für Pini "Piranha" Zahavi bei weit jenseits der 100 Millionen Euro liegen.

 

Wie das alles gehen soll, hat Barca am Donnerstag angedeutet. Schritt eins, der möglicherweise alles entscheidende Schritt eins ist erfolgt. "Wir entscheiden über wichtige Themen, die die Gegenwart und Zukunft unseres Clubs betreffen", hatte Laporta die Versammlung eingeleitet. Es sei das Ziel, "dass wir Lösungen genehmigen, die dazu beitragen würden, die Wirtschaft des Clubs zu verbessern, was der Schlüssel zu allem ist."

Laporta: "Wieder Titel gewinnen"

Standesgemäß war zuvor die Barca-Hymne erklungen, um auch alle Anwesenden in die richtige emotionale Haltung zu versetzen. Debattiert wurden dann dennoch reichlich, die Führung um Laporta musste ihre Pläne umfassend erklären und schildern, erhielt dann aber zu beiden Anträgen eine deutliche Zustimmung. 

"Die Hebel werden uns aus dem Sumpf ziehen, in dem wir uns befinden", sagte Laporta, der für beide Fälle darauf hinwies, dass es Rückkaufoptionen gebe und der die große Anziehungskraft der Marke Barca herausstrich. Die beiden Deals bilden überdies auch eine Grundlage für das Einhalten des Financial Fairplay.

Wie viele Personalrochaden nun auf sportlicher Ebene folgen werden, war an diesem Abend noch nicht absehbar. Nur soviel machte Laporta deutlich: "Wir sind gekommen, um Barca stark zu machen und wieder Titel zu gewinnen, um Barça die Freude zurückzugeben."

Diese Aussicht wird auch Trainer Xavi gefallen, der sich für neue Erfolge einen wichtigen Mosaikstein schon ausgesucht hat: Robert Lewandowski. Dass er ihn einbauen, ist an diesem 16. Juni 2022 zumindest ein bisschen wahrscheinlicher geworden.

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