Pascal Wehrlein. - Bildquelle: 2018 Getty ImagesPascal Wehrlein. © 2018 Getty Images

München - Es gibt Momente, die eine Karriere definieren, die sie entscheidend verändern, in eine ganz andere Richtung lenken können.

Bei Pascal Wehrlein war dieser Moment irgendwann um den Jahreswechsel 2016/2017 herum. Nico Rosberg hatte da nach seinem WM-Titelgewinn in der Formel 1 bereits seinen Rücktritt erklärt, Mercedes suchte nach einem Nachfolger, einem neuen Teamkollegen für Lewis Hamilton.

Bottas oder Wehrlein

Und stand vor der Frage: Valtteri Bottas? Oder doch der eigene Junior Pascal Wehrlein?

Am Ende entschieden sich die Silberpfeile für Bottas. Unter dem Strich die wohl angenehmere Option, denn während der Finne noch heute in sich ruht, war Wehrlein schon damals ehrgeizig, und demnach nicht immer einfach. Hinzu kam, dass Wehrlein auch erst eine Saison an Erfahrung mitbrachte.

Für Bottas eröffnete sich die größte Karriere-Chance, für Wehrlein war es im Nachhinein betrachtet der Anfang vom Ende in der Königsklasse.

Er absolvierte 2017 noch seine zweite Saison in der Formel 1 bei Sauber, doch dann war Schluss - die Cockpits gingen an Charles Leclerc und Marcus Ericsson, bei Letzterem vor allem wegen Sponsoren-Geldern.  

Zurück in die DTM

Wehrlein wagte 2018 mit Mercedes deshalb den Schritt zurück in die DTM, um sich noch einmal für die Formel 1 in Stellung zu bringen. 

Doch auch das misslang.

Wehrlein, bei dem es bislang immer im Eiltempo nach vorne ging, wurde ausgebremst, um seinen großen Traum gebracht. Er hatte sich durch Erfolge in den Nachwuchsklassen wie dem Formel Masters oder der Formel 3 rasant einen Namen gemacht, schaffte mit 18 bei Mercedes den Sprung in die DTM, wo er 2015 jüngster Champion in der Geschichte der Serie wurde.

Doch jetzt bekam er kein Cockpit mehr in der Königsklasse und musste sich wegen des Ausstiegs von Mercedes aus der Tourenwagenserie eine neue Herausforderung suchen. Denn Ende 2018 folgte sogar die komplette Trennung von Mercedes. 

Da wurde die Formel E (der Saisonauftakt 2021 am 16. Januar ab 18:30 Uhr live in SAT.1) interessant.

"Ich habe die Formel E bis zur vierten Saison, also ein Jahr bevor ich eingestiegen bin, nicht verfolgt. Aber dann wurde sie interessant für mich. 2018 war ich noch im Tourenwagen unterwegs, sah meine Zukunft aber im Formelsport", sagte er im Podcast "Inside E".

Er dockte bei Mahindra an. Und lernte schnell: Der Einstieg in die Elektrorennserie ist nicht ohne. "Man braucht viel Simulatortraining, um sich daran zu gewöhnen", sagte er. 

Übergang gelungen

Doch der Sprung zwischen den Serien zuvor hat ihm geholfen. "Der Übergang ist mir ganz gut gelungen. Nach den vergangenen Jahren fällt es mir einfacher, meinen Fahrstil anzupassen, weil ich es gewohnt bin, viele unterschiedliche Autos zu fahren", sagte Wehrlein, der seit 2019 zudem Simulatorfahrer des Formel-1-Teams von Ferrari ist.

In 17 Rennen für Mahindra seit seinem Debüt 2018/19 schaffte es Wehrlein einmal auf das Podium. Zur Historie der Serie gehört fraglos das Rennen in Mexiko, als Wehrlein in Führung liegend wenige Meter vor dem Ziel die Energie ausging und er, den Sieg vor Augen, nur Sechster wurde.

Ein Rennen, das durchaus sinnbildlich ist. Denn oft deutete der 26-Jährige sein Potenzial in dem Elektrorenner an, in Resultate ummünzen konnte er es, auch bedingt durch die Konkurrenzfähigkeit des Autos, für seinen Geschmack zu selten.

Denn was Wehrlein die ganzen Jahre über stets geblieben ist: sein extremer Ehrgeiz.

Ziel: Weltmeister werden

Der Wechsel ist daher irgendwo logisch: Im Sommer verkündete er auf Instagram, dass er Mahindra verlässt. Er will jetzt mit Porsche in der Saison 2021 der Formel E durchstarten.

Heißt: Den WM-Titel gewinnen. Wehrlein: "Ich möchte erfolgreich sein, Rennen und Meisterschaften gewinnen. Deshalb denke ich, dass ich bei Porsche genau richtig bin. Für mich ist das der Beginn einer hoffentlich langen und erfolgreichen Zusammenarbeit, und ich werde alles tun, damit wir unsere Ziele erreichen."

Und damit er den nächsten Moment, der die Karriere definiert, selbst bestimmen kann.

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