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München - Nach Wochen der Ungewissheit gibt es jetzt endlich Neuigkeiten über die Zukunft der DTM: Wie DTM-Boss Gerhard Berger heute seinen 17 Mitarbeitern bei einem Meeting um 14 Uhr am Firmensitz in München mitgeteilt hat, wird die DTM-Dachorganisation ITR die Saison 2023 nicht mehr ausrichten. Die Rede ist von einer geordneten Auflösung der ITR GmbH.

Das bedeute aber nicht das Ende der Traditionsserie, denn die Gespräche mit dem ADAC laufen weiter. "Die Gespräche mit dem ADAC sind sehr konstruktiv, aber es gibt noch keine finale Entscheidung", so Berger in einem Statement. "Da wir aber in der unternehmerischen Verantwortung stehen, mussten wir jetzt Klarheit schaffen. Wir haben entschieden, dass die ITR die DTM 2023 nicht mehr ausschreiben wird."

Das hat finanzielle Gründe, wie Berger klarstellt. "Vor dem Hintergrund der gegebenen Rahmenbedingungen und angesichts der zahlreichen Herausforderungen ist das wirtschaftliche Risiko für das nächste Jahr zu groß", sagt der 63-jährige Österreicher.

Berger: "Auch ohne ITR kann es eine DTM-Zukunft geben"

"Ich bedauere das persönlich sehr, denn das gesamte Team hat sehr hart am Erfolg der DTM gearbeitet. Aber: Auch ohne die ITR kann es eine Zukunft für die Marke DTM beim ADAC geben. Daher sind wir auch weiterhin mit dem ADAC im Dialog", beschreibt Berger die aktuelle Lage.

Laut Informationen von "Motorsport-Total.com" hat DTM-Boss Berger das gesamte Jahr lang einen Investor für die Zukunft der DTM gesucht. Dabei gab es durchaus Interessenten, viele haben aber ein Engagement an die Austragung einer Elektro-Rennserie gebunden. Das kann die DTM-Plattform aktuell noch nicht anbieten.

Hinter den Kulissen arbeitet die ITR zwar mit den Partnern Schaeffler und Mahle an der geplanten Rahmenserie DTM Electric, der Prototyp sollte aber erst 2023 seine ersten Meter zurücklegen, Rennen waren frühestens 2024 geplant.

Dazu kommt, dass viele Unternehmen auch wegen der unklaren Wirtschaftslage und der Ukraine-Krise aktuell nicht bereit sind, große Summen zu investieren. Zudem ist das DTM-Electric-Projekt nicht gerade günstig: Allein die Entwicklung des Prototypen kostet 15 Millionen Euro.

Warum Berger keinen anderen Weg sieht

Berger, der bereits seit 2017 Chef der Rennserie ist, bewahrte die DTM Ende 2020 nach dem Ausstieg der Hersteller Audi und BMW vor dem Ende, indem er diese komplett selbst übernahm. Ihm gelang es mit dem Wechsel von den teuren Class-1-Prototypen auf das seriennahe GT3-Reglement, dass 2022 statt zwei insgesamt sechs Marken und fast 30 Fahrzeuge am Start waren.

Die wirtschaftliche Herausforderung war allerdings alles andere als trivial: Die Hersteller Audi und BMW hatten Berger zwar bei seiner Rettung der DTM Ende 2020 einige Millionen Euro hinterlassen, in den vergangenen Jahren fuhr die DTM aber wegen der Coronavirus-Krise oft vor leeren Rängen. Das war in Anbetracht des Einnahmen-Modells der Rennserie schmerzhaft, das sich neben Serienpartnern vor allem auf den Ticketverkauf stützt.

Berger, der seit Ende 2020 durch den Herstellerausstieg das alleinige finanzielle Risiko trägt, hätte zwar theoretisch 2023 auch mit der Aussicht auf potenzielle Investoren durch die DTM-Electric-Serie weitermachen können. Da aber aktuell nicht absehbar ist, dass die Kosten zur Ausrichtung der bevorstehenden Rennsaison durch zu erwartende Erlöse vollumfänglich gedeckt werden können, hätte das eine Zahlungsunfähigkeit der ITR bedeuten können.

Findet die DTM-Saison 2023 statt?

Doch wie sieht es nun in Hinblick auf die Zukunft der seit 1984 existierenden Rennserie aus? Noch ist trotz des enormen Interesses der Teams nicht fixiert, dass die Serie auch 2023 stattfindet. Eine Austragung wird vor allem von den seit einigen Monaten laufenden Gesprächen zwischen Berger und dem ADAC über die Vermarktungsrechte der DTM abhängen.

Der ADAC, der mit dem ADAC GT Masters ebenfalls eine GT3-Serie veranstaltet, hat Interesse daran, die Rechte von Berger zu kaufen - und verfügt über eine große, eigene Struktur und die finanziellen Mittel, beide Serien in Zukunft auszurichten.

Dass er die Vermarktungsstruktur der DTM nicht direkt übernimmt, ist nachvollziehbar, da der ADAC über eigenes Personal verfügt. Zumal nicht ausgeschlossen ist, dass man Personen aus dem ITR-Team bei einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen dann selbst engagiert.

Berger-Aussagen deuten auf mögliche ADAC-Einigung hin

Wie es überhaupt 2023 weitergeht, ist aktuell unklar. Berger spricht aber von "sehr konstruktiven Gesprächen" und einer möglichen Zukunft der Marke DTM beim ADAC. Aussagen, die auf eine Fortführung der Rennserie hoffen lassen.

Für den ADAC wäre die Übernahme der DTM nicht nur attraktiv, weil damit die Konkurrenzsituation am deutschen GT3-Markt beendet ist. Man hätte damit auch die Möglichkeit, eine Karrierepyramide im deutschen GT-Sport einzuführen und das ADAC GT Masters als GT3-Talente-Plattform für die Profiserie DTM zu etablieren.

Wichtig wird sein, dass es nun zu einer raschen Lösung kommt, damit die GT3-Teams endlich mit der Planung für das Jahr 2023 beginnen können. All das wird unter der Bedingung, dass es zu einer Einigung mit Berger kommt, dann aber die Aufgabe des ADAC sein.