Absolvierte bisher 15 Pflichtspiele für die U21: Janni Serra - Bildquelle: Getty ImagesAbsolvierte bisher 15 Pflichtspiele für die U21: Janni Serra © Getty Images

ran.de: Herr Serra, U21-Bundestrainer Stefan Kuntz sieht Belgien als Geheimfavoriten der Gruppe. Wie ordnen Sie den Gegner ein?

Janni Serra: "Ich habe bis jetzt noch nicht viel von der belgischen Mannschaft gesehen. Wir werden sie im Verlauf der Woche anschauen und analysieren, was sie draufhaben und welche Möglichkeiten sich für uns ergeben. Dann werden wir auf jeden Fall versuchen, sie am Sonntag zu schlagen."

ran.de: Vor dem Spiel beträgt der Vorsprung auf Belgien zwei Punkte - trotz eines Spiels weniger. Welche Rolle spielt es, dass der Abstand bereits auf fünf Punkte vergrößert werden kann? Geht das Team anders an die Partie heran?

Janni Serra: "Nicht wirklich. Wir wissen, dass wir eine extrem gute Ausgangsposition für uns schaffen können und dass das ein echt wichtiger Schritt wäre. So gehen wir das auch an, da wir danach vier Monate kein Länderspiel haben und uns positiv verabschieden wollen."

"Hätte Belgien stärker eingeschätzt"

ran.de: Sind Sie überrascht, dass Belgien schon viele Punkte liegen gelassen hat?

Janni Serra: "Da bin ich schon ein bisschen überrascht. Ich hätte sie stärker eingeschätzt – zumindest von den Ergebnissen her. Das ist für uns natürlich jetzt die Chance, den stärksten Konkurrenten im Feld hinter uns zu lassen, um dann noch befreiter aufzuspielen."

ran.de: Sie wurden im Sommer kurz vor EM-Beginn aus dem Kader gestrichen. Ist das Spiel am Sonntag für Sie das U21-Highlight des Jahres?

Janni Serra: "Ich denke schon. Ausverkaufte Hütte, fast 20.000 Zuschauer in Freiburg. Das ist schon Wahnsinn. Ein Top-Gegner. Ich denke schon, dass das ein Highlight wird. Und ein besonderes Spiel, weil mehr Zuschauer dabei sein werden als bei anderen Quali-Spielen."

ran.de: Wie ist das Gefühl, wenn man in der Quali sonst vor einem halbleeren Stadion spielt?

"Bei leeren Stadien hört man sich untereinander besser"

Janni Serra: "Es ist schon ungewöhnlich. Gerade in Bosnien oder in Wales waren Tribünen komplett leer. Das ist dann schon eine andere Stimmung auf dem Platz. Man hört sich untereinander und die Trainer viel besser ..."

ran.de: Sehen Sie es als Vorteil, wenn man sich untereinander besser verstehen kann, oder fehlt Ihnen die Stimmung von den Tribünen?

Janni Serra: "Ich hab' es natürlich lieber, wenn mehr Leute zuschauen. Aber am Ende spielt das keine Rolle, geht es nur um das Spiel und um die drei Punkte."

ran.de: Wie bereits angesprochen, haben Sie im Sommer die EM knapp verpasst. Wie haben Sie diese Enttäuschung dann verarbeitet?

Janni Serra: "Ich war extrem enttäuscht, das hat mich natürlich schon ein bisschen herunter gezogen. Aber ich habe gelernt, mich zu fokussieren und auf das Wesentliche zu konzentrieren, weil eine Woche später die Vorbereitung mit Holstein Kiel losging."

"Habe mich gefreut, dass sie ein tolles Turnier gespielt haben"

ran.de: Also hatten Sie überhaupt keinen Urlaub?

Janni Serra: (lachend) "Nicht wirklich, nein."

ran.de: Haben Sie sich die EM-Spiele angeschaut oder brauchten Sie den Abstand?

Janni Serra: "Die Spiele habe ich auf jeden Fall angeschaut, weil ich einfach mit den Jungs mitgefiebert habe. Ich kenne viele Jungs schon lange und war ja immer dabei – da drückt man schon die Daumen. Ich habe mich auch sehr gefreut, dass sie so ein tolles Turnier gespielt haben."

ran.de: Sehen Sie die Ausbootung rückblickend als wichtige Erfahrung?

Janni Serra: "Ja, auf jeden Fall. Man muss immer versuchen, etwas Positives herauszuziehen. Im ersten Moment ist da zwar Enttäuschung, weil ich das Turnier verpasst habe. Aber rückblickend ist das dann schon ein wichtiges Erlebnis. Man lernt dadurch, besser mit solchen Situationen umzugehen."

"Jungs fragen mich schon mal um Rat"

ran.de: Sind Sie ein Freund davon, in Trainingslager mehr Spieler mitzunehmen, als für das Turnier nominiert werden können?

Janni Serra: "Ich bin schon ein Freund davon. Der Konkurrenzkampf ist höher, man muss sich mehr pushen und kann sich nicht ausruhen.  Außerdem kennen Spieler, die dann nachnominiert werden, dann bereits die ganzen Abläufe."

ran.de: Sie haben mehr Einsätze in der U21 als jeder andere Spieler im neuen Kader. Wie hat sich Ihre Rolle verändert?

