Max Verstappen fuhr in Barcelona erst in letzter Minute in die Startaufstell... - Bildquelle: Motorsport ImagesMax Verstappen fuhr in Barcelona erst in letzter Minute in die Startaufstellung © Motorsport Images

Im Zoom-Mediencall des Ferrari-Teams am Sonntagabend in Barcelona sorgte Mattia Binotto für hochgezogene Augenbrauen, als er von einem Journalisten auf die Legalität des Red Bull RB18 beim Grand Prix von Spanien angesprochen wurde. Denn kurz vor dem Start des Rennens hätte sich bei den Ferrari-Rivalen - weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit - beinahe ein kleines Drama abgespielt.

"Ich weiß natürlich nicht, was dort los war", so Binotto. "Ich kann mir aber vorstellen, dass es mit den Benzintemperaturen im Tank zu tun hatte, die maximal zehn Grad unter der Umgebungstemperatur liegen dürfen."

Nachsatz: "Ich denke, die Regeln sollten zu jedem Zeitpunkt eines Rennwochenendes eingehalten werden. Nicht nur, wenn das Auto auf die Strecke geht. Sondern auch in der Box."

Benzintemperatur: Was die Formel-1-Regeln besagen

Was war passiert? In Artikel 6.4.2 des Technischen Reglements 2022 ist festgelegt, dass das Benzin um maximal zehn Grad kühler sein darf als die Umgebungstemperatur eine Stunde vor Beginn eines Trainings oder Qualifyings beziehungsweise zwei Stunden vor dem Rennstart.

Für die ersten fünf Rennwochenenden der Saison hatte man sich in der Formel 1 darauf geeinigt, die Mindesttemperatur des Benzins pauschal auf 18 Grad Celsius festzulegen. Für Barcelona trat jedoch wieder die ursprüngliche Regel in Kraft.

Zum Messzeitpunkt zwei Stunden vor dem Rennen betrug die von der FIA an die Teams kommunizierte Umgebungstemperatur 35 Grad; das Benzin durfte also maximal auf 25 Grad runtergekühlt werden.

Das Benzin möglichst weit runterzukühlen hilft sowohl der Performance als auch der Zuverlässigkeit des Antriebs. Ein Thema, das dieses Jahr auch Aston Martin schon zum Verhängnis wurde. Auf dem Grid in Miami merkte das Team von Sebastian Vettel und Lance Stroll, dass das Benzin um acht Grad kühler als erlaubt war. Also mussten die beiden aus der Boxengasse starten.

Warum es überhaupt eine Ausnahmeregelung gab

Möglicher Hintergrund: Die 18 Grad Mindesttemperatur, auf die sich die Teams für die ersten fünf Rennwochenenden geeinigt hatten, waren ursprünglich als nur zehn Grad gedacht gewesen. Damit waren aber einige Teams nicht einverstanden, sodass 18 Grad als Kompromiss ausgehandelt wurden.

Hintergrund, warum die Benzintemperatur-Regel überhaupt ausgesetzt wurde, ist übrigens die Einführung von E10-Benzin für die Saison 2022. Offenbar war damit eine FIA-Standardpumpe im Benzinsystem überfordert.

In Barcelona merkten sowohl Red Bull als auch AlphaTauri kurz vor dem Rausfahren in die Startaufstellung, dass das Benzin im Tank noch zu kalt war. Also wartete man bis zur letzten Minute und ließ inzwischen die Motoren laufen, um das Benzin so zu erwärmen.

Das kostete dem späteren Sieger Max Verstappen, an dessen Heckflügel zeitgleich wegen der DRS-Probleme im Qualifying gearbeitet wurde, die Möglichkeit, zwei bis drei Erkundungsrunden zu drehen und dabei nochmal Starts zu üben.

Bintto sät Zweifel, ohne Vorwürfe zu erheben

Binotto wundert sich: "Ich glaube nicht, dass ein Starten des Motors ausreicht, denn das Benzin sollte zu keinem Zeitpunkt der Veranstaltung um mehr als zehn Grad abweichen." Aber: "Ich kann diesbezüglich nur der FIA vertrauen. Ich bin mir sicher, dass sie das geprüft haben."

Der Verband meldete keinen Regelverstoß seitens Red Bull. Zumal es in Artikel 6.4.2 wörtlich heißt: "No fuel intended for immediate use in a car may be more than ten degrees centigrade below ambient temperature." Entscheidend dabei die Formulierung "immediate use" - sprich: Die Temperatur muss nur unmittelbar vor dem tatsächlichen Einsatz korrekt sein.

Letztendlich spielte das Drama für den Ausgang des Rennens keine entscheidende Rolle. Verstappen gewann den Grand Prix vor seinem Teamkollegen Sergio Perez und übernahm damit sogar die WM-Führung.