Unser Kommentator Jan Lüdeke (kleines Bild) im Interview. - Bildquelle: 2016 Getty Images / PrivatUnser Kommentator Jan Lüdeke (kleines Bild) im Interview. © 2016 Getty Images / Privat

München – Knallharte Jungs. Die besten Rugby-Spieler der Welt. ProSieben MAXX und ran.de übertragen vom 27. Oktober bis 2. Dezember die Weltmeisterschaft im Rugby League. Kommentieren wird das Turnier Jan Lüdeke.

Der ran-Rugby-Kommentator hat uns in einem Interview verraten, was diese spezielle Form von Rugby ausmacht, welche Teams die Favoriten sind und worauf sich die Zuschauer freuen dürfen.

ran.de: Hallo Jan, du kommentierst für uns die Weltmeisterschaft im Rugby League. Was ist Rugby League eigentlich genau?

Jan Lüdeke: Rugby League ist eine ganz bestimmte Form des Rugbys. Es wird mit 13 Spielern gespielt und wir übertragen auf ProSieben MAXX und ran.de die Weltmeisterschaft in dieser Sportart.

ran.de: Was macht diese Form des Rugbys aus?

Jan Lüdeke: Es ist unfassbar schnell und es gibt wahnsinnig viel Kontakt. Es gilt so ein bisschen als die Arbeitervariante vom Rugby. Es entstand in den Arbeiterstädten in Nordengland, parallel zur Rugby Union, die 15er Variante des Rugbys, und man wollte einfach noch mehr Kontakt, noch mehr Tackles. Kurz: Man wollte einfach, dass es so richtig clasht.

ran.de: Was ist charakteristisch für Rugby League?

Jan Lüdeke: Es gibt keinen Kampf um den Ball, sondern nach sechs Tackles wechselt der Ballbesitz automatisch. Daher spielt eine Mannschaft in der Regel bis zu fünf sogenannte "Hitups". Das bedeutet, ein Spieler bekommt den Ball und läuft dann in den Kontakt. So spielen die Teams in der Regel fünf Phasen, um Punkte zu erzielen. Wenn die Angriffsposition dann dafür nicht ausreicht, wird der Ball möglichst tief gekickt, damit das gegnerische Team möglichst weit hinten anfängt. Vereinfacht gesagt vergleichbar mit einem Punt in der NFL.

ran.de: Und der Spielfluss ist größer.

Jan Lüdeke: Genau. Das Feld ein bisschen enger als beim 15er Rugby, dementsprechend gibt es viel Kontakt. Es wird sich nicht groß aufgehalten mit Standardsituationen, wie dem Gedränge oder der Gasse. Das wird beim Rugby League quasi unumkämpft gespielt, sodass der Ball möglichst schnell wieder im Spiel ist.

ran.de: Wie gut sind die Rugby-League-Spieler im Vergleich zu den anderen Rugby-Varianten?

Jan Lüdeke: Es ist tatsächlich so, dass es beim Rugby League eigentlich die besten Rugby-Spieler sind. Darüber habe ich mich vor kurzem noch mit einem ehemaligen italienischen Nationalspieler aus dem 15er Rugby unterhalten. Die Spieler mit den höchsten Skills waren schon immer beim Rugby League.

Da wird zum Beispiel viel mit sogenannten "Offloads" gearbeitet. Das heißt, wenn ein Spieler gerade getackelt wird, er den Ball in dieser Situation doch noch passt, um den Ball am Leben zu halten. Und das wurde dann nach und nach auch im 15er Rugby immer wichtiger. Es ist auch die Variante mit dem höchsten Fitness-Anspruch an die Sportler.

ran.de: ran steht vor allem für NFL-Übertragungen. Was sind die größten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum American Football?

Jan Lüdeke: Eigentlich kann man Football und Rugby überhaupt nicht vergleichen. Die einzigen beiden Gemeinsamkeiten sind eigentlich Kontaktsport und eiförmiger Ball. Dadurch, dass beispielsweise beim Rugby der Ball nur nach hinten gepasst werden darf, haben die Sportarten nicht so viel miteinander zu tun.

ran.de: Auf welche Teams sind bei der Weltmeisterschaft besonders zu achten?

