Nachdenklicher Blick: Lewis Hamilton ist mit der Welt im Jahr 2019 alles and... - Bildquelle: Getty ImagesNachdenklicher Blick: Lewis Hamilton ist mit der Welt im Jahr 2019 alles andere als im Reinen © Getty Images

München - Lewis Hamilton steht kurz vor seinem sechsten WM-Titel in der Formel 1. Ein dritter Platz beim nächsten Grand Prix in Mexiko würde den Briten erneut einen Schritt näher an Rekord-Champion Michael Schumacher herankatapultieren. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, ehe der 32-Jährige die Rekorde des Kerpeners für die meisten Rennsiege (neun fehlen noch) und Titel (aktuell zwei weniger) bricht.

Dennoch ist Hamilton mit sich und der Welt keinesfalls im Reinen. Via Instagram hat der Mercedes-Pilot nun einen drei Nachrichten umfassenden Hilferuf in die weite Welt des Internets hinausgeschrien. Darin prangert er auf höchst emotionale Art die Lebensweise vieler Mitmenschen an und scheint ernsthaft darüber nachzudenken, seinen Rennfahrerhelm an den Nagel zu hängen.

Hamilton: "Unser Aussterben wird immer realistischer"

"Hallo Welt. Ich hoffe, alle genießen ihren Tag", beginnt die Botschaft Hamiltons: "Es macht mich gerade traurig, darüber nachzudenken, was mit dieser Welt passiert. Das Aussterben unserer Spezies wird immer realistischer, weil wir unsere Ressourcen überbeanspruchen. Die Welt ist ein verdorbener Ort." Schon das klingt nach jeder Menge aufgestautem Frust, ist aber erst der Anfang.

Ein direkter Vorwurf geht an die Großen und Mächtigen - US-Präsident Donald Trump und Co. dürfen sich angesprochen fühlen. Diese Führungspersönlichkeiten würden sich nicht um die Umwelt scheren.

"Landwirtschaft richtet viel mehr Schaden an als Reiseindustrie"

Zudem verteidigt Hamilton seine vielen Flüge rund um den Globus, die er als Repräsentant einer der bekanntesten Automarken der Welt sowie natürlich in seiner Funktion als Formel-1-Rennfahrer unternimmt. Denn er versichert: "Die Landwirtschaft richtet die Mehrheit des Schadens an, weit mehr als unsere gesamte Reiseindustrie."

Dann eröffnet Hamilton zum Abschluss der ersten Nachricht seine eigentliche Intention: "Es macht mich traurig, so viele Menschen, darunter auch gute Freunde, zu sehen, die die tägliche Entwicklung ignorieren. Bildung ist der Schlüssel und uns wurde beigebracht, dass es gut ist, Tierprodukte zu essen, aber wir wurden über Hunderte von Jahren belogen."

Hamilton ernährt sich seit zwei Jahren vegan

Seit 2017 ernährt sich Hamilton vegan, damals teilte er seine Mission via Snapchat-Gruß mit der Welt: "Ich befinde mich auf der Mission, Veganer zu werden. Leute, die Grausamkeiten an Tieren, die globale Erwärmung und unsere Gesundheit stehen auf dem Spiel." Seither gibt er den Vorkämpfer der Tierfreunde, wurde 2018 von der Tierschutzorganisation "Peta" sogar zur "Person des Jahres" gekürt und eröffnete erst vor zwei Monaten in London ein veganes Fast-Food-Restaurant.

Die aktuelle Entwicklung missfällt ihm offenbar so sehr, dass Hamilton sogar damit zu kokettieren scheint, komplett hinzuschmeißen. "Ehrlicherweise beschäftige ich mich mit dem Gefühl, alles aufzugeben. Komplett runterzufahren", schreibt er in seiner zweiten Nachricht: "Warum sollten wir uns darum scheren, wenn die Welt solch ein Chaos ist und die Menschen sich nicht darum zu kümmern scheinen. Ich werde einen Moment benötigen, um meine Gedanken einzuordnen. Danke an alle, die noch etwas auf diese Welt geben."

Hamilton will "meine Rolle besser spielen"

Auch der dritte Teil der Mitteilung hat es in sich. Darin stellt der sechsmalige Weltmeister seine Bedeutung für Millionen von Menschen ganz schön unter den Scheffel: "Es hat 32 Jahre gedauert, bis ich verstanden habe, welchen Einfluss ich auf die Welt habe und ich versuche jeden Tag herauszufinden, was ich tun kann, um meine Rolle besser zu spielen."

Er strebe danach, "dass mein Leben etwas bedeutet, aber ehrlicherweise bedeutet mein Leben bislang nichts. Ein Teil des Problems darzustellen ist nicht sinnvoll. Teil der Lösung zu sein dagegen schon und ich werde danach streben, mich zu verbessern."

Hamilton appelliert an das Mitgefühlt seiner Follower

Und dann wendet Hamilton sich direkt an seine Follower: "Ich dränge euch, in euch zu gehen und euer Mitgefühl zu wecken, das ihr meiner Meinung nach in euch tragt, und euch daran bewusst zu machen, wie ihr durch eure Essensauswahl dazu beitragt, dass die Fleisch- und Molkerei-Industrie erblüht und ebenso Abholzung, Tierquälerei und der Zerfall von Meeren und Klima täglich voranschreitet."

Seine im Grunde simple Lösung, die ein bisschen nach Bekehrung klingt: "Werdet Veganer, es ist der einzige Weg, um diesen Planeten heutzutage wirklich zu retten. Es könnte so schnell gehen, ihr müsst euch nur darauf einlassen."

Aufmerksamkeit auf Wal- und Delfinfänger-Industrie gerichtet

Welche Rolle sein beruflicher Trip nach Japan am vergangenen Wochenende bei den Botschaften spielte, darüber lässt sich nur spekulieren. Auf jeden Fall hatte Hamilton schon vor dem Formel-1-Rennen in Suzuka auf die in Asien nach wie vor boomende Wal- und Delfinfänger-Industrie aufmerksam gemacht.

In einem Instagram-Post betitelte Hamilton Japan als "einen der schönsten, friedvollsten und wunderbarsten Orte der Welt". Zugleich bat er zu einem Clip von Delfin-Shows: "Bitte, bitte unterstützt diese auf der ganzen Welt abgehaltenen Shows nicht, kauft keine Tickets, um mit euren Kindern hinzugehen. Bringt ihnen stattdessen bei, dass Delfinen, Walen und anderen Meerestieren schreckliche Dinge angetan werden. Diese wunderbaren Lebewesen sollten nicht leiden müssen." Dafür will der Superstar der Rennstrecke kämpfen - nicht nur in sozialen Medien.

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