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NFL - Super Bowl - Markus Kuhn: Die New England Patriots sind auf Gewinnen ausgelegt

  • Veröffentlicht: 29.01.2026
  • 17:33 Uhr
  • Andreas Reiners

Die New England Patriots und die Seattle Seahawks stehen sich in Super Bowl LX gegenüber. Wir haben mit Markus Kuhn unter anderem über das Matchup, eine neue Patriots-Dynastie, Drake Maye und Sam Darnold gesprochen.

Das Interview führte Andreas Reiners

Nein, auch Markus Kuhn hatte diesen Super Bowl vor der Saison nicht auf dem Zettel.

New England Patriots gegen die Seattle Seahawks: Mit diesem NFL-Endspiel haben wohl nur die wenigsten gerechnet. "Bei den Patriots hatte man zunächst erwartet, dass sie sich erst einmal finden müssen mit einem neuen Head Coach und neuen Strukturen", sagte Kuhn im ran-Interview.

Bei den Seahawks habe es "ein paar Puzzleteile" gegeben, "die bereits vorhanden waren", betont Kuhn: "Aber dass sie am Ende so stabil und so konstant sind, dass es tatsächlich bis in den Super Bowl reicht, das hätte ich vor der Saison nicht gedacht."

In der Nacht vom 8. auf den 9. Februar (ab 23:15 Uhr live im Free-TV bei RTL, Kickoff um 0:30 Uhr) kommt es im Levi’s Stadium in Santa Clara nun aber zur Revanche von Super Bowl XLIX. Damals behielten die Patriots die Oberhand. Vor allem die Seahawks erinnern sich mit Grauen an eine der größten Playcalling-Fehlentscheidungen eines Head Coaches in der SB-Geschichte.

"Fans erinnern sich daran, Organisationen erinnern sich daran", sagt Kuhn. "Gerade auf Seiten der Seahawks gibt es sicher noch das Gefühl, dass mit den Patriots eine Rechnung offen ist, auch wenn das eher auf emotionaler Ebene eine Rolle spielt als auf dem Feld."

Wir haben mit Kuhn unter anderem über das Matchup, eine neue Patriots-Dynastie, Drake Maye und Sam Darnold gesprochen.

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Das Wichtigste in Kürze

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ran: Markus Kuhn, Patriots gegen Seahawks heißt es im Super Bowl: Wo standen die beiden Teams auf Ihrer Favoritenliste vor der Saison?

Markus Kuhn: Ich glaube, da ging es vielen ähnlich wie mir. Bei den Patriots hatte man zunächst erwartet, dass sie sich erst einmal finden müssen mit einem neuen Head Coach und neuen Strukturen. Dass sie so schnell und so weit durchstarten würden, damit hat wohl kaum jemand gerechnet. Und auch bei den Seahawks war es überraschend. Es gab ein paar Puzzleteile, die bereits vorhanden waren. Aber dass sie am Ende so stabil und so konstant sind, dass es tatsächlich bis in den Super Bowl reicht, das hätte ich vor der Saison nicht gedacht.

ran: Welche Entwicklungsschritte waren entscheidend für den Einzug ins NFL-Finale?

Kuhn: Von außen kann man natürlich nie alles sehen – wie Teams intern aufgestellt sind, welche taktischen Details greifen. Aber bei den Patriots muss man eines klar sagen: Das ist eine Organisation, die Erfolg kennt. Sie haben sehr schnell erkannt, dass es mit Jerod Mayo nicht wie erhofft funktioniert. Dass sie dann die Konsequenz hatten, umzusteuern, und dass mit Mike Vrabel genau der richtige Coach verfügbar war, war aus meiner Sicht einer der entscheidenden Bausteine. Dazu kam, dass sie mit Josh McDaniels einen Offensive Coordinator bekommen haben, der genau in dieser Rolle seine Stärken hat. Er ist als Coordinator stärker als als Head Coach, und das sieht man. Die Patriots wirken wieder klar strukturiert, fast wie früher. Sie haben vielleicht keinen Quarterback, der das Spiel ausschließlich über den Arm dominiert wie Tom Brady, aber einen, der situativ mit den Beinen First Downs holt, Drives verlängert und Spiele entscheiden kann.

