Florian Wirtz ist eine der Offensivhoffnungen der deutschen U21-Nationalmann... - Bildquelle: imago images/Camera 4Florian Wirtz ist eine der Offensivhoffnungen der deutschen U21-Nationalmannschaft bei der EM. © imago images/Camera 4

ran.de: Florian Wirtz, für die deutsche U21-Nationalmannschaft steht die U21-EM-Endrunde in Ungarn und Slowenien vor der Tür. Wie groß ist bei Ihnen bereits die Vorfreude auf das Viertelfinale gegen Dänemark?

Florian Wirtz: Sehr groß. Ich habe richtig Bock, mit der Mannschaft so weit wie möglich zu kommen, damit wir uns mit den besten Teams der Welt messen können. Dementsprechend bin ich motiviert. ­Ja, meine Vorfreude ist riesig.

ran.de: Wie sehen Sie Ihre Rolle in der Mannschaft von U21-Bundestrainer Stefan Kuntz?

Wirtz: Ich will die Mannschaft mit meinen spielerischen Fähigkeiten unterstützen und so meinen Teil dazu beitragen, dass wir bei der U21-EM-Endrunde gemeinsam erfolgreich sind.

ran.de: In der Gruppenphase waren Sie ja aufgrund einer Nominierung für die A-Nationalmannschaft noch nicht mit dabei. Wie beurteilen Sie die Leistungen der Mannschaft in den U21-EM-Gruppenspielen und welchen Eindruck macht die U21 in diesen Tagen vor dem Dänemark-Spiel auf Sie?

Wirtz: In der Gruppenphase hat das Team wie immer sehr diszipliniert gespielt, sich mannschaftlich geschlossen gezeigt und damit letztlich auch überzeugt und gute Spiele abgeliefert. Die Jungs haben defensiv vor allem wenig Chancen zugelassen und dementsprechend auch kaum Gegentore bekommen. Jetzt merkt man in diesen Tagen bei allen die generelle Vorfreude und dass wir voll auf das Dänemark-Spiel fokussiert sind. Trotz allem ist die Stimmung locker. Es herrscht also eine gesunde Anspannung und wir werden alle top motiviert ins Spiel gehen.

ran.de: Merken Sie, dass die Hoffnungen in der deutschen Offensive vor allem auf Ihnen liegen?

Wirtz: Das Gefühl habe ich überhaupt nicht. Wir haben viele andere richtig gute Spieler in unseren Reihen. Wir können generell nur erfolgreich sein, wenn wir als Mannschaft auftreten und alle zusammen unsere besten Leistungen abrufen.

ran.de: Wie schätzen Sie die Dänen ein? Auf was muss sich die deutsche U21 einstellen?

Wirtz: Dänemark ist eine defensiv starke und disziplinierte Mannschaft. Solche Teams sind immer unbequem zu bespielen. Wir müssen deshalb unseren Matchplan verfolgen, uns nicht nach den Dänen richten, sondern voll auf uns konzentrieren. Es wird wichtig sein, schnell zu spielen, mit wenig Kontakten. So können wir die dänische Mannschaft auseinanderziehen und sie in Bewegung bringen. Das schafft dann auch für mich im zentralen Mittelfeld Räume, die ich für gefährliche Offensivaktionen nutzen kann.

ran.de: Und auf welche dänischen Spieler müssen die DFB-Junioren ganz besonders aufpassen?

Wirtz: Jacob Bruun Larsen kann sicherlich in der Offensive für Gefahr sorgen, aber wenn wir als Team gut verteidigen, können wir jeden Spieler stoppen.

ran.de: Inwiefern haben Sie jetzt vielleicht auch schon auf eine Nominierung für die A-Nationalmannschaft und somit die Europameisterschaft gehofft?

Wirtz: Natürlich hatte ich ein bisschen Hoffnung. Aber ich habe mir keinen Druck gemacht und war deswegen auch nicht enttäuscht. Ich freue mich, jetzt hier bei der U21 dabei zu sein und will mit der Mannschaft ein gutes Turnier spielen. Trotzdem habe ich mir natürlich vorgenommen, in den nächsten Jahren weiter an mir zu arbeiten, damit ich auch wieder bei der A-Nationalmannschaft dabei sein kann.

ran.de: Joachim Löw hat gesagt, dass Sie Ihren Weg in der A-Nationalmannschaft schon noch machen würden, deutete aber auch an, dass es für Ihre Entwicklung jetzt vielleicht erst einmal besser wäre, mit der U21 die U21-EM-Endrunde und danach noch Olympia zu bestreiten. Wie ist Ihre Meinung?

