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München - Ist der neue BMW M4 GT3 bei der Deutschland-Saisonpremiere der DTM dem Lausitzring (Die freien Trainings, Qualifyings und beide Rennen live in ProSieben und auf ran.de), auf dem dieses Wochenende auch die Steilkurve Turn 1 gefahren wird, in der Favoritenrolle?

Wenn man der Konkurrenz glaubt, dann definitiv. "Es hat sich in Portimao angefühlt, als wären sie auf den Geraden um 30 km/h schneller als alle anderen", sagt T3-Lamborghini-Pilot Nicki Thiim.

Thiim: "Treten wir einigen in den Hintern"

"Ich rechne damit, dass sie wirklich stark sein werden. Aber das spielt keine Rolle: Legen wir mal mit einer positiven Einstellung los und treten einigen in den Hintern", kündigt der dänische GT-Spezialist in seiner unnachahmlichen flapsigen Art an.

Und auch Rosberg-Audi-Pilot Nico Müller, der das zweite Rennen in Portimao gewonnen hat, hat den BMW trotz des Wechsels vom M6 zum M4 wegen der Streckencharakteristik voll auf der Rechnung.

Müller: Erster Sektor als Nachteil für kompakten Audi

"Es gibt sehr lange Vollgas-Passagen", sagt der Schweizer. "Wir wissen, dass gewisse Autos etwas mehr Leistung haben, was sich auf dieser Strecke sicher bezahlt machen wird. Und dann gibt es Autos, die in den schnellen Kurven sehr stabil sind - und es gibt dort ganz klar eine Hochgeschwindigkeitskurve", verweist er auf den ultraschnellen Turn 1, der beinahe voll geht.

Beides trifft auf den M4 GT3 zu, dessen Radstand sogar noch länger ist als beim Vorgänger und der als besonders großes Auto mehr aerodynamischen Abtrieb generiert als zum Beispiel ein Audi R8 LMS GT3 Evo II.

Müller sieht auch Mercedes und Ferrari in Favoritenrolle

"Ich glaube nicht, dass wir unsere Stärke in der Passage zwischen der letzten Kurve und der zweiten Kurve haben werden. Und das ist der größte Teil der Strecke", weiß Müller, der sich trotz des Evo-Pakets, das ein breiteres Arbeitsfenster ermöglicht, nicht im besten Auto wähnt. "Ich rechne mit einer größeren Herausforderung als am Portimao-Wochenende, aber hoffe, dass wir trotzdem eine Chance auf ein gutes Ergebnis haben."

Der Audi-Werksfahrer hat nicht nur die Münchner auf der Rechnung. "Ich stimme Nicki zu, dass BMW sehr stark sein wird. Aber ich denke, dass auch Mercedes sehr stark sein kann. Und Ferrari ist immer stark."

BMW M4 GT3: Warum die Länge ein Vorteil ist

Dass Müller die Marke mit dem Stern nennt, darf nicht verwundern, denn auch der Mercedes-AMG ist im Vergleich zum Porsche, Audi oder Lamborghini ein eher großes Auto - und verfügt über 4,75 Meter Länge. Zum Vergleich: Der BMW misst 5,02 Meter, der Audi 4,48 Meter. Das hat aerodynamische Vorteile, die sich in schnellen Kurven bezahlt machen.

Dazu kommt, dass der M4 GT3 in Portimao - wie schon bei den Tests vor der Saison - tatsächlich einen höheren Topspeed hatte als die Konkurrenz. Zum Teil handelte es sich dabei um acht km/h. Das liegt daran, dass die für die Balance of Performance zuständige AVL dem Boliden auf der Geraden etwas mehr Dampf geben musste, weil er in den Kurven Zeit verlor.

Auch im BMW-Lager ist man für das Lausitzring-Wochenende übrigens zuversichtlich. "Der Lausitzring wird gut für uns, Strecken wie Spa auch", bestätigt Schubert-BMW-Pilot Sheldon van der Linde im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com', dass Rennstrecken mit schnellen Kurven nicht nur dem Vorgänger, sondern auch dem M4 GT3 liegen sollten.

BMW-Pilot van der Linde: Auch Schwächen von 2021 gelöst?

Auch im Vorjahr hatte der Südafrikaner auf den Sieg gehofft, hatte dann aber nach der Pole und einigen Führungskilometern mit Reifenabbau an der Hinterachse zu kämpfen. Ein Problem, dass dieses Jahr weniger akut sein sollte - so zumindest die Hoffnung. "Das Auto ist jetzt einfach konstanter bei einem Longrun und ist beim Reifenverschleiß viel besser, es geht viel sanfter mit den Hinterreifen um."

Der große Abbau an der Hinterachse sei beim M6 GT3 immer "ein Thema" gewesen, während der neue M4 GT3 diesbezüglich "sehr stabil" sei, sagt van der Linde. "Das ist die größte Verbesserung für den Fahrer. Und man kann jede Runde sehr konstant fahren, fährt einen sauberen Strich, erwischt die Bremspunkte - und weiß genau, was man vom Auto erwarten kann. Das ist das wichtigste bei einem Auto."

Van der Linde: "Brauchen mehr Topspeed als Audi und Mercedes"

Der M4 GT3 verhalte sich "bei allen Bedingungen besser, aber vor allem Rennen", meint der BMW-Werksfahrer. "Da ist der Schritt vom M6 am größten."

Was er zur Topspeed-Überlegenheit sagt? "Ein Auto wie unseres erreicht seine Rundenzeit ein bisschen anders", stellt van der Linde klar. "Und im BoP-Rennsport musst du das alles in Einklang bringen, um auf die gleiche Rundenzeit zu kommen. Ich persönlich glaube, dass wir immer etwas mehr Topspeed brauchen werden als ein Audi oder ein Mercedes."

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