Top-Leistungen werden durch das riesige Starterfeld 2022 mehr belohnt - Bildquelle: DTMTop-Leistungen werden durch das riesige Starterfeld 2022 mehr belohnt © DTM

Das riesige DTM-Starterfeld mit 29 Boliden sorgt dieses Jahr auch taktisch im Titelkampf für geänderte Vorzeichen. Denn während im Vorjahr Konstanz der Schlüssel war - wie Maximilian Götz bewiesen hat - zählen dieses Jahr vor allem die Big Points.

"Du musst die Siege und die Podestplätze haben, darum geht es", weiß Abt-Audi-Pilot Rene Rast, der schon in der Vergangenheit im Titelkampf oft die richtigen Prioritäten setzte. "Wenn man so wie Kelvin (van der Linde; Anm. d. Red.) zwischen Platz vier und sechs ins Ziel kommt, dann kommt man am Ende nicht vorne an."

Stattdessen müsse man "ab und zu mal ein Rennen gewinnen. Das hilft definitiv und bringt dich vorwärts." Nachsatz nach den null Punkten in Portimao: "Wir müssen uns jetzt ranhalten."

Müller: "Wenn du das Paket hast, musst du zugreifen"

Denn bei 29 Boliden bleiben bei jedem Rennen 19 Piloten - also fast zwei Drittel - ohne Punkte. Das gibt es in kaum einer anderen Meisterschaft. Im Vorjahr waren in der DTM 19 Boliden am Start, wodurch auch ein durchschnittliches Rennen in der Regel ein paar Punkte brachte. Jetzt ist die Luft dünner - und Risiko wird wieder mehr belohnt.

"Wenn du das Paket für den Sieg hast, dann musst du mit beiden Händen zugreifen", weiß Nico Müller, der nach dem Ausfall am Samstag im Rosberg-Audi triumphierte. "Da das Feld so ausgeglichen ist, wird es nicht so viele Gelegenheiten dafür geben. Es wird auch um Schadensbegrenzung gehen, wenn du nicht gewinnen kannst."

Warum Ausfälle 2022 weniger ins Gewicht fallen

Das sei seinen Abt-Audi-Kollegen van der Linde und Ricardo Feller mit den Plätzen vier und sechs gelungen, "während wir aus dem Rennen gerissen wurden". Dennoch liegen mit Müller und AF-Corse-Ferrari-Pilot Felipe Fraga in der Meisterschaft zwei Piloten vor van der Linde, die am Samstag ausgeschieden sind, aber am Sonntag am Podest standen, obwohl der Südafrikaner mit den Plätzen vier und sechs in beiden Rennen punktete.

Auch der Fall von Samstag-Sieger Lucas Auer, der am Sonntag wegen eines verpatzten Boxenstopps aussichtslos zurückfiel, zeigt, dass Ausfälle 2022 weniger schlimm sind, da ohnehin der Großteil des Feldes keine Punkte macht. Er liegt in der Meisterschaft auf Platz drei.

Das Gegenbeispiel ist Ex-Champion Götz, der an beiden Renntagen gute Leistungen brachte: Doch mit den Plätzen elf und fünf liegt er damit in der Meisterschaft nur auf Platz neun. Im Vorjahr fuhren die besseren Piloten auch an schlechten Tagen in die Punkte. Ein Ausfall tat dadurch mehr weh als diese Saison.

Bortolotti: Dank fetter Beute in beiden Rennen DTM-Leader

Der einzige Pilot, der mit zwei dritten Plätzen in beiden Rennen fette Beute machte, ist Grasser-Lamborghini-Pilot Mirko Bortolotti. Er führt nun mit 35 Punkten sieben Zähler vor Müller in der Meisterschaft. Ein erster Schritt in Richtung Titel? "Dafür ist es noch zu früh", winkt der in Wien lebende Italiener ab. "Hoffentlich sind wir beim letzten Rennen auch noch in dieser Position."

Auch er stimmt zu, dass es dieses Jahr darum geht, an guten Tagen richtig zuzuschlagen. "Wenn du die Chance hast, die Big Points mitzunehmen, dann musst du sie ergreifen."

Obwohl er am Samstag wegen des Re-Start-Problems einen möglichen Sieg verpasste, ist er mit dem Wochenende nicht unzufrieden: "Wir haben die Punkte geholt, die wir verdient haben, denn wir fuhren am Sonntag eigentlich über unseren Möglichkeiten."