Wirtz: Joachim Löw hat als Trainer sehr viel Erfahrung, von daher kann es sein, dass das jetzt die richtige Entscheidung ist. Aber ich persönlich will mich immer mit den Besten messen. Mal schauen, was in Zukunft passiert. Ich lasse alles auf mich zukommen.

ran.de: Sie haben in den vergangenen zwölf Monaten ja fast schon einen kometenhaften sportlichen Aufstieg erlebt. Wenn Sie jetzt auf dieses letzte Jahr zurückblicken, wie würden Sie Ihre Entwicklung beschreiben?

Wirtz: Es ist auf jeden Fall besser gelaufen, als ich mir das selbst vorgestellt habe (lacht). Es hat mit dem neuen Verein Bayer Leverkusen und dem damaligen Trainer Peter Bosz sofort super harmoniert, ich habe mich direkt wohlgefühlt und mich schnell weiterentwickelt. Meine guten Leistungen im Verein waren dann sicherlich auch der ausschlaggebende Grund, warum ich zur deutschen U21 und später auch noch zur A-Nationalmannschaft eingeladen wurde.

ran.de: Sie haben mit Ihren gerade einmal 18 Jahren nur ein Jahr im Profifußball benötigt, um mit Ihren Leistungen die Bundesliga aufzumischen, sich in den Dunstkreis der deutschen A-Nationalmannschaft und jetzt aktuell zum großen Hoffnungsträger der U21 des DFB für die U21-EM-Endrunde zu spielen. Wie nehmen Sie den Hype um Ihre Person selbst wahr?

Wirtz: Ich lasse mich davon nicht beeindrucken, verhalte mich so wie zuvor und begegne allen Menschen wie vorher auch schon. Das wird auch weiterhin so bleiben.

 

ran.de: Laut einer Statistik von "transfermarkt.de" hat sich Ihr Marktwert im vergangenen Jahr auf 45 Millionen Euro gesteigert. Das ist in diesem Zeitraum die drittgrößte Marktwertsteigerung eines Spielers in den internationalen Top-Ligen. Wie gehen Sie mit so einer Summe um?

Wirtz: Natürlich bekomme ich das mit, weil ich auch immer mal wieder darauf angesprochen werde. Aber mir persönlich bedeutet das nicht so viel. Natürlich zeigt es, dass ich offenbar meine Leistung gebracht habe und das in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen wird. Auf der anderen Seite bin ich ein junger Spieler, dessen Marktwert schnell steigt, da er zu Beginn der Karriere niedriger ist. Deswegen mache ich mir über solche Dinge keine Gedanken.

ran.de: Sehen Sie diese Marktwertsteigerung als eine Art Bestätigung Ihrer Leistungen in den vergangenen Monaten?

Wirtz: Für mich sind eher Rückmeldungen des Trainers oder Spielstatistiken, wie Torbeteiligungen Bestätigungen meiner Leistung. Daran kann ich mich persönlich besser orientieren.

ran.de: Was haben Sie in Ihrem ersten Bundesliga-Jahr bei Bayer Leverkusen, aber auch bei den Lehrgängen der deutschen U21 und der A-Nationalmannschaft gelernt?

Wirtz: Am Anfang musste ich mich erst einmal an das neue, hohe Niveau gewöhnen. Vor allem in Leverkusen war das schon sehr anspruchsvoll, aber ich konnte mich trotzdem sehr schnell anpassen. Diese Erfahrungen konnte ich dann auch mit zur deutschen U21 nehmen und mich auch hier dementsprechend weiterentwickeln. Und bei der A-Nationalmannschaft war das Niveau dann sogar nochmal ein Stück höher. Aber es macht mir einfach unheimlich Spaß, mit so guten Spielern zusammenzuspielen und zu trainieren. Das ist für mich zum Beispiel auch eine persönliche Bestätigung, wenn ich mit solchen Spielern im Training oder Spiel mithalten kann.

ran.de: Hätten Sie sich diese Entwicklung vor ein paar Jahren auf dem Bolzplatz erträumen lassen?