Jan Lüdeke: Es wäre ein Riesen-Wunder, wenn Australien nicht Weltmeister wird. Die zwei größten Herausforderer sind Neuseeland und England. Nationen wie Samoa, Tonga oder Papua-Neuguinea sind zwar auch gut, aber die werden es schwer haben.

Australien ist die größte Rugby-League-Nation. Die haben die beste Liga der Welt, die NRL - National Rugby League. Dort spielen 15 australische und ein neuseeländisches Team mit. In England gibt es dann noch eine relativ gute Liga, aber die ist vom Niveau nicht ganz so hoch wie in Australien. Von den 14 Weltmeisterschaften hat Australien zehnmal den Titel geholt.

ran.de: Deutschland ist bei der Weltmeisterschaft im Rugby League nicht dabei. Wie gut ist das deutsche Team?

Jan Lüdeke: Es ist natürlich relativ klein hier, auch im Vergleich zu den anderen Rugby-Varianten 7er und 15er Rugby. Die deutsche Nationalmannschaft hat erst kürzlich gegen das walisische Team "Wales Dragonhearts" gewonnen und macht sich prinzipiell ganz gut. Aber das reicht natürlich noch nicht zur Weltspitze.

ran.de: Wer sind die Superstars bei der Weltmeisterschaft?

Jan Lüdeke: Die meisten gibt es natürlich im australischen Team. In ihrer Hintermannschaft haben sie Billy Slater, Cooper Cronk oder Cameron Smith. Das sind drei der besten Spieler der Welt. Alle drei sind Spielmacher. Das ist das Star-Trio in Australien.

Bei den Engländern ist Sam Burgess der Star. Er ist ein Stürmer, hat 2015 übrigens die 15er-WM für England gespielt. Das war ein Experiment, lief aber nicht ganz so gut und so kehrte er zum Rugby League zurück. Der ist aber auch in Australien ein richtiger Star.

ran.de: Sam Burgess hat ja auch schon bewiesen, dass er ein richtig harter Hund ist.

Jan Lüdeke: Zu ihm gibt es eine unfassbare Geschichte. Burgess spielte 2014 im Grand Final der NRL für die South Sydney Rabbitohs, die dann auch Meister wurden. Doch im ersten Tackle des Spiels hat er sich das Gesicht zertrümmert (gebrochener Wangenknochen, Anm. d. Red.) und trotzdem bis zum Ende durchgespielt. Der hat über 70 Minuten mit einem gebrochenen Gesicht gespielt. Und da muss man bedenken, dass es beim Rugby keine Schutzkleidung gibt wie beispielsweise in der NFL.

ran.de: Du sprachst von den Spielmachern beim australischen Teams. Wie muss man sich diese Position vorstellen?

Jan Lüdeke: Diese Spieler verteilen die Bälle und leiten die Spielzüge ein. Sie müssen die Entscheidungen treffen. Wann werden Hitups gelaufen, wann geht es über die Hintermannschaft und so weiter. Sie setzen aber auch die Kicks. Beim Rugby League sind immer vier Spielmacher auf dem Feld.

ran.de: Woher kommt deine Expertise im Rugby?

Jan Lüdeke: Ich habe selber gespielt. In München für Studentenstadt Rugby, aktuell Tabellenführer der zweiten Bundesliga Süd. Ich spiele zwar jetzt nicht mehr, weil ich als Kommentator vor allem am Wochenende arbeiten muss. Aber ich war von 2007 an acht, neun Jahre lang aktiv. Ich habe 2015 beispielsweise auch die 15er Rugby-WM kommentiert.

Rugby League war für mich zunächst auch etwas Neues. Aber nach den ersten Spielen 2016 hat mich das dann komplett gepackt. Es sieht auf dem ersten Blick ziemlich roh und simpel aus, aber es ist extrem komplex. Aber das alles werde ich dann bei den Übertragungen erklären (lacht).

Das Interview führte Julian Reusch

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