Doha - Obwohl die FIFA den europäischen Verbänden untersagt hat, die "One Love"-Kapitänsbinde zu tragen und bei Missachtung sogar mit disziplinarischen Maßnahmen drohte, hat es sich die deutsche Nationalmannschaft trotzdem nicht nehmen lassen, vor dem eigenen WM-Auftakt gegen Japan ein klares Zeichen für Vielfalt und Diversität zu setzen (JETZT im Liveticker auf ran.de).

Die Nation blickte gebannt auf den Fernseher - und hoffte nicht vergeblich auf ein starkes Zeichen ihrer Lieblinge: Mit demonstrativ zugehaltenem Mund beim Teamfoto protestierte die Fußball-Nationalmannschaft unter den Augen des großen Widersachers Gianni Infantino vor dem ersten WM-Spiel am Mittwoch gegen das Verbot der "One Love"-Binde. Auch Nancy Faeser zeigte Flagge: Die Innenministerin trug mit Stolz die Binde auf der Ehrentribüne.

Und bei diesen Signalen gegen das "Mund verbieten" durch die FIFA soll es nicht bleiben - auch weil der stille Protest vor dem Japan-Spiel nicht im Weltbild zu sehen war. DFB-Präsident Bernd Neuendorf kündigte Beratungen über "weitere Maßnahmen" an.

DFB-Team positioniert sich

"Uns die Binde zu verbieten, ist wie den Mund zu verbieten. Unsere Haltung steht", twitterte der DFB: "Es geht dabei nicht um eine politische Botschaft: Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Das sollte selbstverständlich sein. Ist es aber leider immer noch nicht. Deshalb ist uns diese Botschaft so wichtig."

Schon wenige Stunden vor dem Anpfiff hatten sich die Anzeichen auf eine Aktion verdichtet. "Wir werden sehen. Das hat die Spieler sehr beschäftigt", sagte DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff in der ARD. Mit Blick auf das in Deutschland kritisierte "Einknicken" des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gab Bierhoff zu Protokoll, dass die "Kritik aus der Heimat" der Mannschaft "weh getan" habe.

Kurz vor dem Anpfiff legte Neuendorf bei seiner FIFA-Kritik nach. "Die FIFA arbeitet mit Einschüchterung und Druck", sagte der 61-Jährige, der sich am Donnerstag mit den europäischen Verbündeten beraten will: "Wir sind in der Opposition zur FIFA. Wir wollen gucken, wie wir weitere Maßnahmen auf den Weg bringen." Ähnlich äußerte sich der dänische Verbandsboss. Jesper Möller warf der FIFA vor, mit "Mobbing-Methoden" zu arbeiten: "Wir werden darauf reagieren."

Schon einige Stunden vor dem Anpfiff gegen Japan bestätigte DFB-Präsident Bernd Neuendorf nach einem Treffen mit deutschen Fans, dass der Verband derzeit "rechtliche Schritte" gegen das Verbot durch den Weltverband FIFA prüfe. Die Klage sei aber noch nicht unterwegs. Zudem erklärte er in der ARD, das "die FIFA mit Einschüchterung und Druck arbeitet". Und weiter: "Wir sind in der Opposition zur FIFA. Wir wollen gucken, wie wir weitere Maßnahmen auf den Weg bringen. Morgen haben wir eine Schaltkonferenz mit den sieben Nationen."

FIFA drohte dem DFB mit Konsequenzen

Die FIFA hat laut Neuendorf wenige Stunde vor dem Anpfiff auf DFB-Anfrage schriftlich erklärt, dass im Fall des Tragens der Binde "der Schiedsrichter reagieren" müsse: "Zudem behält sich die FIFA vor, die Disziplinarkommission anzurufen, die dann gegebenenfalls weitere Strafen verhängen könne".

Rückendeckung erhielt der DFB von der nach Katar gereisten Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Sie ging die FIFA heftig an und hofft auf eine Trotzreaktion des DFB. "Ich kritisiere das Vorgehen der FIFA auf das Schärfste", sagte Faeser: "Ich hoffe, dass rechtlich geklärt wird, ob das Verbot zulässig ist - und dass dabei rauskommt, dass es nicht zulässig ist."

Faesers frommer Wunsch

Auf die Frage, ob es ein "starkes Zeichen wäre, wenn der deutsche Kapitän Manuel Neuer trotz der FIFA-Strafandrohungen für den DFB und seine verbündeten Verbände mit der Armbinde auflaufen würde, hatte die SPD-Politikerin zuvor gesagt: "Das wäre es. Ich hätte mir gewünscht, dass die Verbände nicht nachgegeben hätten."

