Ex-Audi-Werksfahrer Lucas di Grassi kritisiert den Einfluss der Hersteller i... - Bildquelle: Motorsport ImagesEx-Audi-Werksfahrer Lucas di Grassi kritisiert den Einfluss der Hersteller im Motorsport - Bei den Marken müsse es ein Umdenken geben. © Motorsport Images

München - Lucas di Grassi hat genug vom Einfluss der Hersteller auf den Motorsport. Der 37-jährige Formel-E-Pilot, der 2021 zum Audi-Abschied von Abt zwei DTM-Einsätze geschenkt bekam, kritisiert, dass die Autobauer erst die hohen Kosten in den Meisterschaften in die Höhe treiben und diese dann als Ausstiegsgrund angeben.

"Es ist natürlich schade, dass die Class-1-Autos nicht mehr hier sind", trauert er dem Aus der Class-1-Autos in der DTM nach, die aufgrund der gewaltigen Kosten eingestampft und mit GT3-Fahrzeugen ersetzt wurden.

"Es liegt auch am Denken der Hersteller, dass alles so komplex und teuer geworden ist. Zuerst verursachen sie es und dann rechtfertigen sie es damit, dass sie aussteigen." Das sei ein "verrückter Kreislauf, der aufhören muss."

GT3-Plattform ein starkes Fundament

Er lobt aber auch den Schritt der Traditionsserie, auf die etablierte GT3-Plattform zu setzen. "Mit den GT3-Autos ist das Racing großartig. Durch die BoP [Balance of Performance] gibt es zwar hier und da politische Spielchen, aber es ist die bestmögliche Lösung."

"Diese Art von Motorsport hat eine große Zukunft, denn sie ist relativ günstig, unterhaltsam, anpassungsfähig - und sie stellt gewissermaßen eine direkte Verbindung zu Straßenautos her", freut sich di Grassi, der von 2012 bis 2021 selbst Werksfahrer bei Audi war und in der Formel-E-Saison 2016/17 den Titel holte. In der Saison 2021/22 wird er mit Venturi für ein Mercedes-Kundenteam starten.

 

Der Brasilianer glaubt daran, dass die GT3-Plattform in der DTM "noch ein paar Jahre" einsetzbar sein wird. "Es ist sehr interessant, dass es der DTM gelungen ist, die Kosten massiv zu senken und dennoch Zuschauer anzulocken und gutes Racing zu zeigen", sagt der erfahrene Rennfahrer. "Man sieht die Leidenschaft bei den Leuten im Fahrerlager, wie viele Autogramme man geben muss, wie viel auch mitten in der Pandemie los ist."

Di Grassi: Elektrifizierung für DTM "knifflig"

Obwohl in der DTM seit dem Umstieg auf GT-Autos Privatteams im Mittelpunkt stehen, ist der Einfluss der Hersteller dadurch nicht komplett verschwunden. Mercedes hat beim DTM-Finale 2021 auf dem Norisring von außen auf den Wettbewerb eingegriffen, um die Chancen für Maximilian Götz, Meister zu werden, zu maximieren - was auch geklappt hat. Die ITR arbeitet deshalb im Winter hart daran, Stall- und Teamorder zu verbieten und hart zu bestrafen.

Nach dem Ende der Class-1-Ära hat die DTM ein Fünf-Säulen-System etabliert, bestehend aus der GT3-DTM, der DTM-Trophy für den Nachwuchs, der klassischen DTM, der DTM-Electric und Sim-Racing. So möchte die Serie Motorsportfans die komplette Facette des Rennsports bieten und sich für die Zukunft aufstellen, in der Sim-Racing und die Elektrifizierung immer wichtigere Rollen spielen.

"Die DTM ist eine sehr starke Marke, eine unglaublich starke Plattform und eine sehr starke Meisterschaft", stellt di Grassi klar, der aber der Ansicht ist, dass "die Umstellung in Zukunft und eine mögliche Elektrifizierung knifflig" sein werde. Und das, obwohl die Plattform mit der DTM-Electric ab 2023 bereits eine elektrifizierte Serie an den Start bringen möchte. Die E-Autos sollen rund 1.200 Pferdestärken leisten.

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