Eigentlich hatte Vergne Evans im Griff, doch dann... - Bildquelle: Motorsport ImagesEigentlich hatte Vergne Evans im Griff, doch dann... © Motorsport Images

Jean-Eric Vergne, Zweiter bei der Premiere des Jakarta E-Prix, glaubt, dass er den Sieg im Rennen gegen Mitch Evans aufgrund einer Änderung am Batteriemanagement verloren hat.

Vergne führte nach seiner 15. Pole - einer Rekordmarke in der Formel E, mit der er diese Wertung nun allein vor Sebastien Buemi anführt - den E-Prix in der ersten Hälfte des Rennens überwiegend an. Es schien auch, als hätte er Evans im Griff. Bis dieser in Runde 25 zum zweiten Mal Attack-Mode fasste.

Evans kam, als beide Fahrer noch die 30 Kilowatt zusätzlich hatten, bis auf eine halbe Sekunde an Vergne heran. In Runde 32, als Vergnes AttackMode abgelaufen war, setzte er dann den entscheidenden Stich, als er seinen Boliden in Kurve 7 in die Lücke reinlaufen ließ und die Sieghoffnungen des Franzosen beendete.

Vergne ist sich über das Gesamtbild des Positionsverlusts noch nicht ganz sicher, glaubt aber, dass der Grund im Batteriemanagement zu suchen ist: "In Sachen Energie war alles gut. Was nicht gut ausgesehen hat, waren die Temperaturen. Das dürfte der Grund sein, warum ich zurückgefallen bin. Aber ich muss das mit dem Team noch genauestens analysieren."

Mit der Anweisung nicht einverstanden

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir es besser hätten machen können, aber wir gewinnen zusammen und verlieren zusammen. Doch ich hatte das Gefühl, dass heute der Tag war, an dem ich endlich hätte gewinnen können." Vergne ist in der Saison 2022 noch immer sieglos und fuhr in Indonesien seinen dritten zweiten Platz ein. Dank seiner Konstanz liegt er im Titelkampf aktuell auf Platz - zwei.

Auf Nachfrage unseres englischsprachigen Schwesterportals 'Autosport', was genau zu dem Positionsverlust geführt habe, antwortet er, dass er angewiesen wurde, einen anderen Modus zu verwenden. Eine Maßnahme, die er selbst in Frage gestellt hatte.

"Ich weiß genau, was da passiert ist, aber ich möchte es gern für den Moment für mich behalten", so der zweimalige Meister. "Was ich sagen kann ist, dass sie mich anwiesen, in einen anderen Modus zu schalten. Der sorgte dafür, dass ich viel früher ins Segeln übergehen musste, weil ich weniger Energierückgewinnung hatte."

"Ich habe das Team gefragt, ob das wirklich nötig sei, weil ich mir nicht sicher bin. Mitch hatte dadurch wesentlich mehr Speed und muss geglaubt haben, dass ich ein Problem hätte. Deshalb hat er sofort zugeschlagen."

Evans kocht die Hinterreifen

Evans wiederum ist der Meinung, dass er beim ersten Aufeinandertreffen der beiden zu vorsichtig gewesen sei. Da hatte er den Attack-Mode zuerst und wurde später von Vergne überholt. So habe er während der zweiten Attack-Mode-Runde, als er ihn später als Vergne aufnahm, versucht, schneller aufzuholen. Noch bevor Vergnes Zusatzleistung ablief, hatte Evans eineinhalb Sekunden aufgeholt.

"Ich war [beim ersten Attack-Mode] ein kleines bisschen zu vorsichtig und habe zu sehr ans Rennende gedacht. Beim zweiten Mal habe ich gehofft, dass ich JEV ein bisschen schneller einholen würde. Allerdings waren die Möglichkeiten des Attack-Modes im Rennen sehr begrenzt, weil die Hinterreifen das schwächte Glied in der Kette waren."

"Ich kam in einen guten Rhythmus, als ich ihn aktiviert hatte, und kam immer dichter heran. In einer Runde war ich dann plötzlich sehr dicht dran. Ich habe mich für das Manöver in Kurve 7 entschieden. Das war sauberes Racing. Danach habe ich ein bisschen Abstand herausgefahren."

"Ich habe erwartet, dass das so weitergeht, aber urplötzlich sind meine Hinterreifen total eingebrochen. Dadurch hat er wieder aufgeholt. Und dann hat auch noch Edo [ardo Mortara] ihn unter Druck gesetzt und sie sind beide an mich rangekommen. Zum Glück hatten wir alle ungefähr die gleiche Energiemenge übrig. Das war mein Vorteil in der letzten Runde."