Sebastien Loeb überzeugte bei seinem DTM-Einsatz in Portimao - Bildquelle: Motorsport ImagesSebastien Loeb überzeugte bei seinem DTM-Einsatz in Portimao © Motorsport Images

Rallye-Legende Sebastien Loeb hat sein erstes Rennwochenende in der DTM erfolgreich hinter sich gebracht. Der neunfache WRC-Champion wusste bei seinem Einsatz im AF-Corse-Ferrari als Ersatzmann für den verhinderten Nick Cassidy zu überzeugen. Vor allem seine Konkurrenten auf der Strecke zeigten sich anschließend begeistert.

"Für mich ist der Kerl eine totale Inspiration. Ehrlich gesagt ist es beeindruckend, wie er in seiner Karriere durchgehalten hat und immer noch den Hunger hat, sich in verschiedenen Rennsportarten zu messen, im Rallyesport, auf der Rennstrecke und so weiter", schwärmt Grasser-Lamborghini-Pilot Mirko Bortolotti nach dem Sonntags-Rennen.

Bortolotti habe das Samstags-Rennen des Franzosen zusammen mit seinem Grasser-Teamkollegen Rolf Ineichen analysiert. "Wir haben analysiert, wie er gefahren ist. Er war super konstant, hat alle Scheitelpunkte getroffen und fast keine Fehler gemacht. Es ist gar nicht so einfach, sich in ein solches Feld mit Jungs einzureihen, die mehr oder weniger jede Woche GT fahren", lobt er.

Fraga: Loeb wäre mit mehr Fahrzeit noch weiter vorn

AF-Corse-Ferrari-Teamkollege Felipe Fraga konnte sich aus nächster Nähe ein Bild von Loebs Fortschritten. Fraga war dabei, als der 48-Jährige in Spa-Francorchamps zum ersten Mal in den Ferrari 488 GT3 Evo kletterte und seine ersten Kilometer abspulte.

"Wenn man vergleicht, wie weit er in Spa war und wie weit er hier war, dann ist das beeindruckend", zollt der Brasilianer seinem Teamkollegen Respekt. "Er war am Samstag nur sieben Zehntel von der Pole entfernt. Er hat weniger als drei Tage mit dem Auto getestet, weil er sich das Auto mit Cassidy teilte, als er auf der Strecke war."

Fraga ist überzeugt: "Wenn einer von uns Rallye fahren würde, wäre er viel schlechter als sieben Zehntel von P1 entfernt. Er verdient also Anerkennung, er ist etwas Besonderes. Wenn er mehr Zeit im Auto gehabt hätte, mehr Tests, wäre er vielleicht weiter vorn gelandet."

Sonntagssieger Nico Müller hingegen hat relativ wenig von Loebs DTM-Einsatz mitbekommen - er war voll auf sich fokussiert und im zweiten Portimao-Lauf vor allem darauf bedacht, die Lücke nach hinten zum zweitplatzierten Fraga zu verwalten.

Sebastien Loeb hat keine weiteren DTM-Einsätze geplant

"Ehrlich gesagt war es eine große Freude, ihn hier zu haben, einen der größten Namen in unserem Sport", sagt Müller über Loeb. "Dass er in das kalte Wasser gesprungen ist, was er meiner Meinung nach getan hat, verdient große Anerkennung, denn diese Meisterschaft ist sehr anspruchsvoll und es kommt auf die kleinen Details an."

"Und mit den sehr begrenzten Vorbereitungen, die er hatte, in einem so wettbewerbsfähigen Feld so nah heranzukommen, finde ich beeindruckend." Besonders Loebs Leistung im Samstags-Qualifying nötigt Respekt ab. Dort landete er im 29 Fahrzeuge starken Feld immerhin auf Platz 21. Noch beeindruckender: Der geringe Rückstand von gerade einmal 0,786 Sekunden.

Im Sonntags-Qualifying lief es nicht ganz so gut: Loeb verschätzte sich mit dem Verkehr und holte mit 1,2 Sekunden Rückstand auf die Pole-Zeit den 27. Startplatz für das Rennen. In den beiden Rennen hielt sich der Franzose schadlos. Am Samstag sprang der 16. Platz heraus, und am Sonntag lag Loeb zeitweise auf dem zweiten Rang, ehe er nach seinem Boxenstopp auf P18 ins Ziel kam.

Die kurze DTM-Karriere der Rallye-Legende geht nach den zwei Rennen in Portugal schon wieder zu Ende. "Der Plan war es, hier in Portimao zu fahren, also sind wir hier. Aber es gibt keine Diskussionen für die Zukunft", stellte Loeb vor dem Start ins Sonntagsrennen gegenüber 'ran' klar. Cassidy übernimmt dann den Ferrari #37 für die restliche Saison 2022.