U21 live auf ProSieben und ran.de. - Bildquelle: Getty ImagesU21 live auf ProSieben und ran.de. © Getty Images

ran.de: Herr Kuntz, Ihre neu zusammengestellte deutsche U21-Nationalmannschaft konnte in den ersten vier Spielen drei Siege und ein Unentschieden, immerhin gegen den amtierenden U21-Europameister Spanien, verbuchen. Wie fällt Ihr erstes Zwischenfazit aus?

Stefan Kuntz: "Wenn man sich die reinen Zahlen, Daten und Fakten anschaut, dann liegen wir auf jeden Fall auf Kurs. Aber für uns gilt es ja auch, ein wenig über den Tellerrand hinauszuschauen – und da gibt es zwei Punkte, die wir beachten müssen: In der U19-EM-Qualifikation im Oktober 2019 waren 17 von 20 Spielern bei Erstligisten unter Vertrag. In der U17-EM-Quali sind es 18 von 20 Spielern, wobei die anderen beiden beim VfB Stuttgart und dem Hamburger SV in der Zweiten Liga spielen.

Bei uns sind es 'nur' noch neun Jungs, die überhaupt zum Kader eines Erstligisten zählen – davon haben am letzten Spieltag nur zwei von Beginn an gespielt. Da müssen wir uns fragen, was in der Zwischenzeit schief gelaufen ist. Drei meiner Jungs blieben sogar in der Zweiten Liga ohne Spielminute. Das sind definitiv Daten und Fakten, über die wir uns Gedanken machen müssen. Es geht unter dem Strich darum, einen Weg zu finden, unsere Talente bestmöglich weiterzuentwickeln und dahin zu bringen, dass sie in ihren Klubs regelmäßige Einsatzzeiten bekommen."

ran.de: Was setzt die Mannschaft von Ihren Vorstellungen schon um und wo hat sie vielleicht noch Nachholbedarf?

Kuntz: "Ich schaue dabei immer auf drei Säulen: Fußball, Teamgeist und Persönlichkeitsentwicklung. Dabei ist die Entwicklung bei uns sicherlich auch immer davon abhängig, wie sich die Spieler in ihren Vereinen entwickeln. Wir machen den Jungs klar, dass die U21 auch eine Bühne ist, auf der sie sich für mehr Einsätze bei ihren Klubs empfehlen können. Wir haben schon dem Jahrgang vorher immer wieder klar gemacht, dass es nicht nur darauf ankommt, die größte Schnelligkeit oder das beste Dribbling zu haben.

"Wollen Länderspiel-Jahr 2019 mit einem Sieg abschließen"

Um sich für eine Mannschaft unverzichtbar zu machen, geht es unter anderem auch um Teamgeist, die bestmögliche Umsetzung eines Matchplans, das Verhalten auf und neben dem Rasen. Das haben die Spieler damals verstanden, und ich habe das Gefühl, dass das auch das jetzige Team begriffen hat. Wir hätten sportlich sicherlich gerne schon das eine oder andere mehr ausprobiert, aber ich bin mit der bisherigen Entwicklung auch schon zufrieden. Jetzt wollen wir das Länderspiel-Jahr 2019 noch mit einem Sieg abschließen."

ran.de: Wie überrascht sind Sie selbst, dass dieses Team schon jetzt so gut harmoniert?

Kuntz: "Es ist sicherlich ein Vorteil, dass viele dieser Spieler schon in der U16- und U17-Nationalmannschaft zusammengespielt haben und direkt wissen, was wir von ihnen wollen. Allerdings haben wir sicherlich in der Dynamik, der Präzision im Passspiel und dem Freilaufen in engen Räumen auf dem Spielfeld noch Probleme und einiges an Nachholbedarf. Aber genau daran werden wir in Zukunft jetzt arbeiten."

ran.de: Gibt es Spieler, die Sie besonders positiv überrascht haben?

Kuntz: "Nein, da möchte ich keinen speziellen Spieler erwähnen und es liegt sicherlich noch Arbeit vor uns."

ran.de: Welche Rolle spielt Mittelfeld-Regisseur Adrian Fein in dieser Mannschaft?

Kuntz: "Ich möchte ehrlich gesagt keine einzelnen Spieler aus meiner Mannschaft hervorheben. Aber nicht, weil ich sie nicht richtig gut finde, sondern weil sie wissen sollten, dass ein paar Spiele in der Ersten oder Zweiten Liga noch lange kein Durchbruch sind. Da geht sicherlich noch deutlich mehr. Wie bereits gesagt: Am letzten Spieltag haben von neun U21-Spielern in der Ersten Bundesliga nur zwei von Beginn an gespielt. Ich würde mir wünschen, dass das in Zukunft deutlich mehr wird."