Wirtz: Nein (lacht). Natürlich hat man solche Träume, aber dass ich vieles davon jetzt schon mit 18 Jahren erreicht habe, hätte ich niemals geglaubt.

ran.de: Und welche Momente in den vergangenen zwölf Monaten sind Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben?

Wirtz: Auf jeden Fall mein erstes Bundesligaspiel mit Bayer Leverkusen gegen den VfL Wolfsburg und mein erstes Tor gegen 1899 Hoffenheim. Aber auch der Siegtreffer gegen Borussia Dortmund war ein geiles Erlebnis. Und natürlich war es auch überragend, bei der A-Nationalmannschaft dabei sein zu dürfen.

ran.de: Ihr ehemaliger Trainer bei Bayer Leverkusen, Hannes Wolf, hat Sie als "Vollblutfußballer" bezeichnet, der sich als Offensivspieler auch nicht zu schade sei, mal nach hinten zu arbeiten. Wie würden Sie sich selbst als Fußballer charakterisieren?

Wirtz: Ich bin sehr laufstark. Und das ist auch die Basis meines Spiels, dass ich auf dem Rasen viele Wege machen kann. Hinzu kommt, dass ich technisch recht versiert bin. Außerdem habe ich im vergangenen Jahr auch sehr viel an meinem Körper gearbeitet, damit ich in den Zweikämpfen durchsetzungsfähiger werde. Allerdings habe ich sicherlich noch überall Potenzial und werde weiter hart an mir arbeiten. Ich denke da zum Beispiel an den ersten Kontakt oder den letzten Pass vor dem Torabschluss.

ran.de: Sie haben vor ein paar Wochen Ihr schriftliches Abitur abgelegt, warten jetzt aber noch auf die Ergebnisse. Wie froh sind Sie dennoch, dass diese Doppelbelastung mit Schule und Fußball jetzt ein Ende hat?

Wirtz: Ich bin sehr froh (lacht). Es ist einfach schön, dass ich jetzt endlich ein bisschen mehr Freizeit habe, um mich neben dem Fußball um meine Familie und Freunde zu kümmern. Außerdem kann ich den Fokus jetzt natürlich noch mehr auf den Fußball richten. Das war bis zuletzt ja nicht möglich, den Fußball so richtig zu leben. Das Jahr mit der Doppelbelastung war wirklich extrem anstrengend und ich hoffe, dass ich das Abitur jetzt bestanden habe und diese Zeit hinter mir lassen kann.

ran.de: Inwiefern hat diese Doppelbelastung Sie in den vergangenen Monaten beeinflusst?

Wirtz: Ich bin meistens die ersten beiden Stunden in die Schule gegangen, dann zum Fußballtraining und dann entweder direkt wieder in die Schule oder ins Internat zum Lernen. Das war schon viel, aber trotzdem habe ich mir auch in dieser Phase immer mal wieder Zeit für Freunde genommen, weil das einfach auch wichtig ist, um den Kopf mal frei zu bekommen. Denn wenn man dauernd nur gestresst ist, schlägt das irgendwann auch auf die Laune. Es lastet einfach enorm viel Druck auf einem. Deswegen bin ich echt froh, dass ich diesen Rucksack endlich absetzen kann.

ran.de: Sie haben Ihren Vertrag bei Leverkusen erst kürzlich langfristig bis 2026 verlängert. Was sind Ihre nächsten Ziele? Wie sieht Ihre persönliche Karriereplanung aus?

Wirtz: So viel habe ich darüber noch gar nicht nachgedacht, aber ich weiß auf jeden Fall, dass ich im kommenden Jahr mit Bayer Leverkusen mehr erreichen will als dieses Jahr. Ich möchte auf jeden Fall in die Champions League. Das haben wir diese Saison leider nicht geschafft, obwohl wir eine richtig gute Hinrunde gespielt, danach aber abgebaut haben. Ich will kommendes Jahr eine gute Saison spielen, aber mein größtes Ziel ist es, mit dem Klub die Königsklasse zu erreichen. Das wäre der nächste Traum, der für mich in Erfüllung gehen würde.

Das Interview führte: Dominik Hechler

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