Red Bull vermutet, dass Aston Martin womöglich auf illegale Art kopiert hat - Bildquelle: ImagoRed Bull vermutet, dass Aston Martin womöglich auf illegale Art kopiert hat © Imago

München - Die Frage, ob Aston Martin Daten illegal von Red Bull ausspioniert hat oder nicht, sollte "innerhalb von maximal zwei Monaten" geklärt sein. Davon geht zumindest der gelernte Jurist Helmut Marko, Motorsportkonsulent von Red Bull, in einem Interview mit "Sky" aus.

Marko hatte nach dem Update des Aston Martin AMR22, das insbesondere im Bereich der Seitenkästen dem Red Bull RB18 verblüffend ähnelt, erklärt, dass Red Bull "Evidenzen" habe, wonach möglicherweise Daten von Red Bull zu Aston Martin transferiert wurden. Allerdings hat die FIA Aston Martin nach einer ersten Untersuchung in Barcelona zunächst entlastet.

"Kopieren, geschickt gemacht, ist erlaubt", stellt Marko klar. "Nachdem es Aston Martin ist, glaube ich, dass die nicht so schnell auf unser Niveau kommen werden, auch wenn sie ein Auto von unserer technischen Kapazität haben. Aber man muss das generell abklären: Was ist erlaubt? Wie weit geht das?"

"Es gibt ja nicht nur uns, sondern es gibt auch andere Teams, die davon betroffen sind. Es ist, glaube ich, eine generelle Frage für die FIA, dass sie ein für alle Mal klarstellen, was ist im Gesetz und im Sinne des Sports das Erlaubte und das Ertragbare?"

Steiner: Aston Martin hat nicht betrogen

Bei den anderen Teams gibt's zu dem Thema unterschiedliche Ansichten. Günther Steiner, dessen Haas-Rennstall eng mit Ferrari zusammenarbeitet, sieht kein "Copygate 2.0" auf die Formel 1 zurollen: "Ein Auto zu kopieren, das du gesehen hast, ist nicht verboten. Nur Daten mitzunehmen, das wäre illegal. Aber ich glaube nicht, dass das passiert ist."

"Das tun wir doch alle, in einem gewissen Ausmaß, dass wir uns die anderen Autos anschauen und daraus dann unsere eigenen Entwicklungen und Verbesserungen ableiten. Du schaust dir andere Autos an, du kriegst dadurch Ideen, und die baust du dann an dein Auto. Das ist ganz normal", findet Steiner.

James Key, Technischer Direktor von McLaren, bewertet das Thema anders. Seiner Meinung nach müssen strenge Mechanismen sicherstellen, dass keine Daten von einem Team zum anderen wandern. Das sei vor allem in Zeiten (nach) der Pandemie erforderlich, da das Homeoffice auch für viele Formel-1-Ingenieure zu einem wichtigen Arbeitsplatz geworden ist.

Warum die Teams Daten nicht immer schützen können

"Die Leute nehmen die Daten mit nach Hause, um sie dort zu analysieren, manchmal auch übers Wochenende. Das Verlangen nach Flexibilität ist in den vergangenen Jahren gestiegen, also muss man solche Freiheiten zulassen", sagt Key. Kehrseite: Im Homeoffice ist der Datenschutz nicht immer gewährleistet.

Anderes Beispiel: "Wenn du in einem Flugzeug arbeitest, kannst du nicht immer mit der Cloud verbunden sein. Also muss es möglich sein, bestimmte Informationen auf dem Laptop zu speichern." Die können dann aber relativ einfach auf einen Datenträger gespeichert und geheim an andere Teams transferiert oder zu anderen Teams mitgenommen werden.

Zuletzt wurden sieben Red-Bull-Mitarbeiter von Aston Martin abgeworben; laut Marko mit ungewöhnlich hohen Gagen. Key findet: "Wenn jemand zu einem Gegner wechselt, gibt's klare Schritte, die jedes Team einleitet, um solche Schlupflöcher zu stopfen. Und dann muss man im Nachhinein die Logdaten genau untersuchen."

FIA filmt sogar im Windkanal

Steiner kann sich trotzdem nicht vorstellen, dass einer oder mehrere der von Red Bull zu Aston Martin gewechselten Mitarbeiter Daten illegal mitgehen haben lassen: "Die FIA weiß genau, wann welche Entwicklung im Windkanal war. Das wird alles überwacht und gefilmt. Und du musst deine CFD-Daten der FIA geben."

"Die FIA kann daher genau beurteilen, wann jemand mit der Arbeit an einem Update begonnen hat. Das ist alles nachprüfbar", sagt Steiner und spekuliert: "Vielleicht ist auch ein Aerodynamiker von Red Bull gekommen und hat gesagt: 'Wir sollten dies und jenes ausprobieren.' Und sie haben das dann selbst entwickelt. Das wäre auch nicht verboten."

Stand vor Monaco sieht die Faktenlage so aus: Aston Martin wurde von der FIA vom Verdacht eines illegalen Vorgangs freigesprochen. Seitens Red Bull steht der Vorwurf im Raum, dass möglicherweise Daten transferiert wurden. Red Bull muss jetzt die internen Vorgänge untersuchen, um der FIA gegebenenfalls neues Beweismaterial zur Verfügung stellen zu können.

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