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Seahawks: Macdonald mit herausragendem Job

ran: Und die Seahawks – was hat dort den Ausschlag gegeben?

Kuhn: Ich glaube, die Seahawks haben sich selbst immer etwas besser gesehen, als sie von außen wahrgenommen wurden. Und das ist oft ein entscheidender Faktor. Mike Macdonald macht einen herausragenden Job, und das bereits in seinem zweiten Jahr. Ich erinnere mich daran, wie er in seinem allerersten Teammeeting gesagt hat: 'Visualisiert, dass das Championship Game bei uns zu Hause stattfindet.' Und plötzlich war dieses Szenario gar nicht mehr so weit weg. Manchmal glauben Teams eben stärker an sich selbst als die Öffentlichkeit und sie haben intern oft die bessere Perspektive darauf, was möglich ist.

ran: Wie beeindruckend ist es bei den Patriots, dass sie nach zwei desaströsen 4–13-Saisons wieder den Weg in den Super Bowl geschafft haben?

Kuhn: Das ist unglaublich. Jedes Team, das schon einmal im Super Bowl gestanden hat, weiß, wie schwer es ist, überhaupt wieder dorthin zurückzukommen – und das gilt erst recht nach einem kompletten Umbruch. Neuer Head Coach, gefühlt ein neuer Quarterback, ein nahezu komplett neu zusammengestellter Kader. Von der früheren Patriots-Dynastie war kaum noch etwas übrig. Dass sie es trotzdem in so kurzer Zeit wieder nach oben geschafft haben, zeigt, wie stark diese Organisation grundsätzlich aufgestellt ist.

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NFL - Injury Update vor dem Super Bowl: Drake Maye trainiert nur eingeschränkt

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<strong>Drake Maye (New England Patriots)</strong><br>Schlechte und gute Nachrichten für die New England Patriots: Nachdem sich Drake Maye im Playoff-Spiel gegen die Denver Broncos offenbar an der Schulter verletzt hatte, konnte er in der ersten On-Field-Einheit vor dem Super Bowl nur eingeschränkt trainieren. Positiv jedoch: Dass er nicht komplett draußen saß, ist ein gutes Zeichen für einen Einsatz.
© 2026 Getty Images

Drake Maye (New England Patriots)
Schlechte und gute Nachrichten für die New England Patriots: Nachdem sich Drake Maye im Playoff-Spiel gegen die Denver Broncos offenbar an der Schulter verletzt hatte, konnte er in der ersten On-Field-Einheit vor dem Super Bowl nur eingeschränkt trainieren. Positiv jedoch: Dass er nicht komplett draußen saß, ist ein gutes Zeichen für einen Einsatz.

<strong>Robert Spillane (New England Patriots)</strong><br>Etwas mehr Sorgen machen sich die Coaches in New England um Robert Spillane. Der Middle Linebacker, der in der Defense auch die Plays ansagt, musste die Partie in Denver bereits mit einer Knöchelverletzung verlassen. Im ersten Injury Report wurde er mit "DNP" aufgeführt, also "Did not Practice".
© ZUMA Press Wire

Robert Spillane (New England Patriots)
Etwas mehr Sorgen machen sich die Coaches in New England um Robert Spillane. Der Middle Linebacker, der in der Defense auch die Plays ansagt, musste die Partie in Denver bereits mit einer Knöchelverletzung verlassen. Im ersten Injury Report wurde er mit "DNP" aufgeführt, also "Did not Practice".

