Fernando Alonso im Aston Martin AMR22 in Abu Dhabi - Bildquelle: Motorsport ImagesFernando Alonso im Aston Martin AMR22 in Abu Dhabi © Motorsport Images

Es sei eine "etwas schmerzhafte" Erfahrung gewesen, erstmals ein Formel-1-Auto von Aston Martin zu fahren, sagt Fernando Alonso. Er habe bei seinem Testeinsatz im AMR22 aus der Saison 2022 nämlich sofort eine Sache erkannt, die es unbedingt anzupassen gelte: den Fahrersitz.

Doch abgesehen davon, dass seine "linke Seite" nach der Probefahrt etwas lädiert gewesen sei, habe er gute erste Eindrücke gesammelt, meint Alonso. "Wir haben ja 97 Runden an nur einem Vormittag reingequetscht. Das war ziemlich extrem."

Zumal der zweimalige Formel-1-Weltmeister vorab gewisse Zweifel gehabt hatte, ob Aston Martin ein solches Mammutprogramm von über 500 Kilometern überhaupt würde meistern können: "Als ich am Vorabend vom Kilometerstand des Motors erfuhr, war ich besorgt und meinte, das sei für meine Begriffe doch ein bisschen hoch. Wir hatten dann aber keine Probleme. Das ist sicherlich herausragend."

Alonso: Bedenken aufgrund der Alpine-Lenkung

Abgesehen von der Motorlaufleistung habe ihn "eigentlich nichts überrascht" an seinem Einstand bei Aston Martin, sagt Alonso weiter. Im Gegenteil: Es sei sogar viel besser gelaufen als erwartet.

"Ich hatte ein paar Bedenken gehabt, was die Lenkung und deren Rückmeldung anbelangt. Denn im ersten Jahr bei Alpine hatten wir fast fünf Monate lang daran arbeiten müssen. Aber: Wir hatten uns in den vergangenen Wochen dazu ausgetauscht und ich war positiv angetan, denn das System bei Aston Martin fühlte sich okay an. Wir müssen gar nicht viel ändern", meint Alonso.

Er selbst aber müsse sich umso mehr umstellen. Der Aston Martin AMR22, wie ihn Alonso in Abu Dhabi gefahren hat, sei nämlich "sehr anders" als der Alpine A522, den Alonso über die Saison 2022 hinweg bewegt hatte. Oder wie es Alonso formuliert: "Die Philosophien, wie die Autos gebaut und eingesetzt wurden, sind grundverschieden."

"Viele kleine Ding" auf der To-Do-Liste bei Alonso

Diese Eindrücke nehme er gerne mit in die Formel-1-Winterpause, mehr aber auch nicht, meint Alonso weiter. "Nächstes Jahr werden wir ja ein praktisch komplett neues Auto haben. Es gibt daher keinen Grund, weshalb man die aktuellen Ideen weiterentwickeln sollte. Uns ging es bei diesem Test mehr um die Einstellungen und dergleichen."

Und dabei seien ihm "viele kleine Dinge" aufgefallen, sagt Alonso. Er will das aber gar nicht als Kritik an Aston Martin verstanden wissen. Es sei ihm nur darum gegangen, "Unterschiede zu spüren" zwischen seinem bisherigen Team und dem künftigen und "zu verstehen, wie man bestmöglich damit umgeht".

"Wir müssen all das erst einmal zusammen anschauen und ich muss im Kopf alles durchgehen, was ich gespürt habe", erklärt er. "Das meiste dreht sich um den Wohlfühlfaktor, nicht so sehr um die Balance oder das Verhalten des Fahrzeugs."

Wo sich Alonso bei Aston Martin umstellen muss

Der Fahrersitz im Aston Martin wird also ein Thema sein, ebenso der Hinweiston für den Gangwechsel, so Alonso. Er wolle gemeinsam mit dem Team auch überlegen, wie sich Hinweise auf dem Lenkrad-Display am besten darstellen lassen und für wie lange diese Hinweise eingeblendet bleiben.

"Solche Dinge", sagt Alonso, "haben im Augenblick wahrscheinlich Priorität. Man hat sich eben an ein Set-up gewöhnt du muss sich jetzt umstellen."

Letzteres gelte sowohl für die Arbeit im Cockpit als auch für die Arbeit außerhalb davon, betont der Ex-Champion. Alonso bezeichnet das als die "zusätzliche Herausforderung" an einem Wechsel. "Du musst dich nämlich erst einmal an neue Leute und an eine neue Arbeitsweise gewöhnen, auch an eine neue Philosophie."

Wo Alonso bei seiner Anpassung jetzt steht

All das brauche seine Zeit. "Aber unterm Strich kommt es immer noch auf die Rundenzeit auf der Rennstrecke an", meint Alonso. Hier wähnt er sich mit Aston Martin auf einem guten Weg: "Bei meinem ersten Versuch kam ich auf 1:26.6 Minuten, was nur drei Zehntel hinter meiner Bestzeit zurücklag. Die Anpassung ist also beinahe schon abgeschlossen."

Doch "beinahe" ist eben noch nicht "komplett". Das sieht auch Alonso so. Der Abu-Dhabi-Test sei unterm Strich nicht viel mehr als ein erstes Kennenlernen gewesen. Die "harte Arbeit" folge erst im Winter, mit "vielen Stunden im Simulator", sagt Alonso.

Er werde sich vor allem virtuell auf seine neuen Aufgaben einstellen: "Ich muss die Bedienung des Lenkrads kennenlernen und alle Abläufe. Die sind doch sehr anders als das, was ich gewohnt bin. All das muss ich trainieren, bis es automatisch abläuft in meinem Kopf, in meinen Händen und bei allen Bewegungen. Damit ich in Bahrain zu hundert Prozent da bin."

Alonso: Emotional schon voll da

Rein emotional habe er diesen Schwellenwert bereits überschritten, meint Alonso. Er sei nach dem Test "viel optimistischer" als vorher. "Als ich bei Aston Martin unterschrieben habe, war ich zu 90 Prozent happy. Als ich sah, wie das Team besser wurde und zum Saisonende nochmals zugelegt hat, war ich bei hundert Prozent. Jetzt, nach dem Test, bin ich bei über hundert Prozent."

Ihn habe "alles positiv überrascht" an Aston Martin, erklärt der zweimalige Formel-1-Weltmeister. "Ja, es war nur der erste Tag, aber man spürt sofort die Energie im Team, wie sehr jeder motiviert ist. Ich habe gleich eine ganz besondere Atmosphäre in der Box gespürt. Ganz ehrlich: Ich kann es nicht erwarten, bis das neue Jahr da ist."