Rene Rast wurde 2014 in Spa zum großen Sieger und zog den LMP1-Vertrag an La... - Bildquelle: SRORene Rast wurde 2014 in Spa zum großen Sieger und zog den LMP1-Vertrag an Land © SRO

Heute fahren Rene Rast und Laurens Vanthoor für verschiedene Hersteller, doch einst waren die beiden DTM-Asse im Audi-Lager interne Rivalen. Eine Rivalität, die 2014 bei einer denkwürdigen Ausgabe des 24-Stunden-Klassikers von Spa-Francorchamps, der dieses Wochenende zum 74. Mal stattfindet, ihren Höhepunkt fand.

Denn beim vielleicht wichtigsten Rennen seiner Karriere beeindruckte Rast den damaligen Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich und wurde daraufhin mit einem LMP1-Werksvertrag belohnt, während Vanthoor zwei Jahre später zu Porsche wechselte.

"Er ist bei dem Rennen krank geworden, und dann musste ich seinen Stint fahren", erinnert sich Rast, der insgesamt fast zwölf Stunden im Audi R8 LMS ultra saß und am Ende bei enormer Hitze unter Krämpfen den Sieg sicherstellte.

Rast: "Vielleicht habe ich deshalb den Platz bekommen"

"Dr. Ullrich war damals vor Ort, und wir haben das Rennen gewonnen. Laurens konnte dann natürlich nicht mehr fahren. Vielleicht war das der ausschlaggebende Punkt, warum ich bei Audi den Platz bekommen habe und er nicht. Das kann wohl so sein", meint Rast der danach dreimal DTM-Champion wurde, im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

Vor allem für WRT-Teamchef Vincent Vosse war es an jenem Wochenende des 26. und 27. Juli nicht einfach, die beiden Alphatiere, die sich das Auto mit Markus Winkelhock teilten, unter Kontrolle zu kriegen. "Ich hatte vor dem Rennen ein paar Schwierigkeiten mit Rene und Laurens. Es gab viele Diskussionen", so Vosse vor einigen Jahren im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' über die Ereignisse.

Revierkampf der Alphatiere: "Nicht immer einfach für Rene"

Der Grund für die Spannungen? "Es lag daran, dass Laurens schnell war - und das gleiche galt für Rene", so der Belgier. "Sie sind beide starke Charaktere. Und sie arbeiten beide sehr hart. Wir hatten viele sehr starke Fahrer, auch Werksfahrer, aber Rene und Laurens haben den anderen kaum Chancen gelassen, weil sie so hart gearbeitet haben."

Dazu kam, dass WRT zu diesem Zeitpunkt die sportliche Heimat von Vanthoor war, der wie sein damaliges Team aus Belgien stammt. "Das war seine Familie. Er hat alles mit WRT gemacht. Ich glaube nicht, dass er viele GT-Rennen mit anderen Teams absolviert hatte", erzählt Vosse. "Das war nicht immer einfach für Rene."

Und so musste Vosse schon vor dem Start dafür sorgen, dass sich kein Fahrer in irgendeiner Form benachteiligt fühlte. Daher habe er beiden vor dem Start gesagt, dass man auch wegen der starken Fahrer beste Voraussetzungen habe, das Rennen zu gewinnen. "Wegen euch werden wir gewinnen, und ihr werdet es beim Rennen unter Beweis stellen. Aber lasst uns das Rennen fahren, und wir werden euch sagen, wer wann fährt", so Vosse.

Rast übernimmt Vanthoors Stints - und brilliert

Den Startstint durfte damals Pole-Setter Vanthoor übernehmen, der gleich einen ordentlichen Vorsprung auf die Konkurrenz herausfuhr. Doch in der Nacht gab es ein Problem beim Nachtanken, wodurch man die Führung an einen BMW verlor. Zudem begann Vanthoor zu kränkeln. "Der Stress und das viele Fahren waren eine Belastung", meinte Vosse.

Aus diesem Grund entschied man, Rast mehr Fahrzeit zu geben, um möglicherweise doch noch den Sieg zu holen. Die Rechnung ging auf. "Ich habe Rene beim Fahrerwechsel in die Augen gesehen, als er aus dem Auto ausstieg", schilderte der Teamchef die Situation. "Ich habe ihn gefragt, ob es für ihn okay wäre, den letzten Doublestint zu fahren. Und ich habe ihn nochmal dran erinnert, dass er der Grund sein würde, warum wir dieses Rennen gewinnen werden."

Und genau so kam es. "Er ist eingestiegen, fuhr eine Rekordrunde nach der anderen. Und 15 Minuten vor dem Ende holte er den Werks-BMW ein, überholte ihn und fuhr auf und davon. Wir haben das Rennen mit einem Vorsprung von sieben Sekunden gewonnen", beschreibt Vosse die Sternstunde, bei der man sich gegen den Marc-VDS-BMW von Dirk Werner, Lucas Luhr und Markus Palttala durchsetzte.

Rast nach Sieg am Ende: "Krampf im ganzen Körper"

Als Rast als Sieger durchs Ziel fuhr, war er physisch am Ende und konnte die Finger kaum noch vom Lenkrad lösen. "Irgendwann habe ich jeden einzelnen Finger abgekriegt", beschrieb er seinen Zustand. "Ich war aber so dehydriert, dass ich, sobald ich den Muskel bewegt habe, sofort einen Krampf gekriegt habe im ganzen Körper."

Als er es geschafft hatte, aus dem Cockpit auszusteigen, war Audi-Sportchef Ullrich einer der ersten Gratulanten - der Rest ist Geschichte.

Trotz der damaligen Spannungen ist der Respekt der beiden GT-Asse füreinander groß. "Laurens ist sehr gut", sagt Rast, der dieses Jahr im Gegensatz zu Vanthoor nicht in Spa startet. "Wir waren oft Teamkollegen auf dem gleichen Auto, aber manchmal sind wir auch gegeneinander gefahren. Wir waren natürlich harte Konkurrenten." Dennoch verstehe man sich heute "echt gut", so der Mindener.

Rast über Rivalität mit Vanthoor: "Alles Vergangenheit"

Es gäbe "keine Rivalität auf privater Ebene, sondern nur auf der Strecke, aber da gibt es noch 20, 30 andere, mit denen ich genauso kämpfe wie gegen Laurens". An böses Blut zwischen ihm und Vanthoor wegen der damaligen Angelegenheit glaube er nicht: "Er hat ja bei Porsche auch eine tolle Karriere und einen tollen Arbeitgeber." Also "alles Vergangenheit".

Umgekehrt dürfte das genauso sein. "Ich kenne Laurens sehr gut, und ich weiß, dass er Rene für seine Erfolge sehr respektiert", meinte Vosse vor einigen Jahren. Außerdem darf sich nun Vanthoor bei Porsche über einen Vertrag in der Le-Mans-Topklasse LMDh freuen , während es bei Audi für Rast diesbezüglich alles andere als rosig aussieht.