Nach Ansicht Faesers hat der deutsche Fußball durch den Eklat um die Binde "sehr großen Schaden genommen". Die Schuld dafür gibt die für den Sport zuständige Ministerin aber dem Weltverband.

Entscheidung laut Faeser völlig aus der Zeit gefallen

"Der Schaden wäre zu beheben, indem die FIFA ihre Meinung ändert und eine andere Haltung an den Tag legt. Die Entscheidung ist ein Riesenfehler. Sie ist völlig aus der Zeit gefallen", äußerte Faeser: "Ich appelliere dringend an die FIFA, ihre Entscheidung zu überdenken. Wir leben im 21. Jahrhundert. Es muss doch heutzutage möglich sein, für Offenheit, Vielfalt und gegen Diskriminierung einzutreten."

Faeser begrüßte zudem die Protestbewegung gegen die FIFA, die sich nach dem "One Love"-Verbot formiert hat. "Viele Menschen wehren sich gegen die Entscheidung. Gemeinsam kann man etwas bewirken."

Welche Nationalmannschaften haben sich für die WM 2022 qualifiziert?

Die WM-Gruppen im Überblick:

  • Gruppe A: Katar, Ecuador, Senegal, Niederlande
  • Gruppe B: England, Iran, USA, Wales
  • Gruppe C: Argentinien, Saudi-Arabien, Mexiko, Polen
  • Gruppe D: Frankreich, Australien, Dänemark, Tunesien
  • Gruppe E: Spanien, Costa Rica, Deutschland, Japan
  • Gruppe F: Belgien, Kanada, Marokko, Kroatien
  • Gruppe G: Brasilien, Serbien, Schweiz, Kamerun
  • Gruppe H: Portugal, Ghana, Uruguay, Südkorea

In welchen Stadien findet die WM 2022 statt?

Bei der WM 2022 wird in acht Stadien gespielt, wobei vier davon in der Hauptstadt Doha stehen. Dabei wurden die Stadien komplett neu gebaut. Die meisten Stadien sollen nach der WM für gesellschaftliche Zwecke genutzt werden und nur einige für den Sport. Das größte Stadion ist das Lusail Iconic Stadion, welches mit 80.000 Plätzen auch das WM-Finale austragen wird. Die weiteren Stadien bieten Platz für 40.000 bis 60.000 Zuschauer.

Das sind die WM-Stadien 2022 Überblick:

Al-Bayt Stadium
Kapazität: 60.000 -Standort: Al-Khor - Fertigstellung: Neubau, Eröffnung 2020
Al-Rayyan Stadium
Kapazität: 40.000 - Standort: Al-Rayyan -Fertigstellung: Umbau, Wiedereröffnung 2019

Al-Thumama Stadium
Kapazität: 40.000 - Standort: Doha - Fertigstellung: Neubau, Eröffnung 2020

Al-Wakrah Stadium
Kapazität: 40.000 - Standort: Doha - Fertigstellung: Neubau, Eröffnung 2019

Khalifa International Stadium
Kapazität: 40.000 - Standort: Al-Rayyan - Fertigstellung: Umbau, Wiedereröffnung 2017

Ras Abu Aboud Stadium
Kapazität: 40.000 - Standort: Doha - Fertigstellung: Neubau, Eröffnung 2020

Qatar Foundation Stadium
Kapazität: 40.000 - Standort: Al-Rayyan - Fertigstellung: Neubau, Eröffnung 2020


WM 2022: In welcher Gruppe spielt die DFB-Elf?

Die deutsche Nationalmannschaft wurde in Gruppe E gelost. Gruppengegner sind Spanien, Costa Rica und Japan. Das erste Spiel findet am 23. November um 14 Uhr gegen Japan statt.  Hier geht es zum Spielplan.


Wann spielt die deutsche Nationalmannschaft bei der WM?

Die Gruppenspiele der Gruppe E der deutschen Nationalmannschaft finden in al-Khor und al-Rayyan statt.
Die Termine in der Übersicht :

23.11.2022, 14:00 Uhr: Japan - Deutschland 2:1
27.11.2022, 11:00 Uhr: Spanien - Deutschland
01.12.2022, 16:00 Uhr: Deutschland - Costa Rica

Alle Spiele der WM 2022 in Katar hier im Überblick


WM 2022 Katar

3. Spieltag Gruppenphase

29.11.2022

30.11.2022

01.12.2022 

Spielplan WM 2022 Katar - DFB Nationalmannschaft Gruppe E

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