<strong>Zach Charbonnet (Seattle Seahawks)</strong><br>Schlimme Nachricht für die Seattle Seahawks: Running Back Zach Charbonnet hat sich entgegen erster optimistischer Prognosen doch schwer verletzt. Der 25-Jährige zog sich beim Blowout-Sieg gegen die San Francisco 49ers in der Divisional Round einen Kreuzbandriss zu und wird nicht nur die restlichen Playoffs, sondern wohl auch einen erheblichen Teil der kommenden Saison verpassen.
© Imagn Images

Zach Charbonnet (Seattle Seahawks)
Schlimme Nachricht für die Seattle Seahawks: Running Back Zach Charbonnet hat sich entgegen erster optimistischer Prognosen doch schwer verletzt. Der 25-Jährige zog sich beim Blowout-Sieg gegen die San Francisco 49ers in der Divisional Round einen Kreuzbandriss zu und wird nicht nur die restlichen Playoffs, sondern wohl auch einen erheblichen Teil der kommenden Saison verpassen.

ran: Inwiefern?

Kuhn: Die Patriots sind auf Gewinnen ausgelegt. Es geht dort nicht einfach um ein gutes Investment, sondern um sportlichen Erfolg. Die Kraft-Familie lebt Football. Robert Kraft ist ein riesiger Fan, war selbst als junger Mann im Stadion, kennt die Perspektive der Zuschauer. Er will den Menschen in New England etwas geben, worauf sie stolz sein können. Dass die Patriots so schnell wieder oben sind, ist deshalb wirklich extrem beeindruckend.

ran: Trotzdem: Die Patriots hatten einen vergleichsweise leichten Spielplan und auch einige günstige Fügungen. Wie groß war dieser Faktor am Ende?

Kuhn: Klar, es hieß oft: der einfachste Schedule. Aber am Ende spielt trotzdem gefühlt jedes Team gegen jedes und wir sagen nicht ohne Grund, dass an jedem Sonntag alles passieren kann. Andere Teams haben ebenfalls gegen vermeintlich schwächere Gegner gespielt und verloren, während die Patriots diese Spiele gewonnen haben. Ich glaube deshalb nicht, dass der Erfolg daran liegt, wie schwach andere waren oder wie leicht der Spielplan war, sondern daran, wie gut die Patriots ihre Aufgaben gelöst haben. Sie sind aus Coaching-Sicht hervorragend vorbereitet, haben für jeden Gegner einen klaren Gameplan, sind gut eingeschworen, arbeiten extrem geschlossen und vertrauen dem Prozess ihrer Coaches. Das ist aus meiner Sicht der entscheidende Punkt.

Patriots: Drake Maye - Parallelen zum jungen Brady?

ran: Ein Schlüsselspieler ist Drake Maye. Die Vergleiche mit Tom Brady kommen automatisch. Gibt es Parallelen zum jungen Brady?

Kuhn: Die größte Parallele ist, dass beide für dasselbe Team auf derselben Position spielen und dass sie auf ihre Art extrem harte Arbeiter sind. Vom Spielstil her sind sie aber unterschiedlich. Brady war nie besonders athletisch, dafür außergewöhnlich stark in seinen Entscheidungen und extrem sauber mit dem Ball. Drake Maye macht ebenfalls wenige Fehler, wird aber von seiner Offense auch nicht dazu gezwungen, ständig hohe Risiken einzugehen. Das ist enorm wichtig, um konstant gute Leistungen zu bringen.

ran: Maye ist erst 23 Jahre alt und in seiner zweiten NFL-Saison. Was beeindruckt Sie an ihm am meisten?

Kuhn: Er hat drei Jahre College gespielt, insgesamt aber relativ wenige Spiele absolviert, sowohl auf College- als auch auf Profi-Niveau. Trotzdem wirkt er schon sehr abgeklärt. Das haben wir auch in der entscheidenden Szene gesehen, als er das First Down, das letztlich spiel- oder sogar siegentscheidend war, selbst erlaufen hat. In so einem Moment den Mut zu haben, die Verantwortung auf sich zu nehmen, selbst zu gehen und nicht darauf zu hoffen, dass es jemand anderes löst, ist für einen so jungen Quarterback extrem beeindruckend.

ran: Wäre er der verdiente MVP?

