Marco Wittmann kann noch nicht ganz an seine Glanztaten 2021 anschließen - Bildquelle: Motorsport ImagesMarco Wittmann kann noch nicht ganz an seine Glanztaten 2021 anschließen © Motorsport Images

Mit seinem dritten Platz in Imola meldete sich Marco Wittmann, der im Vorjahr mit dem M6 GT3 und Walkenhorst bis zum Schluss um den Titel kämpfte, nach einem enttäuschenden Saisonstart auf dem Siegerpodest zurück. "Für uns war dieses Wochenende sehr wichtig", sagt der fränkische BMW-Werksfahrer - und blickt nun voraus zum Norisring.

"Ich hoffe, dass wir dieses Momentum zum Heimrennen mitnehmen können. Das Ziel ist nun, auf dem Podest am Norisring noch zwei Schritte weiter nach oben zu klettern. Dann passt alles."

Aber was ist der Grund dafür, dass man nach der Sensation im Vorjahr - kaum jemand hatte Wittmann, Walkenhorst und den M6 vor der Saison auf der Rechnung - dieses Jahr so schwer in die Gänge kommt, während Schubert-BMW-Pilot Sheldon van der Linde die Gesamtwertung anführt?

Fehlende Tests als Ursache für schwachen Start

"Es hat nicht so angefangen, wie wir das erwartet hatten", gibt Wittmann zu, der an den ersten zwei Wochenenden einen vierten und einen zehnten Platz verbuchte, aber auch zweimal mit Technikpech ausfiel, ehe er in Imola nach Platz sieben am Samstag am Sonntag Dritter wurde.

Worauf er diesen Aufwärtstrend - erstmals qualifizierte er sich mit den Startplätzen sieben und drei auch in den Top 10 - zurückführt? "Es liegt vor allem daran, dass wir im Gegensatz zu fast allen anderen vor dem Saisonstart nicht viel getestet haben", sagt Wittmann. "Viele waren vorher schon in Portimao, am Lausitzring und sogar in Imola - wir hatten hingegen nur die offiziellen Testtage."

"Lernen immer noch, den M4 ins richtige Fenster zu bringen"

Dazu kommt, dass das Team den M6 GT3 schon von zahlreichen Langstreckenrennen hervorragend kannte, während der M4 GT3 Neuland bedeutete. "Wir lernen immer noch, wie wir das Auto ins richtige Fenster bringen und wie wir die richtigen Set-up-Werkzeuge finden", gibt Wittmann zu. "Uns bleibt nur das erste und das zweite Freie Training, um die richtige Herangehensweise zu finden und mit dem Auto für das Qualifying in die richtige Richtung zu gehen."

Auch wenn man "nicht den einfachsten Start" gehabt habe, werde es "immer besser", ist Wittmann guter Dinge. Dennoch kann man den Vorsprung der Konkurrenz durch die Testerfahrung nicht so einfach aufholen, da Michelin wegen der Reifenknappheit für Tests keine Pneus rausrückt.

"Das macht uns das Leben auch noch schwieriger", seufzt Teamchef Niclas Königbauer im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Warum man vor der Saison kaum zum Testen gekommen war?

Wieso Wittmann DTM-Bolide bei Test für 24h Spa auftauchte

Das hatte auch damit zu tun, dass man Mitte Februar mit zwei neuen M4 GT3 an der Asian-Le-Mans-Serie teilnahm - und es länger als erwartet dauerte, bis der Container wieder aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zurück war. "Dann hatten wir die NLS", verweist er auf die Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.

"Und dann hilft es auch nicht, dass wir die Autos jeden Tag hin und her bauen müssen für die DTM. Denn wir warten händeringend auf die Autos vier und fünf, die schon seit langer Zeit bestellt sind", stellt Königbauer klar, dass Walkenhorst aktuell nur drei BMW M4 GT3 zur Verfügung hat, von denen zwei in der DTM eingesetzt werden.

Das ist auch der Grund, warum bei den Testfahrten für die 24 Stunden von Spa-Francorchamps vergangene Woche plötzlich Wittmanns M4 im aus der DTM bekannten Schaeffler-Design auftauchte.

Wittmann überzeugt: "Gehen in richtige Richtung"

Doch Walkenhorst hat schon im Vorjahr bewiesen, als man nach einem halben privaten Testtag für die DTM plötzlich am dritten Wochenende in Zolder siegte, dass man mit begrenzten Mitteln Wunder bewirken kann. "Wir gehen in die richtige Richtung - das hat Imola gezeigt", hat Wittmann den Glauben nicht verloren.

Und hofft insgeheim darauf, dass ausgerechnet auf dem Norisring der Knoten platzt. "Mein Sieg vor vier Jahren war sehr emotional", sagt er. "Und ich kann es gar nicht erwarten, dort zu fahren. Vielleicht gelingt uns ja so etwas wie vor vier Jahren."