Maximilian Günther. - Bildquelle: imago images/Kr‰lingMaximilian Günther. © imago images/Kr‰ling

München - Es war schon einfacher. Deutlich einfacher. 

Doch der Motorsport hat sich stark verändert. Inklusive der Erkenntnis: Talent alleine reicht schon lange nicht mehr. Geld regiert die Welt, auch in den Nachwuchsklassen.

Maximilian Günther weiß das. 

Größte deutsche Nachwuchshoffnung

Er hat es selbst erlebt. Wie es ist, als größte deutsche Nachwuchshoffnung zu gelten, kurz vor der Formel 1 aber steckenzubleiben.

Es ist schwer, das Ganze zu finanzieren. Man kann so schnell sein, wie man will. Am Ende geht es eben oft um das Budget, denn die Karriere kostet. Es ist ein steter Kampf um den großen Traum, bei dem die finanzielle Komponente riesig geworden ist.

Für eine Top-Kartsaison eines Werksteams mit Chancen auf den internationalen Titel muss man heute bis zu 300.000 Euro hinlegen. Eine Formel-2-Saison soll zwischenzeitlich über zwei Millionen Euro kosten.

Geld, das viele normale Familien nicht mal eben auf der hohen Kante haben. Günthers Vater Andreas als Inhaber einer Versicherungsagentur auch nicht. Trotzdem hilft und unterstützt der Papa, wo es geht. Und Sponsoren, wobei die Akquise kein Selbstläufer ist, vor allem als Talent, das noch nicht auf den großen Bühnen tanzt. 

Im Winter 2017 stand Günther am Scheideweg seiner noch jungen Karriere. Nach drei Jahren in der Formel 3 war klar, dass er aufsteigen will. Und muss. Es soll ja weiter nach oben gehen.

Sein Vertrag als Test- und Ersatzfahrer für Mercedes in der DTM endete, dort gab es aufgrund des Ausstiegs aber nicht mehr die ganz große Perspektive. Gleichzeitig hielt er sich so viele Optionen offen wie möglich: Super Formula in Japan, Formel E, dazu die Formel 2. In jeder Serie absolvierte er Testfahrten.

Günther schaffte es in die Formel 2. Bedeutete: Er war im Rahmenprogramm der Formel 1, im Dunstkreis der Königsklasse. Parallel war er Testfahrer für Dragon in der Formel E. Eine ideale Konstellation. 

Arden eine Sackgasse

Denn die Formel 2 war eine Sackgasse, das Arden-Team sportlich nicht der ideale Platz, um sich zu zeigen. Einen Sieg feierte er in der Saison 2018, am Ende stand Gesamtplatz 14. 

Dafür kämpfte er sich durch gute Test-Leistungen zu einem Formel-E-Stammcockpit, 2018/19 bei Dragon, ehe er BMW-Werksfahrer wurde.

Heißt: Die Zeiten, in denen er Geld mitbringen musste, sind vorbei, der 23-Jährige verdient seinen Lebensunterhalt endgültig mit dem, was er am liebsten macht: Rennen fahren. 

Günther startete durch. "Ich habe mich vom ersten Augenblick an sehr wohl gefühlt, als ich im vergangenen Jahr ins BMW-Werksfahrer-Aufgebot aufgenommen wurde", sagt er rückblickend. 

Mit Leistung zurückgezahlt

Er zahlt das mit Leistung zurück, feierte seinen ersten Sieg, war beim durch Corona bedingten kompakten Saisonfinale in Berlin einer der Titelkandidaten. Am Ende wurde es mit einem weiteren Sieg Gesamtplatz neun. 

Der Lohn: eine weitere Saison mit BMW. 

Der frühere BMW-Motorsportchef Jens Marquardt ist voll des Lobes: "Einen trotz seines jungen Alters derart fokussierten, professionellen und schnellen Fahrer bei BMW-Andretti zu haben, ist für das Team sehr wertvoll."

Für Günther ist das BMW-Team der große Pluspunkt, wenn es in die neue Saison der Formel E (live in SAT.1 und auf ran.de) geht. "Unsere größte Stärke ist, dass wir als Team unheimlich kompakt sind. Wir haben alle Zutaten, um in dieser Meisterschaft sehr viel zu erreichen. Wir wissen sehr gut, worauf es ankommt", sagte er. 

Wo sieht Günther Verbesserungspotenzial? Den gebe es immer und man versuche, an allen Kleinigkeiten zu arbeiten, sagte er: "Ich glaube, eine spezielle Herausforderung in der Formel E ist das Qualifying-Format. Leider haben wir es nicht oft genug geschafft, aus Gruppe eins heraus in die Super Pole zu kommen oder grundsätzlich in eine gute Ausgangslage. Das haben wir uns über die Off-Season natürlich sehr genau angesehen und auch die richtigen Schlüsse gezogen, denke ich."

Als Team gut vorbereitet

Er sieht BMW und sich gut vorbereitet. "Ich glaube, dass wir als Team mit den ganzen Herausforderungen der Formel E, die jedes Wochenende auf uns zukommen, sehr gut umgehen können."

Denn wie immer gilt in der Formel E: Einfach wird es nicht.

Doch für Günther war es schon schwerer. Deutlich schwerer.

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