Kuhn: Für mich hätte er die Auszeichnung absolut verdient. Es geht beim MVP nicht nur darum, wie gut jemand spielt, sondern auch darum, wie wichtig er für den Erfolg seines Teams ist. Und da ist Maye für die Patriots aus meiner Sicht sogar noch entscheidender als zum Beispiel Matthew Stafford für die Rams.

ran: Es gab viele Memes mit Drake Maye und Head Coach Mike Vrabel – oft in Anlehnung an Brady und Bill Belichick. Kann das der Beginn einer neuen Dynastie sein oder ist das zu früh?

Kuhn: Ich glaube, um von einer Dynastie zu sprechen, muss man erst einmal den Grundstein legen und im besten Fall gemeinsam einen Super Bowl gewinnen. Sollten sie das schaffen, wäre das zumindest ein riesiger Paukenschlag und ein klares Zeichen, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Dann könnte man von einem möglichen Anfang sprechen. Wenn sie den Super Bowl nicht gewinnen, ist es natürlich noch keine Dynastie. Aber so, wie das Team aktuell aufgestellt ist, wie Mike Vrabel zur Organisation der Patriots passt, glaube ich schon, dass man in den kommenden Jahren weiter mit New England rechnen muss. Ob sie jemals wieder diese extreme Dominanz der letzten 20 Jahre erreichen, halte ich aber für sehr unwahrscheinlich.

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ran: Wenn man es kurzfristig sieht: Was muss passieren, damit aus diesem Erfolg langfristig mehr wird als nur ein starkes Jahr?

Kuhn: Grundsätzlich würde sich jedes Team freuen, regelmäßig in die Playoffs zu kommen oder konstant oben mitzuspielen. Es gibt Franchises – man denke nur an die Cowboys –, die seit den 90er-Jahren kein NFC Championship Game mehr erreicht haben, obwohl sie immer wieder gute Saisons spielen. Am Ende sind es oft die Organisationen selbst, die den Unterschied machen. Und die Patriots sind von ganz oben – von der Ownership-Seite der Kraft-Familie – herausragend geführt. Das ist aus meiner Sicht auch der Hauptgrund, warum die Patriots seit dem Einstieg der Krafts über so viele Jahre erfolgreich waren und es vermutlich auch bleiben werden. Man trifft nicht immer die bequemen Entscheidungen, sondern die schwierigen, die langfristig dem Team helfen. Alles wird dem sportlichen Erfolg untergeordnet und nicht der öffentlichen Meinung oder kurzfristigen Stimmungen.

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New England Patriots und die spezielle Mentalität

ran: Trainer, Manager und Spieler kommen und gehen. Frisst sich diese Mentalität, die eine Franchise prägt, dauerhaft fest? Oder kann sie auch verloren gehen?

Kuhn: In der NFL ist diese Mentalität oft die einzige echte Konstante. Es sind nicht der General Manager, nicht der Head Coach und auch nicht die Spieler, es sind die Besitzer. Die Besitzergruppe bestimmt, wie eine Organisation geführt wird. Nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich und kulturell. Die entscheidende Frage lautet: Willst du überall der Beste sein? Bei den Patriots ist das klar der Fall. Ich kenne das auch von der Business-Seite sehr genau: Sie sind vorne dabei, etwa bei der Internationalisierung. Die Patriots sind darauf ausgerichtet, in allen Bereichen führend zu sein. Das ist Teil der DNA. Bei anderen Franchises ist es eher so: Wir verdienen unser Geld ohnehin, und wenn es sportlich mal läuft, dann schön und wenn nicht, auch okay.

ran: Apropos sportlicher Erfolg. Wie bei den Patriots besticht bei den Seahawks die Defense. Kommt sie an die legendäre Legion of Boom heran oder ist sie schon besser?