"Belgien mein Geheimfavorit"

ran.de: Sie haben in einem früheren Interview gesagt, dass man die neuen Spieler schnellstmöglich mit dem besonderen "U21-Gen" infizieren muss. Wie weit ist dieser Prozess aus Ihrer Sicht bereits fortgeschritten?

Kuntz: "Vor allem was den Teamgeist und die Disziplin angeht, ist das alles absolut top. Wir haben auch eine gemeinsame Basis gefunden, auf der wir sehr offen miteinander reden und umgehen. Damit bin ich extrem zufrieden."

ran.de: In der U21-EM-Qualifikation geht es nun in Freiburg gegen Belgien. Auf was für ein Spiel müssen sich Ihre Spieler dabei einstellen?

Kuntz: "Belgien hat eine sehr erfahrene Mannschaft. Alleine acht Spieler aus dem aktuellen Kader waren bereits bei der U21-EM in Italien und San Marino im vergangenen Sommer mit dabei. Deswegen sind sie auch mein Geheimfavorit in unserer Gruppe."

ran.de: Welche Rolle wird die Kulisse spielen? Im Stadion in Freiburg werden bis zu 20.000 Zuschauer erwartet, die Tribünen werden nahezu ausverkauft sein.

Kuntz: "Es war schon immer unser sehnlicher und stetiger Wunsch, mit der deutschen U21 mal vor so einer Kulisse zu spielen. Wir haben bei unserem letzten Auswärtsspiel in Cordoba gegen Spanien gesehen, wie es ist, wenn die Hütte voll ist und die Fans ihr Team anfeuern. Diese Stimmung wird meine Jungs extrem beflügeln, weil diese Unterstützung in einem Stadion für so junge Spieler eine große Bedeutung hat."

ran.de: Was erwarten Sie von Ihrem Team gegen die Belgier?

"Wollen 'Vollgas-Fußball' spielen"

Kuntz: "Wir möchten ja immer den so oft zitierten 'Vollgas-Fußball' spielen. Von daher will ich sehen, dass meine Jungs zielstrebig nach vorne spielen, aber dennoch auch diszipliniert in der Defensive gegen den Ball arbeiten. Sie müssen eine gute Mischung auf den Rasen bringen – und zwar aus dem vorgegebenen Matchplan und ihrer eigenen Kreativität."

ran.de: Sie haben mit Ragnar Ache von Sparta Rotterdam einen Debütanten für diese Partie nominiert, der vielen Fußballfans vorher nicht so bekannt war. Warum ist Ihre Wahl auf ihn gefallen und was macht ihn aus?

Kuntz: "Das ist auch ein Zeichen dafür, dass einige Talente aktuell ins Ausland gehen, weil sie in Deutschland keine Spielzeit bekommen. Wir können ja nicht immer davon reden, dass die jungen Spieler hierzulande kaum Einsätze bekommen und dann nicht in die ausländischen Ligen schauen, wo sie regelmäßig auf dem Rasen stehen. Außer Julian Chabot bei Sampdoria Genua gehören alle anderen Spieler bei ihren Vereinen zum Stammpersonal. So wie Orestis Kiomourtzoglou bei Heracles Almelo, Mergim Berisha beim SC Rheindorf Altach und eben auch Ragnar Ache bei Sparta Rotterdam. Er hat in der niederländischen Eredivisie bislang fünf Tore und drei Assists in 13 Spielen vorzuweisen. Die vorletzte Partie bestritt Ache mit Rotterdam gegen PSV Eindhoven mit Timo Baumgartl, da haben wir uns auch mal bei ihm erkundigt, wie es war, gegen Ache zu spielen. So sind wir dann zum Gesamtergebnis gekommen, dass wir ihn uns mal genauer anschauen und ihn kennenlernen wollen."

ran.de: Es wird ja immer mal wieder über Ihre persönliche Zukunft spekuliert. Vor einigen Wochen haben Sie gesagt, dass Sie erstmal das Perspektivgespräch mit dem DFB abwarten und sich dann Gedanken machen wollen. Wie ist diese Unterredung mit Oliver Bierhoff und Co. denn verlaufen?

Kuntz: "Wir hatten in den vergangenen Wochen einige richtig gute Gespräche und wollen uns nach dem letzten Länderspiel in diesem Jahr gegen Belgien noch einmal zusammensetzen. Dann schauen wir mal, ob wir alles in trockene Tücher bringen."

ran.de: Sie können sich also eine Zukunft beim DFB vorstellen?

Kuntz: "Wie gesagt: Die Gespräche waren allesamt sehr positiv. Aber so lange noch nichts unterschrieben ist, bin ich immer vorsichtig mit irgendwelchen Prognosen."

Das Interview führte: Dominik Hechler

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