Janni Serra: "Die Jungs wissen natürlich, dass ich schon länger dabei bin und fragen mich schon mal um Rat. Auch weil ich mit dem Funktionsteam schon vertraut bin, denn ich kenne viele Gesichter schon über einen längeren Zeitraum. Da versuche ich sehr gern zu helfen. Wenn sie Fragen haben, können sie mich ansprechen."

ran.de: Ist es Ihr Anspruch, ein Führungsspieler zu sein?

Janni Serra: "Hier kann jeder Spieler eine Führungsrolle übernehmen, da wir alle gleich alt sind. Ich möchte erstmal meine Leistung auf dem Platz bringen. Dafür bin ich zuallererst verantwortlich. Dann kann ich die anderen unterstützen, ihre Leistung ebenfalls zu bringen." 

"Das Alter spielt für mich keine Rolle"

ran.de: Werden Sie in der Kabine oder auf dem Platz schon mal lauter, um die Mannschaft mitzureißen, wenn es nicht so läuft?

Janni Serra: "Normalerweise bin ich eher der ruhigere Typ auf dem Platz. Allerdings: Wenn mir etwas nicht passt, sage ich das auch ganz klar. Wenn ich sehe, da braucht jemand eine Anweisung, kann ich auch deutlich werden. Im Verein ist es dasselbe – da mache ich keinen Unterschied. Das Alter spielt für mich dabei keine Rolle."

ran.de: Wie würden Sie das jetzige U21-Team im Vergleich zum vorigen sehen?

Janni Serra: "Das vorige Team hatte deutlich mehr Erfahrung in der Mannschaft. Mit Spielern, die – wenn man die Zeitpunkte vergleicht – vielleicht auch schon weiter waren. Allerdings hatten wir auch viele Spieler dabei, die sich innerhalb der zwei Jahre in der U21 extrem entwickelt haben. Wenn man zum Beispiel Luca Waldschmidt oder Florian Neuhaus sieht, was die für Entwicklungen gemacht haben. Das Potenzial sehe ich bei dieser Mannschaft auch . Wir können eine gute Rolle spielen, denn unser Teamspirit ist jetzt schon top, weil wir uns schon sehr lange kennen und viel miteinander erlebt haben."

ran.de: Wen sehen Sie denn da auf dem Sprungbrett?

Janni Serra: "Das kann theoretisch jeder schaffen. Wenn man zum Beispiel Adrian Fein nimmt, der letztes Jahr einen enormen Sprung gemacht hat und ein extrem wichtiger Spieler in der U21 ist. Er ist vielleicht ein Musterbeispiel, aber jeder hat das Potenzial dafür."

ran.de: Stefan Kuntz hat im ran.de-Interview darauf hingewiesen, dass ungewöhnlich wenige Bundesligaspieler im Kader stehen – weil nur wenige spielberechtigt sind. Könnte das ein Problem werden?

Janni Serra: "Ich sehe das nicht unbedingt als Problem. Aber es ist ein Zeichen für uns Spieler, dass wir uns noch nicht so durchgesetzt haben wie es andere getan haben. Allerdings dürfen wir uns nicht mit anderen Mannschaften vergleichen, wir müssen auf uns schauen. Klar können wir uns an unseren Vorgängern orientieren, weil das Team sehr erfolgreich war. Aber wir müssen unsere Qualitäten auf den Platz bringen und als Mannschaft funktionieren."

"Ich hatte gar keine Ahnung"

ran.de: Zum Abschluss noch ein anderes Thema: Sie waren bei einem denkwürdigen Zweitligaspiel dabei. Gegen Bochum stoppte ihr Kieler Mitspieler Michael Eberwein als Reservist den Ball im Strafraum vor der Auslinie und verursachte einen Elfmeter. Wie haben Sie die Szene erlebt?

Janni Serra: "Ich hatte gar keine Ahnung, was da genau passiert. Ich wusste bis nach dem Spiel auch nicht, warum es den Elfmeter gab, denn auf dem Platz kriegst du nicht viel mit. Ich stand an der Mittellinie und habe nur gesehen, wie der Schiedsrichter zu unseren Auswechselspielern gegangen ist und etwas gesagt hat."

ran.de: Ist es wirklich so, dass man als Spieler manchmal gar nicht weiß, was der Schiedsrichter nach VAR-Einsatz entschieden hat?

Janni Serra: "In dem Moment ja. Allerdings ist es auch immer schwierig für den Schiedsrichter, allen Spielern seine Entscheidungen zu erklären. Das würde zu lange dauern."

ran.de: Es wird ja zumindest in der Öffentlichkeit diskutiert, ob der Schiedsrichter nicht über das Mikro bekanntgeben sollte, warum er so entschieden hat.

Janni Serra: "Das gibt es ja in Amerika, in der NFL, wo der Schiedsrichter etwas durchs Mikrofon sagt und es alle Zuschauer hören können. Ich finde das keine schlechte Idee, aber ich bin nicht Entscheidungsträger."

ran.de: Haben Sie nach dem Erlebnis gegen Bochum nochmal etwas intensiver ins Regelwerk geschaut?

Janni Serra: "Ich habe mich damit nicht weiter auseinandergesetzt. Nun kenne ich auch diese Regel (lacht). Mir wäre das vorher aber nicht eingefallen, dass es dafür Elfmeter gibt."

Das Interview führte: Marcus Giebel

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