Kuhn: Ich war zuletzt selbst in Seattle. Ob sie besser sind, weiß ich nicht, aber sie erinnern stark an die Legion of Boom, vor allem in ihrer Spielweise. Sie haben aktuell eine sehr gute Mischung: starken Pass Rush, sehr gute Defensive Backs, dazu eine Physis, die sich auch in harten Hits zeigt. Gleichzeitig sind sie ausgeglichen: stark gegen den Lauf, stark gegen den Pass. Selbst die kleineren, schmaleren Spieler helfen konsequent gegen den Lauf mit. Deshalb ist es nicht überraschend, dass viele Parallelen ziehen. Vom Stil, von der Aggressivität, von der Geschlossenheit her sind sie der Legion of Boom durchaus ähnlich.

ran: "Defense wins Championships" heißt es ja. Welches Team bringt im Super Bowl die besseren Voraussetzungen mit?

Kuhn: Die Patriots-Defense macht ebenfalls einen herausragenden Job. Allein die Broncos in einem Halbfinale bei nur sieben Punkten zu halten, ist schon bemerkenswert. Die Patriots sind regelmäßig Teil von Low-Scoring-Games und gewinnen sie. Was sie besonders gut machen, ist das kollektive Verteidigen. Der Ball wird als Einheit attackiert, alle rennen zum Tackle. Das ist extrem gut gecoacht. Dazu kommt eine enorme Physis. Die Patriots tacklen nicht nur, sie sorgen dafür, dass es weh tut. Am Ende haben wir auf beiden Seiten genau das, was wir aus den besten Zeiten beider Franchises kennen: extrem physische Defenses. Entscheidend wird daher weniger sein, wie die Offenses aussehen, sondern wie die jeweiligen Defenses die gegnerischen Angriffe kontrollieren.

Sam Darnold: "Das Talent war immer da"

ran: Sam Darnold ist einer der meistdiskutierten Quarterbacks dieser Saison. Steht Seattle im Super Bowl wegen ihm – oder trotz ihm?

Kuhn: Ich würde ihn gar nicht als polarisierend bezeichnen. Eher als überraschend für viele, die vielleicht nicht erwartet haben, wie gut er am Ende wirklich ist. Dabei wurde er nicht ohne Grund sehr hoch gedraftet. Das Talent war immer da, das haben alle gesehen. Oft liegt es meiner Meinung nach weniger an den Spielern als an den Umständen: an Coaches, am System, an der Organisation. Schaut man auf seine Saison, hat er sehr gut gespielt.

ran: Ihm unterlaufen aber immer auch teure Turnover…

Kuhn: Ja, es gab Turnover, bei denen man dachte: Das könnte jetzt teuer werden. Aber entscheidend ist, wie er danach reagiert hat. Er hat direkt wieder gute Entscheidungen getroffen und seinem Team geholfen, Spiele zu gewinnen. Ohne seine Leistung wären die Seahawks ganz sicher nicht im Super Bowl. Deshalb: eindeutig wegen ihm und nicht trotz ihm.

ran: Er ist der erste Quarterback aus dem starken Draft-Jahrgang 2018, der im Super Bowl steht. Gleichzeitig gilt er nicht als so talentiert wie Josh Allen oder Lamar Jackson. Wie erklären Sie sich das?

Kuhn: Josh Allen und Lamar Jackson haben in den vergangenen Jahren einfach mehr nachgewiesen, denn beide waren mehrfach MVP, beide haben ihre Teams regelmäßig tief in die Playoffs geführt. Ob es am reinen Talent liegt, ist aber schwer zu sagen. Es spielt eine enorme Rolle, wo man landet. Sam Darnold kam zu den Jets und das ist nun einmal keine Organisation, die in den vergangenen 20 Jahren dafür bekannt war, Quarterbacks optimal zu entwickeln. Es hängt extrem davon ab, ob man in ein Schema gepresst oder das System auf die eigenen Stärken zugeschnitten wird. Da hatten andere Quarterbacks aus diesem Jahrgang vermutlich etwas mehr Glück als Sam Darnold. Jetzt passt es für ihn aber in Seattle, und das merkt man.

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Super Bowl: Drake Maye und seine Frau - Love-Story seit der Middle School

ran: Was fehlt Darnold noch, um dauerhaft zur absoluten Spitze der Liga gezählt zu werden?

Kuhn: Vor allem Kontinuität. Er muss die Möglichkeit bekommen, sich weiter zu beweisen, und das jetzt über mehrere Jahre hinweg. Sein Weg über Minnesota und jetzt Seattle ist schon ein klarer Beleg dafür, dass er sich durchgesetzt hat. Ich glaube, viele hätten ihm nicht zugetraut, dass er so konstant gute Entscheidungen trifft und ein Team bis in den Super Bowl führen kann. Entscheidend wird sein, dass dieses Jahr nicht als Ausreißer gesehen wird. Sondern dass man sagt: Das ist Sam Darnold – das kann man von ihm jedes Jahr erwarten. Unabhängig vom Ausgang dieses Super Bowls wird er im kommenden Jahr ganz klar der Quarterback sein, an dem sich in Seattle alles orientiert.

ran: Wenn man beide Quarterbacks isoliert für dieses eine Spiel bewertet: Wer bringt die besseren Voraussetzungen für den Super Bowl mit?

Kuhn: Ich sehe hier vor allem wegen des Playcallings leichte Vorteile bei Drake Maye. Die Offense der Patriots ist sehr gut auf ihn zugeschnitten. Mit Josh haben sie einen der besten Offensive Coordinator der Liga, der Maye nicht überfordert, sondern ihm genau die Entscheidungen abnimmt, die er nicht erzwingen muss. Er wird nicht dazu gedrängt, riskante Würfe zu nehmen oder spektakuläre Plays zu erzwingen. Stattdessen darf er das machen, was er am besten kann, und dazu gehört auch seine Mobilität. Gerade mit den Beinen kann er Situationen lösen, First Downs holen und Drives am Leben halten. In dieser Hinsicht ist er etwas beweglicher als Darnold. Kopf an Kopf sehe ich deshalb Drake Maye leicht vorne. Nicht wegen des Talents allein, sondern wegen der besseren Voraussetzungen.

Super Bowl: Nicht zu sehr vom Rahmen einfangen lassen

ran: Worauf kommt es an so einem Tag – jenseits des rein Sportlichen – am meisten an? Ist es vor allem wichtig, dieses Drumherum auszublenden?

Kuhn: Das ist entscheidend. Man muss aufpassen, dass man sich nicht zu sehr vom Rahmen einfangen lässt. Alles Drumherum ist beeindruckend, keine Frage. Aber am Ende geht es nur darum, dieses eine Spiel zu gewinnen. Ich bin mir sicher, dass beide Teams sehr gut darauf vorbereitet sind. Und sobald es losgeht, wissen die meisten Athleten sehr schnell wieder, worum es wirklich geht. Dann rückt das Wesentliche in den Vordergrund.

ran: Spielt das letzte Super-Bowl-Duell der beiden Teams heute noch eine Rolle?

Kuhn: Sportlich eigentlich nicht. Mit Ausnahme des General Managers bei den Seahawks ist auf beiden Seiten niemand mehr dabei, weder im Coaching Staff noch im Spielerkader. Trotzdem leben solche Duelle natürlich von ihren Geschichten. Fans erinnern sich daran, Organisationen erinnern sich daran. Gerade auf Seiten der Seahawks gibt es sicher noch das Gefühl, dass mit den Patriots eine Rechnung offen ist, auch wenn das eher auf emotionaler Ebene eine Rolle spielt als auf dem Feld.

ran: Wer gewinnt den Super Bowl und warum?

Kuhn: Ich sehe die Patriots leicht vorne. Mir gefällt sehr gut, wie sie in den letzten Wochen gespielt haben. Sie treten extrem physisch auf, spielen sehr körperbetont und wirken insgesamt sehr stabil. Warum genau es am Ende so ausgeht, ist schwer zu sagen – das ist eben der Super Bowl. Aber vom Gesamteindruck her sehe ich die Patriots mit einem kleinen Vorteil.

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